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Löbau

"Das ist kein Acht-Stunden-Job" 

Michael Görke will Bürgermeister in Kottmar bleiben. Er sagt, was das Schöne an der Arbeit ist und warum er vor dem Wahltag ein bisschen Bammel hat.

Michael Görke will Bürgermeister in Kottmar bleiben. Am 23. Februar werden die Einwohner an die Wahlurne gebeten.
Michael Görke will Bürgermeister in Kottmar bleiben. Am 23. Februar werden die Einwohner an die Wahlurne gebeten. © Archivfoto: Matthias Weber

Auswahl haben die Kottmar-Einwohner nicht, wenn sie am 23. Februar zur Bürgermeisterwahl in die Wahllokale gehen. Es gibt nur einen Kandidaten: den amtierenden Bürgermeister Michael Görke (parteilos). Er blickt auf eine spannende Amtsperiode zurück, denn er hat die Großgemeinde Kottmar nach der Fusion zusammengeführt. Nun erklärt er, welche Pläne er für die nächsten sieben Jahre hat. 

Herr Görke, Sie sind seit 2001 Bürgermeister. Zwischendurch ging es Ihnen auch gesundheitlich nicht gut und Sie wollten schon aufhören. Was hat Sie nun bewogen, doch nochmal anzutreten?

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Das ist richtig, 19 Jahre sind eine lange und anstrengende Zeit in dem Job. Das schlaucht. Mir geht es aber wieder gut, ich fühle mich fit. Außerdem haben mich viele Leute angesprochen. "Du kannst doch jetzt nicht aufhören" - diesen Satz habe ich oft gehört. Der Familienrat hat deshalb getagt und beschlossen: Ich gehe es noch mal an. Das wird aber definitiv meine letzte Amtsperiode sein. In sieben Jahren bin ich 64, dann ist wirklich Schluss. 

Sie sind nun der einzige Kandidat geblieben. Ärgert es Sie, dass es keinen wirklichen Wettbewerb gibt?

Ja,  klar wäre es mit mehreren Kandidaten spannender gewesen. Es hat sich aber niemand gemeldet, das kann man nicht ändern. Ich mache mir nur etwas Sorgen um die Wahlbeteiligung. Ich möchte an die Einwohner appellieren, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, dafür haben wir schließlich auch mal gekämpft. Für einen Bürgermeister und seine Arbeit ist es auch wichtig, tatsächlich die Mehrheit der Bürger hinter sich zu wissen. Mit einer Wahlbeteiligung von vielleicht 20 Prozent wird es schwierig. Das macht auch keinen guten Eindruck, wenn man mit solchen Zahlen bei der Landesregierung auftritt und etwas für seinen Ort erreichen will. 

Können Sie sich erklären, warum sich niemand für den Bürgermeisterposten interessiert?

Vielleicht liegt es daran, dass für die Kommunen alles immer schwieriger wird. Man muss sich mit vielen Problemen herumschlagen. Ein Beispiel: Derzeit ist es so, dass es kein Fördergeld für den Straßenbau gibt. Wir haben ein Netz von 86 Kilometern Ortsstraßen. Das ist hart, dass wir hier nichts machen können. Ich denke da nur an die Siedlung in Obercunnersdorf. Es geht ohne Fördermittel einfach nicht.

Oder die ganzen Aufgaben, die wir in der Verwaltung auferlegt bekommen: Doppik, E-Akte, E-Rechnung. Das fordert der Freistaat, aber wir bekommen dafür keine finanzielle Unterstützung. Wir können dafür kein neues Personal einstellen, das müssen unsere Leute in der Verwaltung zusätzlich machen. Und auch Technik und Software muss dafür angeschafft werden. Das hat uns bis jetzt 300.000 Euro gekostet. 

Bürgermeister sein, das ist kein Acht-Stunden-Job, das sehen die Leute ja auch. Als Bürgermeister ist man im Prinzip rund um die Uhr ansprechbar, wenn man es richtig macht. Vielleicht schreckt das viele von einer Kandidatur ab. 

Bei all dem Ärger, den Sie aufzählen: Warum machen Sie das trotzdem noch?

Bei allem Stress und Ärger, den man hat, macht es ja auch Spaß. Es macht Spaß, zu sehen, dass es vorwärts geht. Wir haben viel geschafft, wenn ich allein an die letzten sieben Jahre seit der Fusion denke. 

Was denn zum Beispiel?

Da fällt mir für jeden Ortsteil etwas ein. Ottenhain hat das neue Kulturhaus bekommen und die kleine Kirche im Ort haben wir saniert. In Eibau ist das Volkshaus saniert worden, in Neueibau die Turnhalle. Walddorf hat einen neu sanierten Kindergarten und ein neu gebautes Feuerwehrhaus. In Niedercunnersdorf sind wir bei der Sanierung der Turnhalle in den letzten Zügen und die Kita wurde modernisiert. In Obercunnersdorf sind Straßen erneuert worden und das Bürgerbüro ist saniert. Kottmarsdorf hat ein neues Feuerwehrdepot erhalten. In allen Ortsteilen gibt es neue Spielplätze. Das sind als Beispiele nur die großen Posten. Es gibt viele weitere, kleinere Investitionen. 

Und was wollen Sie in den nächsten Jahren noch erreichen?

Ich will die beiden Bäder in Eibau und Obercunnersdorf erhalten. Das Eibauer Bad wird jetzt 100 Jahre, es müsste saniert werden. Natürlich sind das freiwillige Aufgaben, die Geld kosten. Aber das bedeutet Lebensqualität. Eine große Herausforderung wird auch der Schulneubau in Niedercunnersdorf für rund sechs Millionen Euro. Hier müssen wir sehen, dass es mit den Fördermitteln klappt. Ohne geht es nicht. Ein weiterer Punkt auf meiner Liste: die Kindereinrichtungen. Sieben Stück haben wir in der Gemeinde und wollen sie alle erhalten. Da gibt es auch noch eine Menge Sanierungsbedarf. Zum Beispiel muss das Schloss in Ottenhain saniert werden, wo die Kita untergebracht ist und in Niedercunnersdorf wollen wir bauen. Und nach Obercunnersdorf sollen über das Denkmalprogramm in den nächsten Jahren viele Millionen Euro fließen. 

Nicht vergessen will ich auch die Unterstützung für die örtlichen Gewerbetreibenden. Das wird immer wichtiger, denn sie haben es alle schwer. Und die Firmen im Ort bedeuten ja auch Arbeitsplätze. 

Das sind ja nun alles materielle Dinge, die mit Geld und Investitionen zu tun haben. Haben Sie auch ideelle Wünsche?

Irgendwie hat ja alles mit Geld zu tun. Die Investitionen machen den Ort nun einmal lebenswert. Was die ideellen Dinge betrifft, bin ich eigentlich sehr zufrieden. Es gibt nach der Fusion einen guten Zusammenhalt unter den Menschen im Ort. Auch große Anfeindungen, wie sie sich Politiker ja oft gefallen lassen müssen, gibt es bei uns nicht. Es ist ein gutes Miteinander.

Auch in der Verwaltung und mit dem Gemeinderat. Das kann ich nur loben. Ich hoffe, dass das so bleibt und dass auch die ehrenamtliche Arbeit in unserem Ort weiter so gut klappt. In den Vereinen wird viel geleistet, ohne die Ehrenamtlichen ginge es gar nicht. Das macht mich schon stolz. Vielleicht liegt es auch an der guten Stimmung im Ort, dass sich niemand anderes als Bürgermeisterkandidat bewirbt und große Veränderungen anstreben möchte. 

Und wenn ich mir tatsächlich noch etwas wünschen könnte, dann noch mehr junge Familien und Kinder in unserem Ort. 

Die Bürgermeisterwahl in Kottmar findet am 23. Februar statt. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Michael Görke tritt als parteiloser Kandidat an. 

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