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Investor will in Strehla Luftkissenboote bauen

Obwohl auch Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, stehen Räte und Anwohner dem Vorhaben skeptisch gegenüber.

Von Eric Weser

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

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Es soll diesmal keine Luftnummer werden, sagt der Helmut Eisele aus Bayern am Telefon. Zu oft sei er in der Vergangenheit gescheitert. Deswegen will er eigentlich nicht, dass sein Strehlaer Vorhaben jetzt publik wird. Dabei spricht bereits die Nachbarschaft darüber. Seit einiger Zeit macht hier die Runde, dass am Oppitzscher Weg, direkt neben der Elbe, künftig Luftkissenboote gebaut werden sollen.

Erfolglose Versuche

Zu sehen ist davon im Moment noch nichts. Das Grundstück, auf dem die sogenannten Hovercrafts in Zukunft entstehen könnten, ist eine Brache. Gelegen im Außenbereich und derzeit kommunales Eigentum, wie das Rathaus bestätigt. Der letzte Zipfel Stadt, bevor die Ackerflächen der Landwirte beginnen.

Derzeit sei man mittendrin in Verhandlungen über die Grundstücksfrage, sagt der bayrische Geschäftsmann. Mehr will er nicht verraten. Denn der knapp 70-Jährige will, dass es diesmal im Gegensatz zu seinen bisherigen Anläufen etwas wird. Verständlich, angesichts dieser Vorgeschichte: Vor zweieinhalb Jahren versuchte er laut einem damaligen Bericht der Lausitzer Rundschau, sich mit der Bootsproduktion im südbrandenburgischen Brieske bei Senftenberg niederzulassen – erfolglos. Ein ähnliches Ansinnen sei Anfang des Jahres 2004 in Dresden ebenfalls gescheitert, berichtete die Zeitung damals. Nun also ein neuer Versuch, 60 Kilometer elbabwärts in Strehla. Gute Bekannte hätten Eisele auf die Stadt aufmerksam gemacht, begründet der Unternehmer, weshalb er nun gerade hier noch einmal sein Glück probiert. In der Riesaer Innenstadt habe er ein Büro bezogen und er sei regelmäßig vor Ort, um sein Projekt voranzutreiben. Etwa zehn bis 15 Arbeitsplätze stünden in Aussicht, sollten die Bemühungen für die Produktion der Amphibienfahrzeuge von Erfolg gekrönt sein. Hergestellt werden sollen die vergleichsweise leichten und sehr wendigen Spezial-Boote, um Rettern wie der Feuerwehr oder Katastrophenschützern das Vordringen in schwer erreichbare Gebiete zu ermöglichen. Zum Beispiel im Fall von Hochwassern. In Strehla trifft das Vorhaben jedoch auch auf Vorbehalte. Im Technischen Ausschuss kritisierten Stadträte die Nähe der möglichen Gewerbeansiedlung zur Wohnbebauung in der direkten Nachbarschaft. Zumal die Zahl der Wohnhäuser in der Gegend in Zukunft noch steigen soll, wenn die alte Steingut-Fabrik komplett abgerissen und die Fläche, wie von ihrem jetzigen Eigentümer geplant, in verkäufliche Eigenheim-Parzellen umgewandelt ist.

Bürgermeister Harry Güldner (CDU) wandte gegen die Kritik ein, dass es zwischen der vorgesehenen Wohnbebauung auf dem ehemaligen Fabrikgelände und der möglichen Hovercraft-Produktion ausreichend Abstand gäbe und geltende Regeln zum Lärmschutz eingehalten werden müssten.

Darüber hinaus äußerte sich der Stadtchef zurückhaltend, was die eine baldige Hovercraft-Produktion angeht. Offensichtlich will die Stadtführung ebenso wenig wie der bayrische Geschäftsmann zu diesem Zeitpunktallzu großen Erwartungen schüren. Zu viele Fragezeichen bestehen noch. Anderes dagegen scheint geklärt. So liegt das elbnahe, für die Ansiedlung des Hovercraft-Betriebs diskutierte Grundstück laut Geoportal des Landkreises zur Hälfte im Überschwemmungsgebiet. Was eine mögliche Bebauung angeht, deutete Güldner im Ausschuss jedoch an, dass erste Prüfungen keine Probleme ergeben hätten. Im hinteren Grundstücks-Drittel sei eine Bebauung demnach denkbar.

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