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Internet auf dem Dorf schneller als in Döbeln

Besonders gut versorgt werden die Festnetzkunden. Wer über Funk ins Internet geht, muss sparsam surfen.

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Von Peggy Zill

Die knapp 30 Haushalte des kleinen Ortes Schallhausen der Gemeinde Mochau konnten bisher gar nicht oder nur mit Bandbreiten von unter einem Megabit pro Sekunde im Internet surfen. Versorgt wurden sie vom Hauptverteiler aus Döbeln. Der stand viel zu weit weg. Die Einwohner von Mochau selbst waren dank eines Glasfaserüberbaus mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde da schon wesentlich schneller im World Wide Web unterwegs.

Unterdessen surfen die Dorfbewohner teilweise sogar schneller als die Döbelner. „In Döbeln kommen wir auf 16 Megabit pro Sekunde, in Mochau sind bis zu 50 Megabit möglich“, erklärt Daniel Stiewe, Vertriebsmitarbeiter bei Yellowcom in Döbeln. Das Geschäft wird von der Deutschen Telekom als regionaler Ansprechpartner für Kunden angegeben, die einen schnellen Internetzugang wünschen. Hier macht sich bemerkbar, ob sich der millionenteure Ausbau des Netzes in Mittelsachsen gelohnt hat. Hat er, laut Daniel Stiewe. Seit November/Dezember 2013 sei die Nachfrage stark gestiegen. Schon vorher hätten sich viele Leute nach einem neuen Anschluss erkundigt. Allerdings waren meist nur langsame Verbindungen möglich. „Die trotzdem viel gekostet haben“, so Daniel Stiewe. Für die VDSL-Verbindung, also über Kabel, verlangt die Telekom knapp 30 Euro monatlich, wer über Funk ins Internet geht zahlt knapp 35 Euro.

Sobald die Telekom darüber informiert, in welchen Orten der Ausbau abgeschlossen ist, schreibt Yellowcom die potenziellen Kunden an. „Zurzeit sind auch viele freie Mitarbeiter der Telekom unterwegs, die Verträge anbieten oder den Leuten regelrecht aufdrängen“, erklärt Daniel Stiewe. Er warne jedoch davor, an der Haustür etwas zu unterschreiben. Teilweise würden Dinge angeboten werden, die dann nicht eingehalten würden. In den vergangenen Tagen erreichten Daniel Stiewe deshalb schon Beschwerdeanrufe. Wenn die Kunden eine Bestellung später stornieren wollen, seien die freien Mitarbeiter nicht mehr erreichbar.

Letzte Baugenehmigungen fehlen

Rund 9,6 Millionen Euro hat die Deutsche Telekom für den Ausbau der Grundversorgung erhalten. 47 Kommunen mit 271 Ortsteilen sollen über Festnetz oder Funk mit mindestens zwei Megabit pro Sekunde surfen können. Zwei Jahre lang dauerte die Planungsphase für das Projekt, weitere zwei Jahre der Ausbau. Der sollte eigentlich Ende 2013 abgeschlossen sein. Der letzte Winter, der ungewöhnlich lange gedauert hat und das Hochwasser im Juni haben allerdings zu Verzögerungen geführt. Hinzu kommen Probleme bei der Errichtung von Anlagen durch unklare Eigentumsverhältnisse, fehlende Zustimmungen bei der Querung von Straßen oder Privatgrundstücken. Wie Georg von Wagner, Sprecher der Deutschen Telekom, auf Nachfrage erklärte, wird das letzte Kabel wohl erst Mitte des Jahres verlegt sein. „Etwa ein Prozent der Leistung konnte noch nicht erbracht werden“, so von Wagner. Hintergrund seien fehlende Baugenehmigungen oder fehlende Stromanbindungen.

Wenn das Projekt abgeschlossen ist, werden zehn Prozent der Haushalte, die über Kabel ins Internet gehen, mit weniger als sechs Megabit je Sekunde auskommen müssen. Zwei Drittel haben Übertragungsraten von mehr als 20 Megabit pro Sekunde. Die Geschwindigkeit hängt davon ab, wie weit entfernt das Haus vom Verteilerkasten steht. 80 Prozent der Haushalte, die über Mobilfunk versorgt werden, können mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde surfen. Auch hier spielt die Entfernung zum Funkmast eine wichtige Rolle. Zudem gibt es bei den Funkkunden eine Drosselung. Das bedeutet, dass die Verbindung wieder langsamer wird, sobald ein bestimmtes Volumen aufgebraucht ist. Im Schnitt verbraucht ein Kunde heute 15 bis 20 Gigabyte monatlich. Die Drosselung der Telekom kam bisher schon ab zehn beziehungsweise 15 Gigabyte.

Telekom lockert Drosselung

Darüber ärgert sich Dietmar Höbelt. „Die mit Funk Versorgten sind Internetnutzer zweiter Klasse“, sagt der Gersdorfer. Denn die Nutzer werden ab einem bestimmten Verbrauch auf eine Geschwindigkeit von 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. „Das ist, als wenn man vom Mercedes in einen Trabant umsteigt“, sagt Dietmar Höbelt. In seinem Fünf-Personen-Haushalt, kommt er mit dem Volumen maximal bis zu Monatsmitte.

Die Verbraucherzentrale Sachsen mahnte die Telekom deshalb ab. „Die längst überfällige Verbesserung der Versorgung ländlicher Regionen mit schnellem Internet, maßgeblich auch von Politik und Bundesnetzagentur gefordert, bleibt trotz der nunmehr ausgebauten Technik weiterhin auf der Strecke“, so Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen. Gestern verkündete die Telekom, dass der Datenstrom für Bestandskunden um 30 Gigabyte Datenvolumen pro Monat erhöht wird. „Nicht die Welt, aber immerhin etwas“, sagt Dietmar Höbelt. Auch die Verbraucherzentrale will prüfen, ob das ausreicht.