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"Kritik war von der Regierung nicht gewollt"

Die frühere Treuhand-Chefin hat erstmals Fehler eingeräumt. "Wir hätten vieles viel besser machen können", sagt auch Wirtschaftsprofessor Ulrich Blum. 

Von Stephan Schön
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Anti-Treuhand-Plakat während einer Demonstration auf dem Alexanderplatz in Berlin im Jahr 1991.
Anti-Treuhand-Plakat während einer Demonstration auf dem Alexanderplatz in Berlin im Jahr 1991. © imago images/Ulli Winkler

Professor Blum, Sie haben sich intensiv mit der Umwandlung der DDR-Wirtschaft zur Marktwirtschaft beschäftigt. Die damalige Treuhandchefin Birgit Breuel hat nun erstmals Fehler bei der Privatisierung eingestanden. Reichlich späte Einsicht. Konnte oder wollte es damals niemand besser wissen? 

Das zentrale Problem kurz vor der Wende war, dass niemand im Westen so wirklich mit der deutschen Einheit gerechnet hatte. Es wurde in der alten Bundesrepublik keinerlei Forschung mehr zu einer möglichen Wiedervereinigung gemacht. Bis Anfang der 70er-Jahre war das hingegen fester Bestandteil im jährlichen Bericht zur Lage der Nation. Man hätte sich besser vorbereiten können. So wie es derzeit die Koreaner tun.

Es herrschte demnach vor allem Unwissenheit, …

… nicht unbedingt. Die Insider kannten sich schon aus. Analysten, Ökonomen und Geheimdienste. Die DDR war so gut aufgeklärt wie kein anderer Staat der Welt. Man hatte zum Beispiel Bodenproben herausgeschmuggelt, um mit deren Hilfe die Kontaminierung der Böden zu untersuchen. Das hat dann etwas über die Qualität der Industrieanlagen gesagt. Man hatte Satellitenaufnahmen und wusste, dass damals nachts die Filteranlagen der Kraftwerke immer wieder abgeschaltet wurden, um die Wirkungsgrade etwas zu erhöhen. All das war bekannt. Es ist eine billige Ausrede, zu sagen, man habe nichts über den realen Zustand der DDR-Wirtschaft gewusst. Das ist einfach falsch.

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