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Internationale Künstler am Miltitzer Steinbruch

Seit einer Woche sind Bildhauer verschiedener Nationen zu Gast, um spannende Skulpturen zu schaffen.

Von Toni Börner

Leben und Genuss

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Staub. Hämmern. Klopfen. Pochen. Schleifen. Lärm. Und noch mehr Staub. Wer in diesen Tagen den Steinbruch in Miltitz besucht, wundert sich vielleicht etwas. In dieser sonst so stillen Idylle, wo sogar eine Treppe für Badegäste eingerichtet ist, die zum kühlen Nass herunterführt, wird derzeit gehämmert und gewummert, was das Zeug hält. Und das aus einem durchaus guten Grund.

In dieser Halle am Miltitzer Steinbruch entstehen derzeit die Kunstwerke der drei internationalen Bildhauer. Am 18.August sollen die Skulpturen dann öffentlich präsentiert werden. In der Nähe der Radfahrer- und Fußgängerbrücke.
In dieser Halle am Miltitzer Steinbruch entstehen derzeit die Kunstwerke der drei internationalen Bildhauer. Am 18.August sollen die Skulpturen dann öffentlich präsentiert werden. In der Nähe der Radfahrer- und Fußgängerbrücke.

Verantwortlich für den „Lärm“ sind dabei David Farrel, Andrea Copello und Robert Alger. Die drei Künstler sind in ihre Arbeit vertieft. Bemerken sie Schaulustige, gibt’s ein kurzes, freundliches Nicken, dann geht es aber mit der Arbeit weiter. Für die SZ machen die Künstler mal eine Ausnahme – und machen kurz Pause. Robert Alger legt Flex und Schutzbrille beiseite – mit Druckluft aus einem Kompressor pustet er sich den Staub von Körper und Kleidung.

Wo schon Michelangelo arbeitete

Alger hat tschechisch-amerikanische Wurzeln und sein Handwerk an der Accademia di Belle Arti di Carrara erlernt. Also an der vermutlich besten Akademie, die es weltweit für Bildhauer gibt, direkt bei den Marmor-Brüchen von Carrara. Dort, wo einer der berühmtesten und besten Marmore der Welt herkommt. Dort, wo Michelangelo seinen Werkstoff holte und dort, wo das Material für den Petersdom in Rom herkommt. Alger spricht sehr gutes Deutsch. „Du kannst hier gern zuschauen und fotografieren“, sagt er. „Musst nur aufpassen. Ist ziemlich staubig“, und schielt auf die Kamera des SZ-Reporters.

Hier entstehen derzeit drei Skulpturen, die später beim Bildhauersymposium der Gemeinde Nebelschütz aufgestellt werden sollen. Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs: „Wind der Hoffnung, des Glaubens und der Liebe“. Es ist den Sorben und Deutschen der Lausitz gewidmet. Gerade Robert Alger fühlt bei diesem Thema eine enge Beziehung. „Als Slawe habe ich auch deutsche Wurzeln“, sagt er. Seine Skulptur heißt „Wind der Hoffnung“. Es ist „eine Skulptur, die Form und Richtung ändert, wie eine im Winde flatternde Fahne“, beschreibt er. „Sie droht auseinanderzuzerren“, fügt er an. Aber sie könne sich eben doch dagegen wehren. „Sie sieht aus wie ein Schwan“, spannt er den Bogen dann auch gleich noch zum Ortswappen von Nebelschütz. Seine Gedanken seien dabei von der eng verbundenen Geschichte der Deutschen und Sorben inspiriert, verrät er dann die Idee, die dahinter steht.

David Farrel haut dazu ein Auge in Stein. „Es ist eine Skulptur, die ausdrückt, wo die Liebe entspringt und wo die Liebe beginnt“, beschreibt er. „Es ist der erste Augenkontakt zwischen zwei Menschen – ein Blick sagt: Ich komme mit Liebe im Herzen, mit lauter Liebe…“

Brücke als spannendes Symbol

Kollege Andrea Copello aus Italien setzt einen anderen Akzent. Seine Skulptur soll eine Brücke der Einheit aus einer universellen Perspektive zeigen, sagt er. „Die Augen schließend drücke ich das aus, was mein Herz mir sagt“, erläutert der Italiener. wie er auf die Idee zu seinem Werk gekommen ist. „Das Einhaken von zwei geometrischen Formen – wie zwei Hände, die sich verbinden – repräsentiert die Union der Menschen von heute, die eine dauerhafte Brücke der Brüderlichkeit für zukünftige Generationen bildet.“

Erst vor einer Woche war das mittlerweile 8. Internationale Bildhauersymposium von Nebelschütz im Steinbruch gestartet. Und schon wenige Tage später haben die Skulpturen erste, durchaus spannende Formen angenommen. Im Rahmen eines kleinen Festes sollen die drei fertigen Figuren dann in der Nähe der Radfahrer- und Fußgänger-Brücke zwischen Kamenz und Nebelschütz aufgestellt werden. Interessierte Kunstfreunde sollten sich dazu unbedingt schon mal den 18. August, 14 Uhr, vormerken.