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Insolventer BFI Bank fehlen 98 Millionen

Die insolvente Dresdner BFI Bank hat noch Verbindlichkeiten von rund 222 Millionen Euro. Insolvenzverwalter Hans-Jörg Derra legte am Dienstag auf der ersten Gläubigerversammlung den Bericht über die Vermögensverhältnisse der Bank vor, die 1996 als bislang einziges privates Kreditinstitut in Ostdeutschland gegründet wurde.

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dpa

Dresden - Durch Barreserven, Forderungen an Kunden durch Kredite sowie sonstige Werte verfügt die im Mai wegen Überschuldung geschlossene Bank über ein Vermögen von 124 Millionen Euro. Damit fehlten mehr als 98 Millionen Euro zur Begleichung der Verbindlichkeiten gegenüber den geschädigten Kunden.

Auf der nichtöffentlichen Gläubigerversammlung wollten sich rund 1200 Geschädigte über die Aussichten informieren, wieder zu ihrem verloren gegangenem Geld zu kommen. Derra gab an, dass angesichts noch zu klärender Fragen keine abgesicherte Prognose zur Insolvenzquote abgegeben werden könne. Das Verfahren werde mindestens vier Jahre dauern, sagt er.

Mehr als 20.000 Euro sind nicht abgesichert

Sparbriefe, Termingelder und Kontoguthaben sind pro Kunde über den Einlagensicherungsfonds deutscher Banken zu 90 Prozent mit einem Wert von maximal 20.000 Euro abgesichert. Weitere Papiere hingegen werden nicht berücksichtigt.

Rechtsanwältin Cordula Heß, die die Interessengemeinschaft der BFI Bank-Geschädigten vertritt, betonte, dass es Zeit brauche, die Forderungen und Außenstände der Bank wieder hereinzuholen, um Betroffene zu entschädigen. „Es muss geprüft werden, ob Berater oder Repräsentanten nicht haftbar gemacht werden können, die ihre Kunden nicht ausreichend auf die Absicherung ihrer Vermögen nur bis zu einer Höhe von 20.000 Euro hingewiesen haben“, sagte sie.

Mindestens 60.000 Kunden betroffen

Von der Pleite der Bank sind mindestens 60.000 Anleger betroffen, darunter viele Privatkunden, die für den Lebensabend Geld zur Seite gelegt hatten. Als Ursachen der Schieflage des Instituts gab Insolvenzverwalter Derra unter anderem konjunkturelle Einflüsse in Zusammenhang mit der Immobilienfinanzierung und Probleme im organisatorischen Bereich an.

Die 1996 gegründete BFI Bank war vorranging in der Wohnungsbau- und Immobilienfinanzierung tätig. Anlegern wurde auch der Kauf geschlossener Immobilienfonds finanziert. Das Geschäftsjahr 2001 wurde noch mit einer Bilanzsumme von mehr als 300 Millionen Euro abgeschlossen, jedoch erstmals mit Verlusten von 1,09 Millionen Euro. Für 2002 wurde kein Geschäftsbericht mehr vorgelegt. Die BFI Bank hatte zuletzt 70 Mitarbeiter und Niederlassungen in Dresden, Würzburg und Luxemburg.