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Insolvenzantrag fürs Kulturhaus

Was aus dem Objekt in Bischofswerda wird, ist ungewiss. Die Ü-30-Party am 18. April soll stattfinden.

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© Regina Berger

Von Gabriele Naß und Ingolf Reinsch

Die Eigentümergesellschaft des Kulturhauses Bischofswerda ist zahlungsunfähig. Nach Angaben des zuständigen Amtsgerichtes in Dresden wurde Insolvenz angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht am vergangenen Freitag den Dresdener Rechtsanwalt Matthias Rönsch von der deutschlandweit tätigen Kanzlei Wolff Rapp Rechtsanwälte.

Ohne Zustimmung des Insolvenzverwalters läuft zurzeit nichts mehr im Kulturhaus. Matthias Rönsch kündigte auf SZ-Anfrage für den heutigen Donnerstag eine Ortsbesichtigung an. Da der Geschäftsführer der Kulturhaus Bischofswerda GmbH, Peter Siebecke, erkrankt ist, werde ihn dessen Vertreter begleiten, teilte der Anwalt mit. Erst nach der Besichtigung möchte er sich näher zu den Umständen der Insolvenz und zu einer möglichen Zukunft des Hauses am Platz des Volkes äußern.

Kartenvorverkauf für Party läuft

Die für den 18. April geplante Ü-30-Party soll trotz der Insolvenz stattfinden. Das sagte Veranstalter Andreas Thomas auf Anfrage unter Berufung auf ein Gespräch mit dem Insolvenzverwalter zu Wochenbeginn. „Die Party steht nicht infrage, sie findet definitiv statt“, erklärte Andreas Thomas. Der Kartenvorverkauf für die seit Langem vorbereitete Veranstaltung läuft bereits. Die Veranstalter planen mit drei Floors, auf denen das Helene-Fischer-Double Mara, eine Abba-Cover-Band aus Prag, die DNA-Beachboys aus Bautzen, Tobie le Freak und mehrere DJs zu erleben sind.

Eine Insolvenz des Kulturhauses lag im Bereich des Möglichen. Geschäftsführer Peter Siebecke sagte im Dezember vergangenen Jahres auf Anfrage der SZ, dass es zu Beginn des neuen Jahres eine Entscheidung geben werde. Er sprach damals von „drei Optionen“, ohne diese näher zu beschreiben. Eine dieser Option könnte der Gang zum Insolvenzgericht gewesen sein. Eine weitere: ein möglicher Verkauf durch die Eigentümer. Insider berichten, zuletzt habe es einen Kaufinteressenten gegeben, der den Gebäudeteil mit Gaststätte im Erdgeschoss und kleinem Saal darüber zum altengerechten Wohnen umbauen wollte. Was aus diesen Plänen wurde, ist offen. Geschäftsführer Peter Siebecke war am Mittwoch für die SZ nicht zu erreichen.

Finanzstarker Investor gesucht

Gesellschaft und Geschäftsführer stießen bei der Bewirtschaftung des Objektes an Grenzen. Das Kulturhaus in seiner jetzigen Eigentümerform weiterzuführen, „gibt die wirtschaftliche Lage nicht her“, sagte Peter Siebecke im Dezember. Die Gesellschafter könnten froh sein, „wenn sie den Einsatz rauskriegen“. Aber mit einem finanzstarken Investor lasse sich etwas machen. Es müsse investiert werden, unter anderem in eine neue, moderne und damit deutlich kostengünstigere Heizung.

Die Eigentümergemeinschaft hatte untereinander Probleme. Mit einem früheren Mit-Geschäftsführer und Gesellschafter gab es Auseinandersetzungen wegen unterschiedlicher Probleme, die nie offiziell kommuniziert wurden. Ebenso mit einem zweiten Mit-Gesellschafter. Von beiden trennte man sich, was das Tagesgeschäft angeht, im Streit. Die Rede war unter anderem von Missmanagement bei Eigenveranstaltungen. Diese instabile Lage dürfte längerfristig zur jetzigen Lage beigetragen haben.

Dauermieter sind im vergangenen Jahr ausgezogen

Das Kulturhaus Bischofswerda war vor reichlich einem Jahr erstmals im Internet zum Kauf angeboten worden. Konkret haben sich dazu weder die Gesellschafter noch der Geschäftsführer je geäußert. Auf drei Portalen im Internet, unter anderem bei den Ebay-Kleinanzeigen, tauchte das Objekt im Februar 2014 erstmals auf. Die Immobilie mit rund 11 000 Quadratmetern Grundstück wurde da für 889 000 Euro angeboten, samt ausführlicher Objektbeschreibung, in der das Ensemble als „Veranstaltungscenter für Gäste aus nah und fern“ beschrieben wurde: mit großem und kleinem Saal, großzügigem Foyer, Festzimmer, modernsten Garderoben, technischen Gewerken, einem Backstagebereich für einen professionellen Ablauf von Inszenierungen und einem großzügigen, gepflegten Außengelände.

Die Immobilie zu verwerten und einen Käufer zu finden, dürfte nun die wichtigste Aufgabe des Insolvenzverwalters sein. Insofern birgt die Insolvenz die Chance für eine Perspektive.

Der Landkreis Bautzen hatte die Immobilie 2006 privatisiert, indem er sie an die Kulturhaus Bischofswerda GmbH mit vier Gesellschaftern verkaufte. Genutzt wird das Haus nur noch selten. Dauermieter, wie das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit sowie der Landkreis mit Kreismusik- und Volkshochschule, zogen 2014 aus.