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Ist das ein Platz für die Jugend?

OB Siegfried Deinege stellte jetzt neue Pläne für ein soziokulturelles Zentrum vor. 2017 soll es fertig sein.

© nikolaischmidt.de

Von Matthias Klaus

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Zerbrochene Fensterscheiben, ein rissiger Betonfußboden, rostige Eisenträger, Schaltschränke, Kabel und was davon übrig blieb, bröckelige Wände – die frühere Furnierhalle im Waggonbau-Werk I hat ihre besten Jahre zweifellos hinter sich. Geht es allerdings nach Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos), steht dem Gebäude eine große Zukunft bevor. Hier soll es nun entstehen, das Jugendzentrum, über das in Görlitz seit Jahren diskutiert wird. Ein Zentrum für die Jugend allein ist dabei allerdings nicht mehr im Gespräch, sondern ein soziokulturelles Zentrum. „Das heißt, es gibt ein Ganztagsangebot, auch mit Veranstaltungen für Görlitzer bis ins hohe Alter“, sagt Oberbürgermeister Siegfried Deinege.

Oberbürgermeister Siegfried Deinege stellte am Montagnachmittag die Pläne für das Zentrum vor, hier mit Mario Pannewig. Es soll insgesamt 2,6Millionen Euro kosten. © nikolaischmidt.de

Am Montag stellte er den Stadträten die neue, inzwischen vierte Variante für ein Zentrum auf dem früheren Waggonbaugelände vor. Dazu hatte der OB zu einem Termin vor Ort eingeladen. Zweifel an der baulichen Eignung des Gebäudes lässt Deinege gar nicht erst aufkommen. „Der Denkmalschutz hat sich positiv zu dem Vorhaben geäußert. Außerdem wurden die Statik und der Untergrund einer Vorprüfung unterzogen“, schildert der Oberbürgermeister. Es sei alles in Ordnung.

Die frühere Furnierhalle wäre dabei allerdings nur ein Teil des soziokulturellen Zentrums. Ihr schließt sich eine Freifläche an und ein ehemaliges Wohnhaus an der Hilgerstraße. Wird das Vorhaben in dieser Form verwirklicht, bildet es ein Dreieck auf dem Gelände. Das Haus an der Hilgerstraße sei dabei notwendig, damit das Zentrum sowohl für die Jugend als auch soziokulturell funktioniere, so der OB.

Über drei Jahre debattieren Räte, Verwaltung, Jugendliche, Görlitzer inzwischen über das Thema. Deinege sieht dies eher als positives Zeichen: „Es zeigt, wie wichtig das Ganze ist, wie intensiv wir uns damit auseinandersetzen.“ Ursprünglich sollte das Zentrum inklusive Fördermittel reichlich zwei Millionen Euro kosten. Inzwischen steht die Zahl 2,6 Millionen Euro im Raum. Ein Drittel davon müsste die Stadt stemmen. Ein komplett ausgebautes Ensemble gibt es dafür allerdings nicht. Das Geld reicht für die Sicherung der Halle und für einen Veranstaltungsraum samt Nebenräumen. Beim Ausbau müsse dann „hochgradig der Kreativität der jungen Leute freien Lauf“ gelassen werden, so Deinege. Er gehe davon aus, dass die Jugend den Ausbau aus eigener Kraft schaffe, sagt der Oberbürgermeister.

Christian Thomas vom Vorstand des Vereins Second Attempt sieht das entspannt. „Eine leere Halle ist ganz in unserem Sinn“, sagt er. Es gebe deutschlandweit genug negative Beispiele dafür, dass Jugendliche fertig ausgestattete Einrichtungen nicht annehmen. „Wir werden die Halle nach und nach erschließen, Raum für Raum gestalten“, so Christian Thomas. Wie das am Ende aussehen könnte, zeigt eine Skizze. Unter anderem ist darin ein Veranstaltungsraum mit Bühne eingezeichnet, Foyer, Toiletten, Bar. Dass die Jugendlichen die Arbeiten alleine stemmen können, daran hat Thomas keinen Zweifel. Er verweist auf das Beispiel frühere Hefefabrik gleich nebenan. „Für uns ist das eine Art Hobby“, sagt der Vereinsvorstand.

Generell hält Christian Thomas die Lösung mit der früheren Furnierhalle für eine gute. „Wir haben sie dem Rathaus ja selbst vorgeschlagen“, sagt er. Ein Jugendzentrum gegenüber der neuen Polizeidirektion – das wäre keine günstige Variante, so Thomas. Die Freifläche habe gefehlt. Aber gerade die sei den Jugendlichen wichtig – und sei es auch nur zum „Rumhängen und Kaffeetrinken“, wie es Christian Thomas formuliert.

Sowohl die frühere Furnierhalle als auch das Haus an der Hilgerstraße gehören dem städtischen Großvermieter Kommwohnen. Derzeit, so Oberbürgermeister Siegfried Deinege, laufen Gespräche mit dem Unternehmen, wie jetzt mit den Gebäuden umgegangen werden soll. Deinege geht davon aus, dass erste Räume im kommenden Jahr freigegeben werden könnten. Den Abschluss der Bauarbeiten sieht der OB dann im Jahr 2017.

„Das soziokulturelle Zentrum wird keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen“, versichert Deinege. Hier werde nur ein Rahmen geschaffen, der dann von Nutzern, ob alt oder jung, selbst mit Veranstaltungen ausgefüllt werden müsse. In der nächsten Stadtratssitzung wird das Thema wieder einmal auf der Tagesordnung stehen. Oberbürgermeister Siegfried Deinege: „Wir bereiten jetzt eine Stadtratsvorlage für die weiteren Planungen des Vorhabens vor.“

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