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„Irgendwann muss man einfach mal einen Punkt setzen“

Radebergs einstiger Kantor Wolfgang Junghanß wird am Sonnabend einesseiner letzten großen Orgelkonzerte geben.

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Von Jens Fritzsche

Während der morgigen Nacht der Kirchen in Radeberg nimmt der einstige Radeberger Kantor Wolfgang Junghanß Abschied von der Konzertbühne. Der in Dresden geborene Kirchenmusiker war von 1983 bis März 2001 Kantor in Radeberg. Übergab dann an Rainer Fritzsch. In diesem Jahr wird Junghanß 75. und will nun „kürzer treten“, wie er sagt. Ab 17Uhr sitzt er noch einmal an der Orgel der Stadtkirche. SZ sprach dazu mit ihm:

Herr Junghanß, seit Sie vor zehn Jahren in den Ruhestand gegangen sind, waren Sie ja nie wirklich im Ruhestand. Sie singen in der Kantorei, waren immer wieder in Konzerten zu erleben. Wollen Sie nun wirklich nicht mehr an der Orgel sitzen?

Ich fühle mich sehr gut, aber irgendwann muss man einfach mal einen Punkt setzen und sagen: So, jetzt ist es genug. Ein Orgelkonzert ist eine wirkliche Anstrengung, für die Physis und die Konzentration.

Wirklich nie wieder Orgel?

Ich werde sicher noch ab und an beim Orgelspiel zu erleben sein. Auch Gottesdienste begleite ich ja nach wie vor hier und da an der Orgel. Aber die großen Konzerte werden sicher sehr, sehr selten.

Was werden Sie am morgigen Sonnabend in der Stadtkirche präsentieren?

Bevor ich an die große Orgel wechsle, werde ich zunächst zwei Stücke am Positiv im Altarraum spielen: zum Beispiel etwas aus dem „wohltemperierten Klavier“ und auch „Sieben Aphorismen“ von Lothar Graap – das sind zwar katholische Stücke, die dann in der evangelischen Stadtkirche erklingen, aber das passt zur Nacht der Kirchen. Schließlich ist das eine gemeinsame Veranstaltung der verschiedenen Gemeinden der Stadt.

…kein Stück von Bach dabei?

Doch, doch – ohne Bach geht’s ja fast nicht…

Zum Abschluss noch ein Blick auf Ihren Nachfolger: Sind Sie zufrieden mit Kantor Rainer Fritzsch?

Also erst ist wirklich ein echter Glücksgriff für die Radeberger Kirche – aber auch generell für das Kulturleben in der Stadt.