merken
PLUS Löbau

"Wir sollten nicht so tun, als gäbe es nichts"

Matthias Reuter will für die CDU in den Landtag einziehen. Er tritt im Wahlkreis 59 an, der den Altkreis Löbau umfasst. Seine Ziele erklärt er hier:

Matthias Reuter bewirbt sich für die CDU für den Sächsischen Landtag.
Matthias Reuter bewirbt sich für die CDU für den Sächsischen Landtag. © Rafael Sampedro

Herr Reuter, treten Sie denn in einem abgehängten Wahlkreis an - wie man es immer wieder hört?

Matthias Reuter: Das Jammern über das Abgehängtsein kann ich nicht mehr hören. Im Grunde haben wir jetzt die blühenden Landschaften, die uns Helmut Kohl einst versprochen hat. Ich habe einige Jahre in Wuppertal gelebt und bin froh, wieder hier zu sein. Die Gegend hat Perspektive, aber wir müssen es schaffen, das Negativimage abzulegen und sollten nicht mehr so tun, als gäbe es hier nichts. Natürlich gibt es berechtigte Sorgen, zum Beispiel bei der Frage nach der ärztlichen Versorgung. Aber wenn man einmal genau hinschaut, ist das Jammern auf hohem Niveau: Im Bereich Löbau-Zittau sind, soweit ich weiß, fünf Hausarztstellen unbesetzt, in der Stadt Chemnitz fehlen 31. Das Ärztenetzwerk Ostsachsen war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Sachsenbessermachen.de
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Aber die Menschen sind unzufrieden. Wo sehen Sie Aufgaben für die Landespolitik?

Reuter: Ich werde mich für Bürokratieabbau einsetzen, denn das ist ein Thema, das die Leute hier umtreibt. Ich war in den vergangenen Tagen  mit vielen Bürgermeistern im Gespräch. Sie kritisieren, dass nichts vorwärts geht, weil immer eine Behörde was dagegen hat oder am Ende zum Teil krude Abwägungen getroffen werden, die den Interessen der Menschen gar nicht mehr gerecht werden. Mein Ziel im Landtag wäre es nicht, viele neue Gesetze zu machen, sondern einiges abzuschaffen. Wichtig ist mir auch das Thema Pflege: Ich bin der Meinung, dass wir nicht mehr Pflegeheime bauen müssen, sondern neue Wohnformen schaffen und dafür sorgen sollten, dass die Menschen länger zu Hause bleiben können. Um das zu schaffen, muss man zum Beispiel Fördergelder für die Pflege mit Geldern für den Denkmalschutz kombinieren können.

Sie würden also gern einiges beschleunigen - gilt das auch beim Thema Verkehr und Infrastruktur?

Reuter: Die nötige Infrastruktur ist zunehmend ein wichtiges Thema. Es regt mich auf, wenn wir von 5G reden und es nicht einmal klappt, dass ich zu Hause am Küchentisch vernünftigen Mobilfunkempfang habe. Da ist die Geduld der Leute berechtigterweise am Ende. Die Menschen hier haben mehrfach erlebt, dass immer wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben wurde. Dadurch ist Frust entstanden, der nicht sein musste und wo wir lange brauchen werden, um den wieder abzubauen. Das ist auch bei der B178 so. Ich kann im Moment nicht sagen, wo genau es hängt, aber wir müssen dran bleiben. Genauso wie am Ausbau der Radwege. Mich als Radfahrer regt der Flickenteppich an Kurzstrecken auf. Vor meinem Haus geht ein Radweg entlang, der gut genutzt wird. Die Nachfrage ist da. Deshalb ärgert es mich auch, dass einige bei der Herrnhuter Bahnstrecke noch immer in dem Thema Eisenbahn herumrühren, obwohl im Kreistag die Entscheidung zum Radweg getroffen wurde. Man muss Entscheidungen auch akzeptieren. Wenn aber etwas gebaut wird, muss das auch wirklich barrierefrei sein. Ich glaube, dass Radtourismus und auch barrierefreier Tourismus eine Chance für die Region ist. Der Landkreis hat mit seinem Radwegekonzept die Weichen richtig gestellt.

Apropos Weichen: Sind denn bei der Bildungspolitik die richtigen Weichen gestellt?

Reuter: Wenn man das Bildungssystem in Sachsen insgesamt noch einmal anfasst, muss man darauf achten, dass es auch bei rückläufigen Schülerzahlen noch funktioniert: Auch wenn in Städten wie Zittau und Görlitz gerade die Zahlen steigen, der doppelte Geburtenknick wird kommen. Ich halte nichts von schnellen Lösungen oder Experimenten. Wichtig ist, dass die Lehrer motiviert sind und die Schulen mehr Gestaltungsspielraum bekommen. Meine Kinder lernen beispielsweise an der Schkola. Und warum sollte man nicht auch über die Schulpflicht nachdenken und erlauben, dass Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten dürfen? Diejenigen, die das wollen, sind nicht unsere "Problemfamilien". Es wird vielleicht sachsenweit keine einheitliche Lösung geben können, die Bedingungen sind sehr unterschiedlich. Wichtig ist, dass es am Ende eine Lösung ist, die für den ländlichen Raum passt und wo die Kinder nicht den ganzen Tag unterwegs sein müssen.

Sie sprachen davon, Schulen mehr Entscheidungsspielraum zu geben. Sehen Sie das bei Kommunen auch so?

Reuter: Es würde schon reichen, wenn Fördergelder flexibler eingesetzt werden könnten. Ich finde es generell in Ordnung, wenn der Freistaat sagt: Das will ich fördern. Sachsen braucht eine Vision, eine Strategie, wo es hingehen soll und dafür muss dann gezielt Geld ausgegeben werden. Den Kommunen finanziell mehr Spielraum zu geben - da ist die Landesregierung schon dabei. Die 70.000 Euro, die jede Kommune 2019 pauschal zur freien Verwendung bekommen hat, ist ein Anfang. Der Landesrechnungshof findet das übrigens gar nicht gut, so ohne Bedingungen. Ich aber finde das klasse.

Was fänden Sie denn klasse beim Thema Sicherheit und Polizei?

Reuter: Mehr Polizisten einzustellen, ist ein richtiger und wichtiger Schritt, aber aus meiner Sicht noch nicht ausreichend. Viele Polizisten und Bürger sind frustriert, wenn  Straftäter schnell wieder auf freiem Fuß sind oder Polizisten auslachen, ohne dass ihnen etwas passiert. Da braucht es mehr Konsequenz. Ich halte es dennoch für eine schwierige Entwicklung, wenn sich die Leute zu Bürgerwehren zusammenschließen. Das Gewaltmonopol muss beim Staat bleiben. Dafür muss man den Polizisten die nötigen Dinge an die Hand geben, auch bei Ausstattung und Befugnissen. Videoüberwachung ist vielleicht etwas für neuralgische Punkte in Städten, es kann das Sicherheitsgefühl stärken. Aber eigentlich vertreibt es die Kriminalität nur an andere Punkte.

Eine Frage zum Schluss: Wie möchten Sie als Abgeordneter sein?

Reuter: Ich will hier im Wahlkreis Gesicht zeigen, junge Leute mehr für Politik begeistern. Sicherlich hat der bisherige Abgeordnete im Wahlkreis, Heinz Lehmann, im Europäischen Ausschuss der Regionen in Brüssel einiges für die Oberlausitz erreicht. Aber ich möchte nicht nach Brüssel gehen, sondern der Landtagsabgeordnete vor Ort sein.

Matthias Reuter ist 41 Jahre alt und wohnt in Walddorf. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Der diplomierte Alterswissenschaftler arbeitet beim Landkreis als Sozialplaner. Er engagiert sich seit 2007 in der CDU, ist Vorsitzender des Gemeindeverbandes Am Kottmar und auch im sozialen Flügel der Partei.

Mehr Lokales unter:

Löbau

Mehr zum Thema Löbau