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Hoyerswerda

Inspirationen aus dem Holz-Abfall

Olaf Klepzig aus Rabenau ist einer der Teilnehmer des 12. Internationalen Bildhauersymposiums.

Zu zwei Dritteln hat Olaf Klepzig seinen Elefanten
(im Hintergrund) fertig. Hier
arbeitet er an Teil
Nummer drei.
Zu zwei Dritteln hat Olaf Klepzig seinen Elefanten (im Hintergrund) fertig. Hier arbeitet er an Teil Nummer drei. © Foto: Mirko Kolodzeij

Hoyerswerda. In dem Maße, in dem das Material abnimmt, muss die Form des Kunstwerkes zunehmen. So beschreibt Olaf Klepzig aus Rabenau bei Dresden das Tun eines Bildhauers. Manchmal stoßen Künstler dabei jedoch auf unerwartete Schwierigkeiten. 

Olaf Klepzig zum Beispiel ging gleich zu Beginn des 12. Internationalen Bildhauersymposiums im Zoo die Kette seiner Maschinensäge kaputt. Er arbeitet mit Eichenholz – von einem gefällten Straßenbaum. In Hoyerswerda wurden Bäume in den 1990ern für ein Kataster mit kleinen, runden Code-Plaketten versehen. Man befestigte sie mit einem Nagel aus Edelstahl. Im Fall von Olaf Klepzigs nunmehrigem Arbeitsmaterial wuchs das Metall ein, bis jetzt die Kettensäge daran hängenblieb und ihren Geist aufgab. Zum Glück konnten die Leute vom Zoo mit Ersatz helfen.

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Olaf Klepzig, früher Verwaltungsmitarbeiter in einem Betrieb und später Lehrer für Deutsch sowie für Kunst, ist seit 2002 selbstständiger Künstler. Drei Jahre später initiierte er erstmals die Aktion „Kunst offen“, bei der man seither immer zu Pfingsten in Sachsen Künstler in ihren Ateliers und Werkstätten besuchen kann.

Für das Bildhauersymposium mit dem Motto „Humanimal – Mensch, Seele, Tier“ hatte der 56-Jährige zwei Vorschläge eingereicht – eine Sphinx aus Sandstein und einen Elefanten aus Holz. Die Hoyerswerdaer Jury entschied sich für das Rüsseltier.

Plötzlich liegen da zwei Zähne

„Ich habe eine Idee gesucht und da sehe ich im Atelier plötzlich ein tierähnliches Gebilde“, beschreibt der Künstler, wie er auf den Elefanten kam. Er habe eine alte, morsche Skulptur zersägt und ein Rest-Stück zum Weiterbearbeiten auf einen Sockel gestellt. Eigentlich war es nur ein Stück Holz mit abstraktem Aussehen. Doch wie so der Blick darüber hinweg schweifte, zeigte sich plötzlich das Tier: „Ich dachte, Mensch, das sieht doch aus wie ein Elefant.“ Und so wurde unversehens aus dem Abfallstück das Modell für jenen Elefanten, der da nun im Zoo so annäherend in Lebensgröße aus Eichenholz wächst.

Die Plastik besteht aus drei Teilen, von denen zwei inzwischen montiert sind. Dazu kommen zwei Stoßzähne. Ursprünglich sollte der Elefant ja zahnlos sein, doch wiederum inspirierte Abfall – dieses Mal einen der Künstler-Kollegen im Zoo. In einem Haufen an abgesägtem, überschüssigem Holz entdeckte er zwei Stücke, von denen er meinte, Olaf Klepzig könne sie gut zu Stoßzähnen machen. Gesagt, getan!

Als ehemaligem Pädagogen fällt es dem Künstler, der selbst mit 17 mit dem Zeichnen begann, nicht schwer, sein Wissen weiterzugeben. Er gibt Kurse an Volkshochschulen und ist auch für ein Keramik-Ganztagsangebot an einer Schule verantwortlich. Freilich: Nachdem er 1989 mit dem Studium fertig war, brauchte es nur drei Jahre, um festzustellen, dass ein Leben als Lehrer nichts für ihn ist. Wie man Disziplinprobleme löst, sagt er, sei im Studium kein Thema gewesen. Die Gesellschaft war eben damals eine andere: „Heute sind Lehrer oft ein Sündenbock für gesellschaftliche Dinge und auch für private Schwierigkeiten.“ Olaf Klepzig freut sich aber sehr über die Mädchen und Jungen aus dem Léon-Foucault-Gymnasium, die neben den Bildhauern arbeiten: „Sie sehen, was wir machen. Wir sehen, was sie machen.“ Und wenn der Nachwuchs das Werkzeug falsch führt, greift Klepzig schon mal helfend ein.

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