merken
PLUS

Invasion der Schoko-Murmeltiere

Für den Dreh zum „Papa Moll“-Film wurde das historische Sudhaus in der Landskron Brauerei aufwendig hergerichtet.

© Zodiac Pictures

Von Daniela Pfeiffer

Görlitz. Schokolade, Bier, Schokolade – und am Ende wieder Bier. So in etwa die Reihenfolge dessen, was im historischen Sudhaus der Landskron Brauerei im September 2016 hergestellt wurde. Das eine in echt, das andere für einen Film.

Anzeige
Aktuelle Stellenangebote der Region
Aktuelle Stellenangebote der Region

Sie sind auf der Suche nach einem neuen Job und wollen in der Region bleiben? Diese Top Unternehmen der Region Löbau-Zittau bieten attraktive freie Stellen an.

Anweisungen von Regisseur Manuel Flurin Hendry (r.) an Stefan Kurt alias Papa Moll und Filmsohn Fritz, gespielt von Maxwell Mare.
Anweisungen von Regisseur Manuel Flurin Hendry (r.) an Stefan Kurt alias Papa Moll und Filmsohn Fritz, gespielt von Maxwell Mare. © Zodiac Pictures
Das Filmset im Sudhaus mit einem Kessel voller (unechter) Schokolade.
Das Filmset im Sudhaus mit einem Kessel voller (unechter) Schokolade. © Zodiac Pictures

„Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ heißt die Schweizer Produktion, für die die Brauerei damals neun Drehtage möglich machte. Produzent Lukas Hobi erzählt, wie man von der Schweiz aus auf Görlitz kam: „Wir haben zunächst im Internet nach Brauereien im deutschsprachigen Raum gesucht, zuerst natürlich in der Schweiz. Aber fündig geworden sind wir letztlich in Görlitz.“ Aber warum eine Brauerei, wenn es doch um eine Schokoladenfabrik geht? Denn dort arbeitet Familienvater Moll aus dem Schweizer Erfolgskinderbuch „Papa Moll“. Eine Schokoladenfabrik auf die Leinwand zu bringen, so dass sie der Fantasie von Kindern entspricht, sei tatsächlich die große Herausforderung gewesen. Das Set in einer echten Schokoladenfabrik einrichten, von der die Schweiz als Schokoladenland ja nun sicher ausreichend hat? Doch das kam nicht infrage. Zu modern mit all den Maschinen und geschlossenen Behältern. Da hätte man nicht viel gesehen, sagt Hubi. „Wir wollten für den Film einen riesigen Topf, wo Schokolade geschmolzen und gegossen werden kann.“ Schließlich kam die Idee auf, dass alte Brauerei-Sudhäuser mit ihren Kesseln dem Bild doch am nächsten kämen.

Und so wurde das historische Sudhaus der Landskron Brauerei Filmset und die Brauerei damit einmal mehr Drehort. Schon für „In 80 Tagen um die Welt“ wurden hier einige Szenen gedreht.

Eine 80 Mann starke Crew reiste an, das Sudhaus wurde noch etwas umgestaltet, bekam einen Maschinenraum und einen großen Schokoladenbottich. Der Rest – Kupferkessel, Wand und Boden – war genau das, was im Film zu sehen sein sollte. Hier arbeitet der Film-Papa in der Abteilung Entwicklung und Qualitätskontrolle. Wohlgemerkt: Entwicklung und Qualitätskontrolle von Schokoladenmurmeltieren.

In einer Szene des Films liegen Hunderte davon auf dem Boden verteilt. Die seien tatsächlich aus echter Schokolade gewesen. Man hat 1 000 Stück extra in der Schweiz anfertigen lassen. „Alle Mitwirkenden haben am Ende welche bekommen“, erzählt Lukas Hobi, der selbst an zwei von neun Produktionstagen in Görlitz war. Vom Ruf als Filmstadt hatte er vorher natürlich gehört. „Eine tolle Stadt mit viel Potenzial für historische Stoffe“, lautet sein Urteil. In Mitteldeutschland habe er auch schon gedreht, die Neuverfilmung von „Heidi“. „In der Schweiz findet man leider nicht viele historische Gebäude, die für uns geeignet sind. Das meiste ist gut restauriert. Hier gibt es hingegen noch ganze Straßenreihen, die unsaniert sind.“

Für „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ wurde außer in Görlitz natürlich in der Schweiz, aber auch in einem Kölner Studio gedreht. Die letzten von insgesamt 35 Drehtagen fanden in Görlitz statt. Hier musste der Dreh mit dem Brau-Rhythmus in Einklang gebracht werden. Denn, wie Brauerei-Mitarbeiter der SZ berichtete, wird im alten Sudhaus nicht immer gebraut, sondern in einem bestimmten Rhythmus. Also gab es den Kompromiss: eine Woche Bier produzieren, die andere Woche drehen. Lars Semrok durfte beim Dreh auch über die Schulter schauen. So war ihm sicher bald klar, dass es außer den 1 000 Schokomurmeltieren sonst keine echte Schokolade gab. „Es musste aber eine Flüssigkeit sein, die so aussieht“, sagt Hobi. In dieser taucht Papa Moll im Film sogar einmal gänzlich ab.

Er hat es eben nicht leicht. Er soll sich allein um die Kinder kümmern, weil Mama Moll zum Wellness fährt, darüber hinaus muss er genau an diesem Wochenende Überstunden in der Schokoladenfabrik schieben. Obendrein soll er an dem Wochenende zusätzlich auch noch auf die Kinder des Chefs aufpassen. Und weil er eben von Natur aus etwas trottelig veranlagt ist, muss so einiges schief gehen.

Der 65 Jahre alte Comic, auf dem der Film basiert, ist in der Schweiz Lieblingslektüre ganzer Generationen. Entsprechend erfolgreich läuft auch der Film, der in der Schweiz bereits seit Weihnachten in den Kinos läuft.

„Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ ist ab morgen im Filmpalast auf der Jakobstraße zu sehen: täglich um 16.15 Uhr, sowie morgen, am Sa., So. und nächsten Mi. auch um 14.15 Uhr. Am Sonntag zusätzlich noch um 12.15 Uhr.