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Großenhain

Internistin zupft den Chitarrone

Ulrike Philipp begeistert sich für historische Instrumente. Ihr neuer Schatz ist italienisch und fast zwei Meter lang.

Internistin Ulrike Philipp aus Großenhain singt und begleitet sich selbst dabei - neuerdings mit diesem langen Begleiter.
Internistin Ulrike Philipp aus Großenhain singt und begleitet sich selbst dabei - neuerdings mit diesem langen Begleiter. © Anne Hübschmann

Großenhain. "Ach Liebste lass uns eilen". Ulrike Philipp lässt ihre Sopranstimme hell erklingen und zupft dabei die Seiten ihres Chitarrone. Der Neuzugang im Instrumentenfundus der bekannten Großenhainer Internistin ist ziemlich sperrig. "Im ganzen 1.80 Meter", sagt Ulrike Philipp und zeigt auf den gewaltigen Kasten, in dem das Instrument transportiert wird. Es passt nicht in jedes Auto, und die Großenhainerin muss vorsichtig sein, dass sie damit im Zimmer nicht an die Lampe stößt. 

Für alte Musik begeistert sich die Ärztin in ihrer Freizeit schon lange. Seit ihrem achten Lebensjahr spielt sie ein Instrument, zuerst war es die Geige. In der Musikschule machte sie die ersten Schritte als Instrumentalistin. Später kamen die Viola und historische Zupfinstrumente wie die Laute hinzu. Seit vier Jahren nimmt Ulrike Philipp nun Unterricht beim Dresdner Lautenspieler Heiko Schmiedel. "Lauten spielt man nicht nach Noten, sondern nach Tabulatur", sagt sie. Stark vereinfachte bildliche Darstellungen auf dem Griffbrett. So gibt es neben Notenheften auch Tabulaturbücher. 

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Bei Heiko Schmiedel entdeckte sie den Chitarrone, der in Italien das beliebteste Generalbassinstrument des 17. Jahrhunderts war. Er diente in der Renaissance zur Gesangsbegleitung. Und damals wurde bekanntlich viel gesungen - in Schänken, draußen und bei Hofe natürlich. "Ich habe gleich gewusst, dass ich mich dabei selbst gut begleiten kann", sagt Ulrike Philipp. Mit dem fast Zwei-Meter-Instrument machte sie sich ein kostbares Weihnachtsgeschenk. Eine Barocklaute will die Großenhainerin hingegen wieder verkaufen. 

Der massive Hals des Chitarrone mit den zwei Wirbelkästen macht das Instrument schwer. Deshalb sitzt Ulrike Philipp beim Spielen zur Entlastung auf dem Gurtband. Um das nötige Klangvolumen in einem Orchester zu ermöglichen, ist der Instrumentenhals so lang. Der Klang ähnelt der Gitarre, aber es gibt auch tiefe Töne, die von extra dicken und langen Basssaiten erzeugt werden. Der Hals ist aus schwarzem Ebenholz.     

Beim Weihnachtskonzert von Ars musica spielte Ulrike Philipp den Chitarrone für ein einziges Lied mit drei Flöten. "Viel Aufwand", meinte ein Zuhörer. Doch Ulrike Philipp wollte es einfach mal ausprobieren. Denn an sich hat sie das Instrument nur für den Hausgebrauch. "Man spielt es wie eine Gitarre, aber das habe ich leider nicht gelernt", sagt sie. 

Dennoch traute sie sich zu diesem öffentlichen Auftritt - nach einem Vierteljahr Übung. Vielleicht  spielt die Großenhainerin es noch einmal bei einem Sommerkonzert von Ars musica. Vorher tritt sie mit dem Ensemble wieder in der Passionszeit in der Kirche Seußlitz auf - im Chor und an "gewöhnlichen" Instrumenten.  

Die Theorbe, wie der Chitarrone auch genannt wird, hat übrigens auch die aus Großenhain stammende Schauspielerin Corinna Harfouch für sich entdeckt. Beim Festival „Sandstein und Musik“ erzählt sie in diesem Sommer, begleitet von Countertenor und Theorbe, das gefeierte Programm „Die Nachtigall des Zaren“. 

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