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Investor will Bautzener Bahnhof kaufen

Der Stadt ist das Gebäude zu teuer. Jetzt verhandelt die Bahn mit einem neuen Interessenten.

© Uwe Soeder

Von Stefan Schramm

Nicht nur Radfahrer sehen hin und wieder Rot am Bautzener Bahnhof. Vor allem die Fahrgäste sind betroffen. Seit Ende Februar ist die Bahnhofshalle geschlossen. Putz bröckelte von der Decke herunter. Die Bahn riegelte das Innere des Gebäudes daraufhin mit Bauzäunen ab – aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. Die eigentlichen Ursachen des Dilemmas dürften eher darin zu suchen sein, dass das Unternehmen lange kein Geld in den Bahnhof gesteckt hat. Es hegt Pläne für einen baldigen Verkauf.

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Jetzt kommt ans Licht, dass es einen potenziellen Investor gibt. „Wir befinden uns in Verkaufsverhandlungen mit einem Interessenten“, bestätigt Erika Poschke-Frost, Sprecherin der Deutschen Bahn. Namen nennt sie allerdings nicht, auch über den aktuellen Stand der Verhandlungen will sie keine Auskunft geben. Und wie lange die Gespräche noch andauern werden, sei derzeit noch nicht bekannt.

In der Vergangenheit hatte Bautzens Stadtverwaltung mehrfach ihr Interesse am Erwerb des Bahnhofs bekundet. Zur Voraussetzung hatte sie unter anderem ein griffiges Nutzungskonzept gemacht. „Wir hatten mit der Bahn mehrere Verhandlungstermine, auf denen das Gebäude der Stadt zu einem guten Preis angeboten wurde“, bestätigt Stadtsprecher André Wucht. Letztendlich sei die Verwaltung aber nach einer wirtschaftlichen Prüfung zum Ergebnis gekommen, dass sich der Kauf nicht lohne. „Daraufhin haben wir vor zwei Monaten einen Investor ins Spiel gebracht und die Bahn an ihn vermittelt. Sie verhandeln nun miteinander“, so André Wucht weiter.

Auch der Landkreis liebäugelt weiter mit dem Gebäude. „Die Prüfung einer Nutzung des Bahnhofs zu Verwaltungszwecken wird in die Liegenschaftskonzeption des Landkreises einbezogen, wobei eine Anmietung der entsprechenden Flächen gegenüber eigenen Investitionen Vorrang hat“, sagt Landratsamtssprecher Gernot Schweitzer. Im Klartext: Statt selbst Bauten zu kaufen oder neu zu errichten, will der Kreis lieber in bestehenden Häusern wie dem Bahnhof als Mieter mit seinen Ämtern unterkommen. Dennoch seien beide Varianten denkbar. Welche Ämter möglicherweise in den Bahnhof einziehen könnten, ist offen. „Eine Entscheidung ist dazu noch nicht gefallen und bedürfte der Beschlussfassung durch den neu gewählten Kreistag“, erklärt Gernot Schweitzer. Das soll im Verlauf dieses Jahres passieren. Hintergrund ist, dass der Landkreis in der Nähe des Landratsamts mit Sitz an der Bahnhofstraße 9 weitere Ämter unterbringen will, um die Verwaltung zu konzentrieren.

Über die genauen Pläne des Investors für den Bahnhof herrscht noch Stillschweigen. Klar ist nur, dass auch der Bahnhofsvorplatz und umliegende Parkplätze mit verkauft werden. Das teilte die Bahn mit.

Der Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) fordert, dass der Bahnhof und das umgebende Gelände dem ÖPNV erhalten bleiben. Neben einer Verknüpfung mit dem Busverkehr und Möglichkeiten, Autos und Fahrräder dort abzustellen, sei auch notwendig, dass sich Fahrgäste dort aufhalten können und Angebote für Reisebedarf und Gastronomie zur Verfügung stünden, wie ZVON-Sprecherin Sandra Trebesius mitteilte. Der Fahrkartenschalter soll erhalten bleiben. Die Bahn signalisierte bereits, dass sie nach dem erwarteten Vertragsabschluss mit der Vogtlandbahn dort auch weiterhin Tickets vertreiben wird. Der Landkreis hatte zudem gefordert, auf den östlichen Nebenflächen des Bahnhofs unter anderem Parkplätze für verschiedene Nutzer zu schaffen.