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Insolvenzverwalter korrigiert Hess AG um 23 Millionen Euro

Aktionäre können jetzt Schadenersatzansprüche als Forderung anmelden.

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Stuttgart/Dresden. Anders als in seinen bisherigen Bilanzen angegeben, hat der frühere Leuchtenhersteller Hess AG bereits seit 2007 Verluste gemacht. Das teilte gestern Insolvenzverwalter Volker Grub in Stuttgart mit. Insgesamt müsse man die Ergebnisse von 2007 bis 2011 um 23,2 Millionen Euro nach unten korrigieren. Grub betonte, die Jahresabschlüsse seien nur in den „zwingend notwendigen Positionen“ überarbeitet worden. Unter Umständen könnte der Korrekturbedarf noch höher liegen. Allerdings habe etwa die Werthaltigkeit diverser Forderungen nicht mehr zuverlässig geprüft werden können.

Für 2012 habe er lediglich einen Entwurf vorgefunden, so Grub. Darin hätten die ehemaligen Hess-Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler „Scheingeschäfte und unzulässige Bilanzierungsmaßnahmen“ ergriffen, um das Ergebnis um einen zweistelligen Millionenbetrag zu schönen. Grub betonte, er werde fortan Schadensersatzansprüche anerkennen von Aktionären, die Hess-Aktien aufgrund der unrichtigen Jahresabschlüsse gekauft hätten.

Die Hess AG war im Herbst 2012 an die Börse gegangen. Nur wenige Monate später tauchten Bilanzfälschungsvorwürfe auf, Hess und Ziegler mussten im Januar 2013 gehen. Das Unternehmen ging pleite, das Produktionswerk in Löbau wurde im August geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 23 Beschuldigte, darunter sind auch die Ex-Vorstände. Zumindest Hess bestreitet die Vorwürfe vehement. Der 42-Jährige arbeitet seit Jahresbeginn von seiner Heimatstadt Villingen-Schwenningen aus für den französischen Leuchtenhersteller Novaday. (uwo)