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Investor sucht Interessenten für die Putenfarm

Der Gemeinderat hat das Vorhaben Hühnerfabrik in Prachenau abgelehnt. Der Eigentümer ist ratlos.

Von Steffen Gerhardt

Die Nachricht erreichte Henricus Kampschöer in seinem schon lange vorher geplanten Urlaub: Eine Hühnerfabrik wird es in Prachenau nicht geben. So entschied der Gemeinderat Vierkirchen in seiner Sitzung am 17. März. Zwei Jahre Arbeit scheinen damit von heute auf morgen für den Investor beendet zu sein. Auch wenn sich die Gemeinde gegen das Vorhaben entschieden hat, einfach die Tür zuwerfen, will und kann Henricus Kampschöer nicht.

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Der gebürtige Niederländer ist enttäuscht über die Entscheidung, die seiner Meinung nach Vierkirchen um einen neuen Betrieb und Arbeitsplätze bringt. „Auch Leute aus Vierkirchen hatten sich schon bei mir beworben, ebenso wollten Landwirte eine Zusammenarbeit. Ihnen muss ich nun absagen“, sagt Henricus Kampschöer. Zumindest für das Vorhaben Hühnerfabrik. Denn an dem Grundstück will der Geschäftsführer der Geflügelfarm Harthe festhalten. Diese Gesellschaft hat nicht nur die ehemalige Putenfarm gekauft, sondern auch angrenzende Flächen, die für die Ställe vorgesehen waren.

Henricus Kampschöer ist nun auf der Suche nach Alternativen für eine künftige Nutzung: „Es ist durchaus möglich, dass wir erst einmal die Putenfarm für eine Tierhaltung wieder herrichten.“ Aber momentan hört sich das eher an wie ein Stochern im Nebel. Denn mit dem Scheitern der Hühnerfabrik ist Prachenau zu einem sensiblen Ort für andere Investoren geworden, nach denen der Geschäftsführer sich nun umschaut. Das erfolgt abgestimmt mit dem eigentlichen Investor, für den Henricus Kampschöer vor Ort tätig ist. Die niederländische Unternehmerfamilie Van den Brink will den Standort Prachenau so nicht aufgeben, denn die Voraussetzungen für eine Tierhaltung sind hier ideal.

Genügend Abstand zu den Wohnhäusern und eine nahe Autobahn sind Argumente, die für Investoren aus der Tierhaltung zählen. Dass sich hier so ein starker Widerstand gegen das Vorhaben entwickelt, damit haben die Niederländer nicht gerechnet. Resignierend muss Henricus Kampschöer feststellen, dass seine Argumente für den Großbetrieb in Vierkirchen auf zu wenige offene Ohren gestoßen sind.

Hinzu kam im vergangenen Jahr eine Gesetzesänderung des Bundes. Mit ihr wurde die gewerbliche Tierhaltung, wie sie in Prachenau vorgesehen war, nicht mehr zur Landwirtschaft gezählt, sondern als Industriebetrieb eingestuft. „Bisher war die landwirtschaftliche Tierhaltung privilegiert und wurde durch die Fachbehörden genehmigt. Nun haben die Gemeinden das Recht, eine Ansiedlung zu befürworten oder abzulehnen. Davon hat Vierkirchen Gebrauch gemacht“, erklärt Henricus Kampschöer. Somit hat die Politik der Prachenauer Bürgerinitiative in die Hände gespielt und es der Gemeinde leichter gemacht, die bereits getroffenen Beschlüsse zur Ansiedlung der Hühnerfabrik wieder aufzuheben.

Obwohl sich die Bürgerinitiative erfolgreich am Ziel ihres Kampfes zur Verhinderung der Hühnerfabrik sieht, ganz zur Ruhe kommen will sie nicht. Ihr Sprecher Stefan Waldau versichert, „weiterhin ein wachsames Auge“ auf die einstige Putenfarm zu haben. Denn die Bürgerinitiative lehnt nicht das Halten von Tieren prinzipiell ab, sondern die Massentierhaltung. Dagegen ist es schwer vorstellbar, dass die Niederländer einen Öko-Bauernhof in Prachenau einrichten werden. Ihr vorrangiges Ziel ist weiterhin die Großproduktion von Geflügel.