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Viele Stahlbauer haben einen neuen Job

Der Insolvenzverwalter zieht eine positive Zwischenbilanz. Zu tun hat er mit der Pleite der Nieskyer Firma aber noch lange.

Obwohl es den Stahl- und Brückenbau Niesky faktisch nicht mehr gibt, hat Insolvenzverwalter Ralf Hage noch immer alle Hände voll zu tun. Das wird in den nächsten Jahren auch so bleiben.
Obwohl es den Stahl- und Brückenbau Niesky faktisch nicht mehr gibt, hat Insolvenzverwalter Ralf Hage noch immer alle Hände voll zu tun. Das wird in den nächsten Jahren auch so bleiben. ©  Archiv/André Schulze

Ende Juni war die Deadline für die Transfergesellschaft, die den Ex-Stahlbauern einen Weg in die berufliche Zukunft aufzeigen sollte. Doch nun kommt es anders. Und auch Ralf Hage hat als Insolvenzverwalter noch immer jede Menge mit dem früheren Nieskyer Traditionsbetrieb zu tun.

"Ich bin eigentlich total zufrieden", beschreibt der Insolvenzverwalter seine Gemütslage. Auch wenn bisher nicht alles so lief, wie er ursprünglich gedacht hatte. Denn die Qualifizierungsgesellschaft dreht jetzt eine weitere Runde. Weil die letzten Stahlbauer erst Mitte März mit dem Abarbeiten alter Aufträge fertig waren und in die aus der Insolvenzmasse des Stahlbaus finanzierte Übergangsgesellschaft wechseln konnten, wird deren Existenz nun bis Mitte Juli verlängert. Vier Monate beträgt die maximale Dauer, die Ex-Stahlbauer hier beschäftigt werden können.

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Viele Stahlbauer sind in neue Jobs vermittelt

Über die bisherige Leistung der Gesellschaft zieht Ralf Hage ein positives Resümee. "Es ging uns ja in erster Linie darum, die Leute in neue Jobs zu bekommen. Das ist sehr gut gelungen. Drei Viertel der Stahlbauer, die diesen Weg mit uns gegangen sind, konnten bisher vermittelt werden." Genau sind es 73 Prozent von etwa 100 Beschäftigten, die aus der einstmals 120 bis 130 Mitarbeiter starken Belegschaft des Stahlbaus noch übrig geblieben waren. Acht hoffen derzeit noch, dass die Transfergesellschaft Arbeitsplätze für sie findet. Wo die vermittelten Stahlbauer nun angestellt sind, vermag Ralf Hage nicht zu sagen. Allerdings lobt er den Waggonbau und auch Stahlbau-Nachfolger Stahl Technologie Niesky (STN), die sich sehr kooperativ gezeigt hätten.

Das Insolvenzverfahren ist mit dem Auslaufen der Transfergesellschaft jedoch noch lange nicht beendet. "Frühestens in fünf Jahren", schätzt Hage ein. Dabei hält er sich nicht unnötig lange am Nieskyer Stahlbau fest. "Meine Aufgabe ist es, Außenstände einzutreiben." Mit vielen Auftraggebern habe es in den vergangenen Monaten schon Einigungen gegeben. Bei anderen sei er damit aber noch weit entfernt. Vor allem bei zwei Brücken in Magdeburg und im Ruhrgebiet, an denen der Stahlbau Niesky mitgewirkt hat, geht derzeit gar nichts voran. "Davon lasse ich mich nicht beirren. Mein Ziel ist es, noch möglichst viel des uns zustehenden Geldes reinzuholen." Immerhin gehe es um teils sechsstellige Beträge. Gerichtsverfahren seien nicht auszuschließen. "Dafür gibt es Fachanwälte für Baurecht, die sich darum kümmern."

Mängel müssen fünf Jahre nachgearbeitet werden

Vor allem die rund 250 Gläubiger des Stahlbaus werden das mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, wenngleich die Chance, den ihnen zustehenden Betrag in voller Höhe zu bekommen, faktisch nicht vorhanden ist. Ralf Hage bestätigt: "Eine 100-prozentige Quote gibt es nicht. Der Durchschnittswert in Deutschland liegt bei einem bis drei Prozent." Wie groß das Plus ausfällt, hängt vom Verhältnis der noch einzufordernden Außenstände und der Gewährleistungen für die gebauten Brücken ab. Für eine Prognose sei es noch zu früh, meint der Insolvenzverwalter. "Die ist - ganz vorsichtig - erst Ende des Jahres möglich."

Gerade die fünfjährige Gewährleistungspflicht ist es, die für Unwägbarkeiten in der Endbilanz sorgt. Wenn Mängel angezeigt werden, gilt es, sie zu prüfen. Da greift Hage auf die Einschätzungen der früheren Stahlbauer zurück, obwohl sie gar nicht mehr in dem Unternehmen beschäftigt sind. Vor allem Ex-Geschäftsführerin Elke Duntsch hilft mit ihrem Erfahrungsschatz immer wieder aus. Muss etwas repariert werden, löst der Insolvenzverwalter Aufträge aus - die Geld kosten und die Abschlussquote drücken.

Insolvenzverwalter befüchtet Pleitewelle im Herbst

Vor Ort in Niesky ist Ralf Hage kaum noch anzutreffen. Und er hofft auch, dass das so bleibt. Nicht nur wegen der Betreuung des Stahlbau-Verfahrens, sondern auch der Entwicklung, die er für die nächsten Monate befürchtet. Wegen der Corona-Krise und den durch diverse Hilfspakete verzögerten Folgen werde es im vierten Quartal "eine riesige Welle an Insolvenzen" geben, vermutet der aus dem Raum Bautzen stammende Fachanwalt für Insolvenzrecht, der in einer Dresdener Kanzlei arbeitet. "Firmen, die gefühlt schon Pleite waren, werden diese Krise nicht überstehen." Dies sei aber auch ein Stück Marktbereinigung. "Den anderen Firmen drücke ich die Daumen, dass sie mit mir und meinen Berufskollegen nichts zu tun bekommen."

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