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Maskenpflicht: Kunden lassen Frust im Laden aus

Immer öfter werden Verkäuferinnen in seinen Filialen beschimpft, sagt Bäckermeister André Fehrmann aus Göda. Er fordert klare Regeln vom Staat.

Mit Maske zum Bäcker? Für viele ist das nicht mehr selbstverständlich. Bäckermeister André Fehrmann ärgert sich über Kunden, die die Maskenpflicht beim Einkaufen ablehnen und ihren Frust an den Verkäuferinnen in seinen Filialen auslassen.
Mit Maske zum Bäcker? Für viele ist das nicht mehr selbstverständlich. Bäckermeister André Fehrmann ärgert sich über Kunden, die die Maskenpflicht beim Einkaufen ablehnen und ihren Frust an den Verkäuferinnen in seinen Filialen auslassen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mundschutz im Gesicht, unterm Kinn oder ganz ohne. Wer dieser Tage einkaufen geht, erlebt, wie unterschiedlich das Thema Maskenpflicht im Handel gehandhabt wird. Offenbar gehen viele immer laxer damit um. Das bekommen auch die Verkäuferinnen mitunter drastisch zu spüren, sagt André Fehrmann im Gespräch mit Sächsische.de. Der Bäckermeister aus Göda betreibt zahlreiche Filialen in der Oberlausitz.  

Herr Fehrmann, was machen Sie, bevor Sie zum Bäcker oder in ein anderes Geschäft gehen?

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Ich setze meine Maske auf.

Und wie verhalten sich Ihre Kunden?

Maskenpflicht besteht ja für Kunden beim Einkaufen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir haben alles getan, was diese Verordnung für Mitarbeiter und unseren Verkauf vorschreibt. Wir haben erlebt, dass sich manche Kunden nicht daran gehalten haben, als die Cafés wieder geöffnet wurden, in der Annahme: Die Cafés sind wieder offen, und da brauche ich keine Maske aufzusetzen. Aber das gilt ja nur für die Gäste am Tisch. 

Ganz am Anfang kam in Bautzen ein Mann in Anzug und Krawatte rein. Meine Verkäuferinnen haben ihn auf die Maskenpflicht hingewiesen, worauf er sagte: „Ich bin Anwalt. Es besteht keine Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes. Sie müssen mich auch so bedienen.“ In einem Supermarkt in Bautzen gehen die Kunden nach ihrem Einkauf durch die erste Schiebetür und meinen, dann bei uns keine Maske mehr tragen zu müssen.

Aber wie setzen Sie dann die Maskenpflicht um?

Ich habe mit dem Ordnungsamt und der Hygiene telefoniert. Nach deren Worten soll ich die Verordnung des Staates durchsetzen, und dafür hat man mir notfalls auch Polizeigewalt empfohlen. Das kann es ja nun wirklich nicht sein. Da hatten meine Verkäuferinnen Sorge, noch mehr Ärger zu bekommen. Jetzt begann es mit Beschimpfungen, Beleidigungen, Auslachen.

Meine Verkäuferinnen weisen freundlich auf den Maskenzwang hin. Was sollen die Damen tun, wenn die Kunden sich nicht daran halten? Mögen die Geschäfte Kunden ohne Maske reinlassen, um möglichen Konfrontationen aus dem Wege zu gehen? Das macht es uns schwer. Am Ende ist der Unternehmer der Leidtragende, weil er die Strafe bekommen soll. Aber das kann es nun wirklich auch nicht sein!

Was sind das für Beschimpfungen?

„Dann fresst doch Euren Dreck alleine.“ Das ist das Schärfste, was ich gehört habe. Die Verkäuferinnen wissen nicht mehr, wie sie es richtig machen sollen, und haben Angst, den Kunden zu verprellen. Ich habe Hochachtung vor den Damen im Verkauf.  Die Leute rufen ja nicht bei mir an, um sich zu beschweren, sondern beschimpfen die Verkäuferinnen. Sie wollen es dem Kunden recht machen, sie wollen es dem Chef recht machen, und sie wollen so wenig Konfrontation wie möglich. Der Kunde droht mit einem Anruf bei mir. Das schüchtert die Verkäuferinnen ein, aber es ruft keiner an. Ich würde aber natürlich mit den Kunden darüber sprechen.

Beim Landkreis gehen immer wieder Hinweise zu Verstößen gegen die Maskenpflicht ein. Wurden sie bislang kontrolliert oder bestraft?

Nein. Wir wurden noch nie kontrolliert, auch nicht bestraft. Sollte uns aber wegen eines Vorfalles mit der Maskenpflicht ein Bußgeld oder eine andere Strafe angedroht werden, würden wir sofort Widerspruch einlegen.

Haben die Kunden von Anfang an die Maskenpflicht vernachlässigt?

Es hat sich verstärkt. Es gibt Geschäfte, wo die Kunden ohne Maske reinkommen und dann denken, dass sie nirgends eine aufsetzen müssen. Die Leute, die von Anfang an dagegen waren, konnte man sowieso nicht überzeugen. Und es hat mit Öffnung der Cafés zugenommen. Die Kunden müssen am Tisch keine Maske tragen und haben das dann auch an der Theke immer weniger gemacht. Dann ging es mit den Konfrontationen los.

Wie kann man dieses Verhalten ändern?

Mir würde eine einheitliche Linie helfen: entweder alle oder keiner. Am einfachsten wäre es, die Maskenpflicht im Einzelhandel abzuschaffen. Die Landesregierung hat ja weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Es kann aber nicht Aufgabe der Geschäftsinhaber sein, die Bevölkerung von Anordnungen der Staatsregierung und Behörden zu überzeugen. Meine Verkäuferinnen stehen bis zu sechs Stunden am Tag mit der Maske hinter der Theke. Man kann auch gern mal die Rollen tauschen, aber wahrscheinlich will keiner sechs Stunden so eine Maske tragen. Die Verkäuferinnen müssen ja jetzt noch mehr Hygiene-Regeln beachten als vor Corona und wären auch mal froh über ein Lob oder ein Dankeschön! 

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