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Investoren für die Steinstraße warten ab

Fürs Eckhaus und das Kaufhaus Totschek in Görlitz gibt es große Pläne, aber noch keinen Baubeginn. Am Geld liegt es nicht.

So soll das Eckhaus Obermarkt/Steinstraße künftig aussehen. Auch wenn es noch nicht losgeht: Der Bauherr hält an seinen Plänen fest.
So soll das Eckhaus Obermarkt/Steinstraße künftig aussehen. Auch wenn es noch nicht losgeht: Der Bauherr hält an seinen Plänen fest. © Sandro Kühn (Architekt)

Die Steinstraße ist derzeit aufgerissen und für den Verkehr gesperrt. „Das hat auch etwas mit uns zu tun“, sagt Philipp Metz, Eigentümer des früheren Kaufhauses Totschek in der Steinstraße. In dessen Keller wird demnächst ein Blockheizkraftwerk (BHKW) errichtet, die Arbeiten draußen sind dafür die Voraussetzung. Das BHKW soll nicht nur das frühere Kaufhaus, sondern mehrere Gebäude in der Steinstraße mit Wärme versorgen und gleichzeitig der Stromerzeugung dienen. „Energieeffizienzquartier“ heißt das im Fachjargon der Stadtwerke, die hier tätig sind.

So geht es zumindest ein bisschen voran in der Steinstraße. Bei der geplanten Sanierung des Kaufhauses Totschek und des angrenzenden Eckhauses Obermarkt/Steinstraße hingegen herrscht Stillstand – jedenfalls nach außen. Hinter den Kulissen haben beide Eigentümer wöchentlich Kontakt, loten gemeinsame Wege aus, wie die Sanierung für beide Seiten am besten funktionieren könnte. Allerdings bestätigen beide auf SZ-Nachfrage, dass sie noch nicht soweit sind. Und, dass es keinen konkreten Termin für einen Baubeginn gibt. Am Geld liege es nicht, sagen beide – und geben sich gelassen. „Ich weiß, dass es irgendwann losgehen wird, ich bin nicht missmutig“, sagt Philipp Metz voller Optimismus.

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Mehr Zeit für die Familie

Das benachbarte Eckhaus gehört der „Haus Kafka Betriebsgesellschaft mbH“. Dahinter stecken vor allem Enrico Merker und seine Frau. Sie wollten mit der Sanierung längst begonnen haben. Allerdings betreiben sie mit dem Café Kugel und Jakobs Söhne auch zwei Restaurants. „Damit haben wir gerade voll zu tun, außerdem wollen wir uns als Familie wieder mehr Zeit nehmen“, sagt Merker. Das ist ein Hauptgrund, warum es mit dem Eckhaus derzeit nicht vorangeht. Doch es gibt weitere Gründe, etwa die Baupreise: „Bei der letzten Kostenschätzung vor zwei Jahren sollte die Sanierung 3,8 Millionen Euro kosten“, sagt er. Seither sind die Preise wegen der guten Konjunktur so gestiegen, dass er mit fünf Millionen Euro rechnen muss. „Ich denke, die Preise werden sich auch wieder ein bisschen normalisieren“, sagt er – und würde das ganz gern abwarten.

Hinzu kommt: Mehrere seiner Mietinteressenten sind abgesprungen. Sein ursprünglicher Plan: Im Parterre eine Kaffeerösterei und ein Café an der Straßenecke und in Richtung Obermarkt, dazu der bisher schon bestehende Lebensmittelladen künftig in Richtung Steinstraße. Im ersten Stock sollten ein Restaurant zum Obermarkt sowie flexibel nutzbare Büroräume zur Steinstraße entstehen. In den oberen Etagen waren 20 Ferienapartments geplant. All diese Pläne stehen nach wie vor, aber nicht mehr mit den ursprünglichen Mietern. Merker ist offen für Änderungen, wenn sich dafür Mieter finden. Wenn nicht, könnte er sich inzwischen auch vorstellen, erst einmal nur die Läden im Parterre herzurichten und zu vermieten.

Was er auch gemerkt hat: „Die wirtschaftliche Lage in Görlitz bedarf dieser Flächen momentan nicht, auch die Politik unterstützt es aktuell nicht.“ Am Bedarf vorbeisanieren will er aber auch nicht. Also wartet er lieber ab. Das Loch im Dach ist geflickt, folglich regnet es derzeit nicht mehr ein. Somit besteht kein dringender Handlungsbedarf – trotz der seit längerer Zeit vorliegenden Baugenehmigung.

Noch fehlen Mietverträge

Für Philipp Metz ist der Weg bis zum Baubeginn noch etwas weiter. „Ich habe den Bauantrag fertig daliegen, aber noch nicht eingereicht“, sagt er. Das Geld wolle er erst investieren, wenn alles unter Dach und Fach ist. Aktuell fehlen ihm nach eigener Aussage noch ein paar andere Eckpfeiler, zum Beispiel Mietverträge für sein Projekt „Görli.Works“. Ein Gründungs- und Co-Working-Center sollte es werden, also ein Ort mit Büros und Besprechungsräumen, wo verschiedene Firmen und Gründer zusammenarbeiten. Ursprünglich war die Eröffnung Ende 2019 geplant. „Inhaltlich kann sich manches aber auch noch einmal ändern“, sagt er. Normale Wohnungen oder Arztpraxen will er allerdings auf keinen Fall bauen. „Meine liebste Variante wäre nach wie vor etwas, was die Stadt für junge Leute interessant macht“, sagt er. Das müsse nicht zwangsläufig ein Co-Working-Center sein. Ihm könnte auch ein Zentrum für Existenzgründer gefallen, bei dem die Ideen schon da sind und junge Leute gesucht werden, die mitmachen.

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SZ-Redakteur Ingo Kramer schreibt über die großen Gebäude an der Steinstraße in Görlitz.

Ziemlich enttäuscht ist Metz von der Politik. Ende April erfuhr er aus den Medien, dass das Kaufhaus Totschek aus dem Sofortprogramm für den Strukturwandel profitieren soll, auf das sich Bund und Land verständigt haben. Er selbst bekam nie eine schriftliche Zusage. Und die Strukturwandelkommission überlegte es sich bald noch einmal neu, verplante das Geld für ein anderes Projekt. Metz fand das frustrierend: „Ich dachte, so ein Prozess sei etwas Kooperatives.“ Den Kopf in den Sand gesteckt hat er aber nicht. „Ich habe keine finanziellen Probleme bei der Sanierung“, betont er. Aber einfach in den blauen Dunst hinein stoße man ein solches Projekt nicht an: „Ich warte lieber noch ab.“

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