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Messner: "Menschen sind nicht die Könige der Welt"

Der Bergsteiger Reinhold Messner kommt nach Dresden und bringt Eindrücke von der schlimmsten Expedition seines Lebens mit. Ein Interview vorab.

Reinhold Messner will sein Wissen in einem neuen Film der neuen Bergsteigergeneration vererben.
Reinhold Messner will sein Wissen in einem neuen Film der neuen Bergsteigergeneration vererben. © Tom König

Dresden. Eigentlich wäre er viel zu weit weg gewesen, um mal schnell nach Dresden zu den Filmnächten zu kommen. Doch selbst ein Gipfelstürmer kann vor Corona nicht weglaufen. Deshalb hat der Bergsteiger, Felsenkletterer, Autor und Filmemacher Reinhold Messner ein großes Projekt ruhen lassen - zum Glück der Dresdner Bergsteigerszene und aller, die eher bouldern als bergsteigen, aber trotzdem fasziniert von den Extremen dieses Sports sind. Am 23. August ist der 75-Jährige mit einem Film und einem Vortrag am Königsufer zu Gast.

Herr Messner, Corona hat den einen Stress, den anderen Ruhe beschert. Wie ging es Ihnen?

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Ich hatte viel Zeit, um mein Leben zu ordnen und mein neues Buch "Briefe aus dem Himalaya" zu Ende zu schreiben. Das wird nun im Herbst erscheinen. Ansonsten macht es schon Sorge, dass wir die Einnahmen eines halben Jahres eingebüßt haben. Schließlich konnten unsere Museen und auch das Restaurant lange nicht öffnen.

Ihre Bücher, Filme und Vorträge wecken das Fernweh in einer Zeit, in der die Ferne nicht zu erreichen ist. 

Die Menschen waren Nomaden, die Wanderlust steckt ihnen in den Genen. Auch ich konnte nicht meine letzte geplante Expedition in Australien realisieren. Ich will damit das Erbe an die jüngere Generation übertragen. Das Projekt, das mich auch in die Metropolen führt, muss warten. Sonst hätte ich auch keine Gelegenheit gehabt, nach Dresden zu kommen. 

Was erwartet Ihr Publikum am 23. August bei den Filmnächten?

Ich werde meinen Film "Die rote Zinne - 150 Jahre Kletterkunst" zeigen. In diesem Dokumentarfilm geht es mir darum, die Entwicklung des alpinen Kletterns von den Anfängen bis zur Gegenwart zu zeigen und wie sich der Zugang der Menschen zum Berg laufend verändert hat. Im Anschluss halte ich den Vortrag "Nanga Parbat - mein Schicksalsberg" über die schlimmste Expedition meines Lebens, auf der ich meinen Bruder Günther verloren habe. Der Vortrag soll den Zuschauern das Gefühl geben, sie könnten den Bergsteigern nachsteigen. Das ist sehr eindrucksvoll.

Die Entwicklung des alpinen Klettern sieht man auf Fotos vom Mount Everest: Hunderte Hobbykletterer steigen in langen Schlangen zum Gipfel. Was halten Sie davon?

Es gibt diese Hotspots, zu denen die Menschen nur wollen, um Fotos zu machen und zu beweisen: Ich war da! Sie sehen den Berg eigentlich lediglich durch die Kamera. Das Fatale daran ist, dass die Menschen eigentlich Ruhe und Entschleunigung in der Natur suchen sollten und sich stattdessen in den gleichen Stress begeben, wie ihn das Stadtleben verursacht. Solche Bilder waren früher unvorstellbar. Ich denke generell, die Welt ist aus dem Gleichgewicht. Es gibt von allem zu viel. Berge wie der Mount Everest sind käufliche Reiseziele geworden. Die wenigsten gehen wirklich mit wenig Ausrüstung in die Wildnis. Trotzdem muss man sagen: Die Berge sind nicht generell überlaufen, und 90 Prozent der Kletterer klettern in Hallen. Das ist Sport. 

Zu welchem Reiseziel würden Sie keine zehn Pferde bringen?

Generell fühle ich mich als Halbnomade. Einen Teil des Jahres will ich unterwegs sein, aber ich bin auch gern zuhause. Was ich mir gar nicht vorstellen kann ist, zwei Wochen lang an irgendeinem Strand zu schmoren.

Was wünschen Sie sich für die Erde?

Dass die Menschen begreifen: Sie sind nicht die Könige der Welt. 

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Reinhold Messner, 23. August, 20.30 Uhr: "Die große Zinne - 150 Jahre Kletterkunst", 21.45 Uhr: Live-Vortrag "Nanga Parbat - mein Schicksalsberg", Filmnächte am Elbufer. Zur Ticketbestellung

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