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Freital

"Handys abends einsammeln"

Lara Mergardt nennt Tipps und Tricks, wie Eltern die Handynutzung der Kinder begleiten und im Blick haben können.

Lara Mergardt ist Projektleiterin des Pilotprojektes.
Lara Mergardt ist Projektleiterin des Pilotprojektes. © Karl-Ludwig Oberthür

Frau Mergardt, schon für einen Großteil der Zwölfjährigen ist das Smartphone ständiger Begleiter. Müssen wir uns Sorgen machen?

Wir wissen, das Smartphones ein großes Problem für die Konzentration und Motivation im Schulalltag darstellen. Sie lenken nicht nur ab, sie bringen die Kinder um den notwendigen Schlaf. Und da rede ich nicht nur über Spiele. Weil sich in Chatgruppen wie Whats App bis tief in die Nacht hinein über alles mögliche ausgetauscht wird, hat sich der Beginn der Nachtruhe bei Schülern inzwischen auf 1.30 Uhr eingependelt. Das wissen wir aus Befragungen. Die Kinder und Jugendlichen haben einfach Angst, etwas zu verpassen und reagieren immer wieder auf die neueste Botschaft - bis auch der letzte in der Gruppe eingeschlafen ist.

Der Garten ruft

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Nehmen die Eltern das nicht ernst genug?  

Die Eltern sind ein wichtiges Vorbild für ihre Kinder. Was sie vorleben, wird von den Kindern beobachtet und letztendlich nachgeahmt. Und da muss ich sagen: Viele Eltern hängen vor den Augen ihrer Kinder auch sehr viel am Handy und reagieren auf jedes Vibrieren. Den meisten ist das nur gar nicht so bewusst. 

Was können denn Eltern tun, um sowohl ihre eigene als auch die Handynutzung der Kinder zu steuern?

Die Erwachsenen sollten selbst etwas mehr darauf achten, das Handy auch mal wegzulegen, zum Beispiel zu den gemeinsamen Mahlzeiten. Wir raten da zu einem guten Trick: Die Handys zum Essen alle in die Mitte des Tisches legen. Wer zuerst zum Smartphone greift,  muss den Geschirrspüler ausräumen.

Das klingt ja lustig. Und was gibt es noch für Möglichkeiten?

Ein gutes Mittel ist, die Bildschirmzeiten zu begrenzen. Das ist technisch ohne weiteres möglich, dass die Telefone zu einer bestimmten Zeit zu- und abschalten. Wir empfehlen sogar, dass unter 16-Jährige die Handys abends abgeben.  

Sollten Eltern die Inhalte kontrollieren und Verbote aussprechen?

Es sollte nicht so nach Kontrolle aussehen. Wichtig ist, dass sich Eltern dafür interessieren, was ihre Kinder auf dem Handy spielen, chatten, anschauen und welche Apps sie nutzen. Damit sollte man anfangen, wenn die Kinder das erste Smartphone haben. Am besten ist, dass man mal nachfragt, sich mal etwas zeigen lässt und es auch selbst ausprobiert. So ein langsames Herantasten und über kritische Dinge miteinander sprechen ist besser, als Kontrolle oder Verbote. Ein Fehler ist es auf jeden Fall, die Dinge einfach laufen zu lassen. 

Wo hört die normale Handynutzung auf und wo fängt es an, bedenklich zu werden?

Wenn Jungs mal ein Wochenende durchgamen, ist das nicht weiter dramatisch. Das gehört dazu. Bedenklich wird es, wenn Kinder oder Jugendliche ihren Freundeskreis vernachlässigen, Kontakte abbrechen, nicht mehr rausgehen, sich einigeln. Dort beginnt die Sucht. 

Wo gibt es Hilfe?

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