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Charakter als Gartenort bewahren

Bürgermeister Siegfried Zenker will in Weinböhla ein Hotel, hofft auf das Weinfest und erwartet die Eröffnung des Velociums.

Bürgermeister Siegfried Zenker blickt im SZ-Gespräch nach vorn: Er will den Charakter Weinböhlas als durchgrünten Gartenort erhalten und er will das Gymnasium als Bereicherung der Bildungslandschaft.
Bürgermeister Siegfried Zenker blickt im SZ-Gespräch nach vorn: Er will den Charakter Weinböhlas als durchgrünten Gartenort erhalten und er will das Gymnasium als Bereicherung der Bildungslandschaft. © Arvid Müller

Weinböhla. Herr Zenker, Weinböhla ist staatlich anerkannter Erholungsort. Was plant die Gemeinde, um diesen Status zu festigen?

Wir sind dabei, unsere Fahrraderlebniswelt, das Velocium, fertig zu stellen. Wenn alles gut läuft, soll es zum Weinfest, oder im Spätherbst eröffnen. Das wird ein großer Attraktionspunkt sein, von dem wir uns touristischen Zuspruch erhoffen. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Gästeunterbringung. Wir haben zwar sehr honorige Pensionen im Ort, aber wir werden dafür kritisiert, dass wir als staatlich anerkannter Erholungsort derzeit über kein Hotel verfügen. Deshalb sind wir mit einem Investor und Betreiber im Gespräch und wollen ein vorhandenes Gebäude dafür umnutzen. Konkreteres kann ich jetzt dazu noch nicht sagen, weil alles noch im Fluss ist.

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Inwieweit spielt die Siedlungsstruktur für Weinböhla als Erholungsort eine Rolle?

Wir müssen den Charakter Weinböhlas als durchgrünter Gartenort bewahren. Ich weiß, dass es da Kritik gibt mit Blick auf die Bautätigkeit in der Gemeinde. Aber ich denke, dass es uns gelingen wird, eine moderate Bautätigkeit zuzulassen, die dem grundsätzlichen Charakter des Ortes nicht entgegensteht.

Gehen Sie davon aus, dass das Winterstraßenfest am ersten Septemberwochenende stattfinden wird?

Die Organisation steht, aktuell fehlen nur noch zwei Toilettenfrauen. Natürlich sind bis 31. August in Sachsen alle Großveranstaltungen untersagt, wir wären mit die ersten, die wieder eine solche Veranstaltung anbieten. Das könnte zu einem besonders großen Zuspruch führen. Ob es deshalb einen Eintritt geben wird, um den Zugang zu regeln, steht noch nicht fest. Derzeit spielen wir als Gemeinde gemeinsam mit dem Fest- und Heimatverein und dem Cheforganisator verschiedene Szenarien für die Durchführung des Festes durch.

In anderen Gemeinden kommt es bei Bau- und Investitionsprojekten aufgrund der Virus-Krise zu Material- und Personalmangel. Wie sieht es in Weinböhla aus?

Bei unseren beiden großen Bauvorhaben für dieses Jahr – der Erneuerung der Moritzburger Straße, wo die Gemeinde die Gehwege baut und beim Velocium – spüren wir derzeit noch keinen Mangel. Allerdings können wir die erneuerungsbedürftige Trinkwasserleitung in der Moritzburger Straße zwischen Brücken- und Wilhelm-Wiesner-Straße nicht wie geplant austauschen, weil die eingeholten Angebote ein Kostenvolumen aufweisen, das die Gemeinde nicht finanzieren kann und weil das nötige Material für die Leitung derzeit nicht verfügbar ist.

Die Moritzburger Straße wird bis zur Forststraße am Ortsausgang erneuert. Dort soll auf Gemeindeland ein Einkaufszentrum entstehen. Was ist dazu zu sagen?

Das Wort Einkaufszentrum ist viel zu hoch gegriffen. Wir wollen im Oberdorf einen Ersatz für den geplanten Abriss des derzeitigen Nettos an der Moritzburger Straße schaffen. Dazu sind wir seit vier Jahren mit dem Investor in enger Abstimmung. Wir möchten mit diesem Projekt gern für das Oberdorf Weinböhlas zumindest eine Grundversorgung sicherstellen. Rein quantitativ betrachtet hat Weinböhla bereits hinreichend viele Lebensmittelmärkte, jedoch ist die Verteilung über den Ort sehr unausgewogen. Wir haben keineswegs vor, eine Konzentration wie an der Dresdener Straße auch im Oberdorf zu etablieren. Aber auch in diesem Bereich wohnen zahlreiche ältere Menschen, für die eine vergleichsweise standortnahe Versorgung besonders bedeutsam ist.

Wie sind denn die Firmen in Weinböhla bislang durch die Krise gekommen?

Es ist alles relativ ruhig abgelaufen, alle haben sich in ihr Schicksal gefügt. Es gab ein Dienstleistungsgeschäft, dass sich auch politisch engagiert hat, weil es aufgrund seiner Größe durch die Förderraster gefallen ist. Einige Firmen haben temporär ihr Gewerbe abgemeldet, aber vom Ordnungsamt weiß ich, dass es jetzt auch schon wieder Anmeldungen gibt. Insgesamt ist an uns nicht die große Existenzangst herangetragen worden.

Eigentlich sollte im Mai der erste Spatenstich für das Gymnasium erfolgen. Der wird nicht kommen, woran liegt es?

Sowohl die Fördermittelgeber als auch die Bank wollen, um sich abzusichern, die Genehmigung für die Schule vorliegen haben. Eigentlich müsste der Schulträger diese Genehmigung erst im Dezember vorlegen, er bemüht sich aber nun, diese vorzeitig zu erhalten, und das dauert etwas. Als Kommune könnten wir uns das Gymnasium – es soll zwischen 13 und 14 Millionen Euro kosten – gar nicht leisten. Deshalb sind wir froh, dass Rahn Education dieses Projekt stemmen will, auch die Reputation spri​cht ja für diesen Schulträger. Nicht nur für Weinböhla ist das Gymnasium gut, denn im Landkreis fehlen die zwei Züge, die hier entstehen werden. Unser Gymnasium wird nicht in Konkurrenz zu anderen Schulen stehen, sondern eine Bereicherung der Bildungslandschaft mit sich bringen.

Es sieht so aus, als wenn die Pandemie im Abklingen ist. Wie ist Weinböhla Ihrer Meinung nach durch diese Krise gekommen?

Um eine wirkliche Bewertung vornehmen zu können, ist es noch zu früh. Aber wir als Verwaltung können sagen, dass wir immer für die Bürger dagewesen sind. Das Rathaus ist nie geschlossen worden. Allerdings erwarte ich, dass die Gemeinde in diesem Jahr weniger Schlüsselzuweisungen vom Freistaat erhalten wird, als ursprünglich eingeplant. Glücklicherweise ist der Freistaat gerade dabei, dies mit einem kommunalen Rettungsschirm zu kompensieren.

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