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Der Kirchenfunk von Kottmarsdorf

Auf dem Kirchturm sind jetzt Internet-Antennen installiert. Für die evangelische Gemeinde ein Zubrot - für den Betreiber die Lösung eines existenziellen Problems.

Der Kirchturm in Kottmarsdorf trägt jetzt mehrere Internet-Antennen.
Der Kirchturm in Kottmarsdorf trägt jetzt mehrere Internet-Antennen. © Matthias Weber

Mit seiner Firma WDSL Oberlausitz versorgt Marten Beckel viele Menschen mit etwas, was Riesenunternehmen wie die Telekom ihnen nicht bieten können - oder wollen: Internet. Statt teure Glasfaserkabel zu verlegen, richtet Beckel Richtfunkstrecken ein und bringt das Breitband so per Funk in die Region. Doch wer über weite Strecken funken will, braucht hohe - oder hoch stehende - Antennen. Und Marten Beckel bekam im letzten Jahr eine Kündigung - und damit ein Problem. "Die bergige Topographie der Oberlausitz ist ein Problem für Funksignale. Deshalb ist Kottmarsdorf seit vielen Jahren ein wichtiger Umleitpunkt", erklärt der Unternehmer. Lange hatte er die Internet-Antennen dort auf dem Dach der alten Schule installiert. Doch die Gemeinde wollte das Gebäude verkaufen - ohne Antennen oben drauf. Also brauchte Marten Beckel einen neuen Standort. "Die Situation war für uns existenziell", sagt er.

Marten Beckel weiß: Gegen Funkmasten haben viele Menschen Vorbehalte. Aber er fand etwas, was noch viel besser ist als die alte Schule, den wirklich höchsten Punkt: den Kirchturm von Kottmarsdorf. "Kirchtürme sind gewissermaßen natürliche Maststandorte, weil sie schon da sind", sagt Beckel. Also wandte er sich an die Kirchengemeinde. Der Kirchenvorstand zeigte sich wohlwollend - auch weil der Kottmarsdorfer nicht Beckels einziger Kirchenfunkturm ist. Pfarrerin Nina-Maria Mixtacki nahm sich ein Beispiel an der Schwestergemeinde Großhennersdorf. "Dort klappt das gut vom Kirchturm und es gab keinerlei Beschwerden", sagt sie. Und für Marten Beckel habe es auch keinen anderen geeigneten Standort gegeben. Die Pfarrerin und der Kirchenvorstand stimmten dem Plan zu - auch wenn das die Optik des Kirchturms etwas verändert. Bedingung: Das Kupferdach des Kirchturms dürfe keinen Schaden nehmen.

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"Wir haben nicht die Absicht, hier irgendetwas zu verschandeln", sagt Marten Beckel. Das Vorhaben sei eng mit dem Denkmalschutz abgestimmt - und deshalb auch viel kostenaufwendiger, als wenn man eine Funkantenne auf ein gewöhnliches Haus setzt. "Zur Befestigung der Antennen-Komponenten haben wir maßgefertigte Edelstahl-Teile benutzt", erklärt er etwa. Bei anderen Materialien könnte es nämlich zu chemischen Reaktionen zwischen verschiedenen Metallen kommen, die das kostbare Kupferdach angreifen. "Wir wollten es nicht nur so bauen, dass es für uns passt, sondern dass es sich ideal in die Optik des Kirchturms einfügt", sagt Beckel. Weil man zu Beginn des Jahres quasi im laufenden Betrieb mit einer Antenne umgezogen sei, die ursprünglich für ein anderes Gebäude konzipiert war, gab's seitdem schon einige optische Nachbesserungen.

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Pfarrerin Nina-Maria Mixtacki ist zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis. Ganz fertig ist es noch nicht. "Die Antennen und die Komponenten werden noch lackiert, dann heben sie sich kaum noch von den Farben des Kirchturmdachs ab", sagt Beckel. Die Pfarrerin ist mit ihrer Kirchengemeinde bisher nur Vermieterin des Dachs aber noch keine Kundin von Beckels Firma. "Wir sind noch nicht so weit wie eine Berliner Gemeinde, die einen Gott-Spot eingerichtet hat", sagt sie. Aber wer weiß, der neue Kottmarsdorfer Hot-Spot kann noch einer werden.

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