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Investor kämpft um Heilbad

Zschorna. Der Investorfür ein Therapiezentrumverzweifelt langsam am Weg durch die Ämter.Keiner will Ja sagen.

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Von Birgit Ulbricht

Projektmanagerin Valentina Fiez hat sich von diesem Schreck noch nicht erholt. Denn für die Parksanierung von Schloss Zschorna wird es vorerst keine Fördermittel über „Leader Plus“ geben. Fast 500 000 Euro Fördermittel hatten die Eigentümer von Schloss und ehemaligem Pionierlager Zschorna, die Inhaber der benachbarten Intereng Kramer, für die Sanierung des Parkes beantragt. In einem zweiten Sanierungsabschnitt sollten es noch einmal 380 000 Euro sein. Wege sanieren, Teiche rekultivieren, Bäume zurückschneiden, fällen oder neu pflanzen – das sind die wichtigsten Arbeiten.

Das Projekt stützt sich auf eine frühere Studie des Dresdner Professors Harald Linke, früher Chef des Botanischen Gartens. Das Geld sollte über den Verein „Westlausitzer Heidebogen“ und das Amt für ländliche Entwicklung vom Europafonds „Leader plus“ kommen.

Doch der Koordinierungskreis von Verein und Amt hatte an der Höhe der anfallenden Kosten erhebliche Zweifel, so der Vorsitzende vom Koordinierungskreis, Bernard Würfel aus Kamenz. „Uns waren die Aussagen von Frau Fiez einfach zu schwach. Der zweite Sanierungsabschnitt war offenbar überhaupt noch nicht definiert“, sagte Würfel auf die Frage der SZ, warum man das Projekt nicht bewilligt hat. Richtig hellhörig dürften die Anwesenden allerdings geworden sein, als Frau Fitz erklärte, der Park solle nach seiner Sanierung nur noch nach Anmeldung besucht werden können. Und wohl nicht ganz umsonst. Mit dem Nachsatz, vorzugsweise christliche Gruppen würden das Areal besuchen, verschreckte Valentina Fiez die Zuhörer vollends. Die Gebrüder Edwin und Peter Kramer, für die Valentina Fiez das Vorhaben Therapiezentrum und Parksanierung begleitet, kamen Anfang der 70er Jahre in die DDR und arbeiteten bei Robotron als Spitzenkräfte, ehe sie sich mit der Wende erfolgreich selbstständig machten.

Auch das zweite, viel umfangreichere Vorhaben scheint nicht recht in die Gänge zu kommen. In Zschorna soll das erste Naftalantherapiezentrum in Deutschland entstehen. Anfangs sollten zwei, später etwa zehn Tonnen des Kuröls Naftalan gelagert werden und in einem geschlossenen Kreislauf das Kurbad durchlaufen. Alle vier Monate würde es ausgetauscht.

Vergangene Woche waren die Projektleiterin, Valentina Fitz, und der Amtsleiter für Wirtschafts- und Kreisentwicklung des Landratsamtes, Hans-Georg Leidert, bei dem für die Technologie-Initiative „Innowatt“ zuständigen Projektbüro in Berlin und haben erfahren, dass das Vorhaben förderfähig ist. Insgesamt sollen 4,7 Millionen Euro investiert werden und 32 Arbeitsplätze entstehen. In einer späteren Phase sollen noch einmal zehn Millionen Euro investiert werden. Vorausgesetzt, dass die erste Phase erfolgreich anläuft. Das altehrwürdige Wasserschloss Zschorna soll dann von Grund auf saniert und zum Medical-Wellness-Hotel ausgebaut werden. Hier rechnen die Investoren noch einmal mit 28 Arbeitsplätzen. Dazu gab es bereits am 11. März eine Beratung mit den für die Mittelvergabe zuständigen Mitarbeitern des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit und des Regierungspräsidiums Dresden. Auch hier wurde das Vorhaben als erfolgversprechend eingeschätzt und der Investor gebeten, seine Antragsunterlagen einzureichen.

Doch am Ende kreisen alle Bemühungen stets um einen Punkt: die wasserrechtliche Genehmigung. Das Problem ist, Schloss und Pionierlager befinden sich mitten in der Trinkwasserschutzzone II und III. Sowohl Landratsamt als auch Regierungspräsidium tun sich schwer mit einer Entscheidung. Das Umweltfachamt des Regierungspräsidiums hat dem Landratsamt seine Sicht dargestellt. Die Entscheidung liegt nun wieder beim hiesigen Landratsamt.

Das Heilverfahren selbst ist seit über 600 Jahren bekannt und wurde schon von Marco Polo beschrieben. In Aserbaidschan, wo es eines der beiden einzigen bekannten Vorkommen des Öls gibt, gibt es in einer Klinik eine Ausstellung von Krücken – die von geheilten Arthritiskranken zurückgelassen wurden… Entdeckt haben die Kramers das Heilöl auf ihren Reisen durch die GUS-Staaten. Denn die Intereng baut Mess- und Kabeltechnik für die Erdöl-Pipelines in der ehemaligen Sowjetunion, der Mongolei, aber auch den USA oder Kanada. So entstand die Idee für das Zschornaer Therapiezentrum.