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Investor tritt vom Pionierlager-Kauf zurück

André Werder hat geplant, einen Seniorenpark zu errichten. Doch die Behörden machen ihm schon jetzt Probleme.

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Von Thomas Christmann

Er habe sich in das Grundstück verliebt, sagt André Werder. „Ein Filetstück von Oybin, die Gegend ist ruhig, ältere Leute sind gleich im Grünen“, erklärt der Geschäftsführer des gleichnamigen Dachdeckerbetriebes aus Leutersdorf. Sein Plan: Auf der Fläche will er 40 altersgerechte Bungalows bauen, terrassenförmig angelegt, mit Wohnungen für ein bis zwei Personen und jeweils mindestens 80 Quadratmeter groß. Ein neues Gemeinschaftshaus soll der Höhepunkt der Anlage sein, als Gesundheitszentrum mit Schwimmbad, Wellness- und Fitnessmöglichkeiten. André Werder spricht von sechs bis acht Millionen Euro, die er investieren will.

André Werder aus Leutersdorf will auf dem Areal des ehemaligen Oybiner Kinderferienlagers einen Seniorenpark für besser Situierte bauen und damit der Region zu mehr Attraktivität verhelfen. Allerdings stößt sein Plan bei den Behörden auf keine Zustimmung.
André Werder aus Leutersdorf will auf dem Areal des ehemaligen Oybiner Kinderferienlagers einen Seniorenpark für besser Situierte bauen und damit der Region zu mehr Attraktivität verhelfen. Allerdings stößt sein Plan bei den Behörden auf keine Zustimmung.

Deswegen gibt André Werder die Hoffnung auch nicht auf, auf dem ehemaligen Pionierlager doch noch seinen Seniorenpark zu errichten. Eigentlich sollte nach seinen Vorstellungen dieses Frühjahr der Bau beginnen. Doch von einem Kauf des 28 000 Quadratmeter großen Grundstückes hat sich der 40-Jährige erst einmal verabschiedet. Das Kinderferienlager steht immerhin seit 20 Jahren leer. Das kam ihm schon im September 2012 seltsam vor, weshalb er sich die Fläche damals auch nur vom Eisenbahnvermögen reservieren ließ. Als Unternehmer würde bei ihm an dieser Stelle die rote Lampe angehen, sagt André Werder. Inzwischen habe er die Gründe herausfinden können. Es liege an den Behörden, sagt der Geschäftsführer.

Mehrere Gespräche führte er mit dem Landratsamt, wandte sich sogar an den Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien und die Landesdirektion Sachsen. Allerdings äußerten dessen Vertreter in ihren schriftlichen Stellungnahmen mehrere Probleme. So haben sie grundsätzlich Bedenken zur Größe des Vorhabens. Schließlich kämpft die Gemeinde Oybin mit einem Bevölkerungsrückgang. Zwar bewertet beispielsweise der Planungsverband die vorgesehene Nachnutzung als positiv, allerdings geht das Projekt weit über den Eigenbedarf des Ortes hinaus. Zudem gilt, leerstehende Gebäude und brachliegende Flächen, die der Erholung dienten, auch wieder vorrangig dafür zu nutzen. Ist dies nicht möglich, sollen sie zurückgebaut oder renaturiert werden, um das Orts- und Landschaftsbild zu wahren. Ein Problem ist auch die Lage am Wald, So können durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste gegebenenfalls Schäden an Gebäuden entstehen oder Personen verletzt werden. Deshalb müssen zwischen Wald und Bebauung mindestens 30 Meter Abstand gehalten werden. Doch der ist nicht gegeben.

André Werder versteht die Einwände nicht. So plant er den Seniorenpark nicht nur für Oybiner, sondern vor allem für ältere Menschen, die in die Region ziehen wollen. „Der Bedarf ist da“, sagt der Geschäftsführer. Wenn er allerdings kleiner baue, rentiere sich das Projekt nicht mehr. Solange die Behörden also nicht einlenken, sei es für ihn gestorben. „Ich lasse mich nicht vorführen“, sagt André Werder, der so einen Affentanz noch nie erlebt habe. Nur der Bürgermeister könne jetzt noch Bewegung reinbringen, von dem er sich mehr Engagement wünsche.

Hans-Jürgen Goth spricht bisher von einer guten Zusammenarbeit mit dem Investor. Er sieht den Seniorenpark als eine Idee, die Chancen hat. Hauptsache, der Schandfleck komme weg, sagt der Bürgermeister. Allerdings müsse so ein Projekt von den Menschen im Ort mitgetragen werden. Deshalb solle das Vorhaben erst einmal im Gemeinderat vorgestellt werden, sagt Hans-Jürgen Goth. Bisher kenne er die genauen Vorstellungen des Investors nämlich nicht. Unabhängig vom Projekt hat er aber bereits das Gespräch mit der Stadt Zittau als Waldbesitzer gesucht. Der Grund: Die Gemeinde hat Interesse daran, den Talringweg breiter und barrierefrei zu gestalten. Der liegt zwischen ehemaligem Pionierlager und Wald. Wenn die Gemeinde das Vorhaben umsetzen sollte, könnte sich das Problem mit den 30 Metern Abstand entspannen.

Enttäuscht vom Investor zeigt sich Reinhard Wagner, Chef des ehemaligen Vereines „Residenz Kurort Oybin“. Aus dem ist inzwischen eine Interessengemeinschaft geworden, nachdem sich André Werder als möglicher Käufer fand. Dabei sei die Auflösung in seinem Interesse geschehen, sagt Reinhard Wagner. Das habe Geld und Zeit gekostet. Über den Rücktritt vom Kauf habe der Investor die Mitglieder jedoch nicht informiert, eine Einladung blieb ohne Antwort, berichtet er. So will die Interessengemeinschaft nun wieder ihren ursprünglichen Plan verfolgen, aus dem ehemaligen Ferienlager eine Senioren-Residenz zu machen. Für Gespräche mit dem bisherigen Investor sei Reinhard Wagner aber weiterhin offen.