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"Ich will unsere Außenwirkung verbessern"

Der neue Bürgermeister über die Frage nach neuen Wirtschaftskonzepten, Schienen- oder Radwegs-Plänen und die Gewichtung der Oderwitzer Ortsteile.

Cornelius Stempel ist zum neuen Bürgermeister von Oderwitz gewählt worden. Der 1979 Geborene ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
Cornelius Stempel ist zum neuen Bürgermeister von Oderwitz gewählt worden. Der 1979 Geborene ist verheiratet und Vater von drei Kindern. © privat/Carla Schmidt Fotografie

Oderwitz' neuer Bürgermeister hat als Leiter des Kreisarchives beruflich mit all dem zum tun, was in Zukunft wichtig sein könnte und damit aufbewahrt werden muss - egal, ob Bauakte oder Bericht über ein bedeutendes Ereignis. Dieser Job und sein Beschäftigungsverhältnis im öffentlichen Dienst ruhen nach seinen Angaben nun zunächst.

Dafür kann er selbst in den Annalen von Oderwitz ein Kapitel hinzufügen: Der Sohn des Lückendorfer Pfarrers gewann den zweiten Wahlgang am Sonntag deutlich mit 45,6 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 73,7 Prozent. Ein erstes Gespräch mit dem Mann, der sich keiner Partei verpflichtet fühlt, in Zittau aber bei der Wählervereinigung Zittau kann mehr mitgewirkt hat und ab 1. Juni Bürgermeister ist.

Herr Stempel, herzlichen Glückwunsch zur Wahl - waren Sie überrascht? Immerhin lagen Sie beim ersten Wahlgang ganz knapp auf Platz Zwei ...

Cornelius Stempel: Ja, ich war überrascht - freudig überrascht. Es war ja beim ersten Wahlgang wirklich sehr knapp.

Sie sind zwar in Oderwitz aufgewachsen, aber waren nicht so präsent wie die anderen Kandidaten. Wie haben Sie es geschafft, die Oderwitzer zu überzeugen?

Stempel: Meine Frau und ich sind tatsächlich erst im vergangenen Jahr nach Oderwitz umgezogen, haben zuvor lange Zeit unter anderem in Zittau gelebt. Aber ich habe hier nach wie vor ein gutes Netzwerk - das sich im Wahlkampf auch gut eingebracht hat. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein Kontakt nach Oderwitz ist nie abgerissen, ich habe mich in Vereinen eingebracht und spiele nach wie vor hier Fußball. Glücklicherweise lag der Podiumstermin für die Vorstellung der Kandidaten vor dem Corona-Shut-down - ich glaube, dieser Abend ist für mich ganz gut gelaufen. Ansonsten haben wir einen Wahlkampf mit Plakaten, über soziale Netzwerke und einen persönlichen Brief, den ich vor dem zweiten Wahlgang an alle Oderwitzer verschickt habe, geführt.

Bei den wichtigen Themen, die Sie benannt haben, spielte die Außenwirkung des Ortes eine Rolle, ein Thema das zuletzt auch mit der Diskussion um das Wetterkabinett Schwung gewann. Was wollen Sie verbessern?

Stempel: An der Außenwirkung lässt sich immer etwas verbessern. Natürlich muss es machbar und bezahlbar sein. Es fängt aber mit kleinen Dingen an: Man könnte - wie unser Nachbar Mittelherwigsdorf - Tafeln an den Haupteinfallsstraßen platzieren, um Gäste zu begrüßen, einen positiven Eindruck zu vermitteln. Ganz wichtig ist für mich, als Gemeinde eine einladende Homepage zu haben, auf der es nicht nur um reines Informieren der Verwaltung geht, sondern, wo man auch etwas vom Leben im Ort spürt, wo man sich wohlfühlt.

Wichtig für einen funktionierenden Ort ist die Wirtschaft - Sie sprachen von progressiver Wirtschaftsförderung. Worum geht es da - um neue Gewerbegebiete?

Stempel: Die Anforderungen an Gewerbegebiete haben sich gewandelt, es werden immer größere Grundstücke gewünscht. Da hat Oderwitz die Kapazitätsgrenze erreicht - auch, weil man in den 90ern noch für Nieder- und Oberoderwitz getrennt geplant hat. Hier besteht Handlungsbedarf, aber das ist ein sehr langer, steiniger Weg, bei dem es um Flächen und dann auch um die nötigen Planungsprozesse geht.

Sie wollen die bestehende Wirtschaft und Handel vor Ort stärken - wie das?

Stempel: Ja, da habe ich auch Ideen - aber da werden wir von der Realität gerade etwas überholt. Angesichts der Lage ist es jetzt erst einmal nötig, den Unternehmern in der Corona-Krise zu helfen - mit den Mitteln, die wir als Gemeinde zur Verfügung haben. Dazu gehört vielleicht eine Stundung der Gewerbesteuerzahlungen. Dass die Leute mehr im Ort einkaufen, ist ein Ziel, das man nicht erzwingen kann. Da kann man nur immer wieder daran appellieren, dass davon alle etwas haben. Ich denke bei Waren wie frischem Obst, Gemüse oder Eiern ist das auf dem Land auch schon sehr verbreitet.

Dass alle etwas davon haben klingt gut - aber auch in Oderwitz wird oft geschaut, ob beide Ortsteile gleich bedacht sind. Wie wollen Sie das lösen?

Stempel: Wir müssen davon wegkommen, Unterschiede zwischen Ober- und Niederoderwitz zu machen oder diese zu instrumentalisieren. Ich werde meine Entscheidungen von Sachgründen abhängig machen, nicht von einer Quote für den jeweiligen Ortsteil. Was für den gesamten Ort am besten ist, ist auch für die Ortsteile gut. Bestes Beispiel ist das neue Feuerwehrdepot im Gewerbegebiet Oberoderwitz: Es ist ein idealer Standort, die Erreichbarkeit ist für alle Ortsteile gegeben.

Apropos Erreichbarkeit: Ihnen ist eine gute Infrastruktur wichtig. Wie stehen Sie zur Debatte um den Bahnradweg?

Stempel: Wenn es die Möglichkeit gäbe, die Schienen zu erhalten, wäre ich dafür. Aber mir ist klar, dass das mit erheblichen Kosten verbunden ist. Da muss man pragmatisch sein: Wenn die Kosten die Leistungsfähigkeit der beteiligten Kommunen überfordert, wäre für mich der Radweg die zweitbeste Lösung.

Aber auch beim Radweg gibt es Bedenken, konkret von Kottmar, ob sie sich die Zusatzkosten leisten können...

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Stempel: Ja, aber hier liegen ja schon konkrete Berechnungen und Angebote vor - auch vom Kreis. Mir ist wichtig, dass Oderwitz seine schon immer gute Verkehrsanbindung bewahrt - auch deshalb haben meine Frau und ich uns entschieden, hier zu wohnen. Gute Infrastruktur ist das Pfund, mit dem Oderwitz wuchern kann - dazu gehört für mich auch noch mehr: Schulen, Kindergärten, Breitbandversorgung. Das ist mir wichtig.

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