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Ist der Heroldstein in Gefahr?

Das Narrengericht des RCC holte gestern wieder einige ominöse Geschichten ans Licht. In einer spielt Ehrenpräsident Henry Hasenpflug die Hauptrolle.

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Von Sven Görner

Viele Närrinnen und Narren haben sich zu Beginn der Narrengerichtssitzung noch nicht vor die große Bühne auf dem überdachten Marktplatz verirrt. Kein Wunder, schließlich starten die Radeburger Narrenrichter ihren dreistündigen Verhandlungsmarathon zu einer für das feierwütige Volk nur schwer zu verkraftenden Zeit: pünktlich elf Minuten nach neun. Die fünf Robenträger, alles gestandene Radeburger Karnevalisten, lassen sich weder vom überschaubaren Publikum noch von der frühen Stunde in ihrem Eifer bremsen.

Zu denen, die ein Dauerabo als Delinquent haben, gehört der Ehrenpräsident des Radeburger Carnevals Clubs, Henry Hasenpflug. Wenn er nicht gerade die Narrenkappe auf hat, betätigt er sich als Vize-Graue-Eminenz der sächsischen Kulturszene, so der O-Ton von Narrengerichtschef Horst Richert. Dass er die letzten beiden Verhandlungen ohne Schuldspruch verlassen konnte, ist angesichts der knallharten Richter schon erstaunlich. „Und das in so einer Position.“

Doch die neuen Vorwürfe machen dann auch den letzten müden Narren im Publikum blitzartig munter. Schließlich geht es um den Heroldstein. Das leicht angewitterte Denkmal einer unglücklichen Liebe steht nicht nur vor den Toren der Stadt, sondern auch fast vor der Haustür des umtriebigen Ehrenpräsidenten. Aber offenbar nicht mehr lange. Denn die Recherchen des Gerichtes haben ergeben, dass Henry Hasenpflug den Herold- durch einen Henry-Stein ersetzen will. In dem rundherum geplanten Wohngebiet will er zudem nur prozessionswillige Leute ansiedeln, die bereit sind, an dem Stein vorbei zu ziehen. Wem das an den Haaren herbeigezogen erscheint: In seinem Garten steht schon eine kleine Version des Henrysteines. Wenn das nicht nach Amtsmissbrauch riecht und ein triftiger Grund für eine Verurteilung ist.

Zum ersten Mal von der Narrenpolizei abgeholt wurde Radeburgs neue Bürgermeisterin Michaela Ritter. Zunächst klopfte sich das närrische Gericht selbst auf die Schulter. Hatte es doch vor Jahresfrist verkündet, dass der neue Rathauschef ein Ritter sein muss. Stimmt. So weit, so gut. Wäre da nicht der Fauxpas zur Saisoneröffnung gewesen, bei der die Bürgermeisterin drei Hämmer für den Bierfassanstich zerklopfte. Darum durfte sie vor den Augen des Narrengerichts gleich noch einmal üben – an einem Partyfass.

Eines stellte die Neue im Rathaus dann aber doch noch klar. Das ominöse Fass vom 11.11. sei gar kein Fass zum Anstechen gewesen, habe sie vom Sponsor erfahren. „Daher war es eindeutig Sabotage!“