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Killt der Klimawandel den Wintersport?

Zu wenig Schnee, zu viel Schnee, zu viel Wind. Von Kombinierern über Biathleten bis zu Alpinen: Die Wintersportler merken immer mehr den Klimawandel.

In Dresden schlängelte sich beim Ski-Weltcup im Januar ein weißes Band aus Kunstschnee am Elbufer entlang.
In Dresden schlängelte sich beim Ski-Weltcup im Januar ein weißes Band aus Kunstschnee am Elbufer entlang. © Archivbild: Thomas Kretschel

Die Sorgenbilder dieses Winters kommen aus dem Schwarzwald. Zu sehen sind keine idyllischen Winterlandschaften oder herrlich weiß bedeckte Berggipfel, sondern eine vom warmen Wetter ramponierte Skisprungschanze. Grüne und graue Flecken, Matsch, Dreck und ein Rest von Kunstschnee, die die Anlage in Titisee-Neustadt im Dezember 2018 einem Schlachtfeld gleichen ließen. Zum Abschluss des Winters gab es am vergangenen Wochenende für die Kombinierer eine mit Kunstschnee bedeckte Loipe in Schonach, mitten im Grünen gelegen, garniert mit deftigen Graupelschauern.

Und dazwischen? Absagen, Verschiebungen und jede Menge Kompromisse. Der Wintersport hat wettertechnisch zwar nicht das allerschwierigste Jahr erlebt, er muss sich als Freiluftsport bei stetig steigenden Temperaturen aber immer neuen Herausforderungen stellen.

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„Es ist nicht mehr ein Problem, was uns am Anfang des Winters trifft oder am Ende, sondern es kann zu jedem Zeitpunkt problematisch werden“, meint der scheidende Skisprung-Rennleiter Walter Hofer. Wenn der Weltverband Fis im Sommer seinen Kalender plant, sind die Wochenenden von November bis März durchgetaktet. Der abgelaufene Winter bei den Alpinen zeigt aber, wie wenig Bedeutung das erste Papier teilweise haben kann. Zu wenig Schnee, zu viel Schnee, zu viel Wind: Immer wieder kommt etwas dazwischen, am Saisonende bilanzierten der zurückgetretene Felix Neureuther und seine Teamkollegen fünf verschobene Rennen und sechs Absagen.

Die Vorbereitung leidet

Für Alpinchef Wolfgang Maier war im Winter gar nicht mal der fehlende Schnee das Problem. „Aber die Gesamtsituation ist extrem. Seit Ende Januar sind wir eigentlich fast kein einziges Rennen mehr unter ruhigen Bedingungen gefahren: Sturm, Regen, Schnee, Temperaturschwankungen – das ist schon eine Veränderung und außergewöhnlich“, erklärt Maier. Die Alpinen sind auch außerhalb ihrer Saison massiv involviert: „Die Vorbereitung leidet, der Winter wird kürzer und wärmer. Wir haben jetzt März und die Tagestemperaturen liegen, wenn du nicht oben am Berg bist, zwischen 5 und 15 Grad.“

Als „erschreckend“ empfindet Kombinierer-Weltmeister Eric Frenzel die Entwicklung. „Wenn ich als Jugendlicher auf dem Dachstein-Gletscher unterwegs war, konnte ich direkt an der Bahn die Ski anschnallen und loslaufen. Jetzt muss man erst eine Weile unterwegs sein, bis man an die Loipen kommt“, berichtet der Sachse.

Dabei erlebten die Kombinierer, Langläufer und Biathleten, die nur zwei Absagen wegen zu kalter Temperaturen in Kanada hatten, noch einen vergleichsweise störungsfreien Winter. In den vergangenen Jahren war in Oberhof Schnee oft das große Sorgenkind, meist fiel er erst vom Himmel, als die Biathleten und die Tausenden Zuschauer schon wieder aus dem Thüringer Wald abgereist waren. 2016 musste die Veranstaltung komplett abgesagt werden. Mittlerweile wird neben der Skihalle ein Schneedepot – 120 Meter lang und 25 Meter breit – angelegt, das auch der wochenlangen Hitze im Sommer 2018 standhielt.

Der Hang der Schanze in Titisee-Neustadt sah im Dezember aus wie ein Schlachtfeld.
Der Hang der Schanze in Titisee-Neustadt sah im Dezember aus wie ein Schlachtfeld. © dpa/Patrick Seeger

An Naturschnee mangelte es beim diesjährigen Weltcup, der eine Woche später als üblich stattfand, zwar nicht. Doch Wind, Regen, Schneestürme erschwerten die Bedingungen und sorgten mal wieder für Bilder, die alles andere als nach einem Wintermärchen aussahen. Am selben Wochenende fehlte dagegen in Dresden der echte Schnee, den sich die Organisatoren vom Ski-Weltcup als Puderzucker so sehr gewünscht hätten.

Für die Präparierung ihrer 800 Meter langen Strecke am Elbufer war das fehlende Weiß kein Problem, denn zuvor wurden 4.000 Kubikmeter Kunstschnee am Flughafen produziert. Fast an allen Weltcuporten kommen mittlerweile Schneeerzeuger zum Einsatz. Deshalb hat sich der Deutsche Skiverband auch zwei Container der Firma Snowfactory angeschafft. Vor ihrem Einsatz in Dresden stand die Schneefabrik bis Anfang Dezember in Titisee-Neustadt. Doch gegen tagelangen Dauerregen, dauerhafte Plusgrade und angesagte Windböen half alle Schneebelegung der Welt nicht, der Weltcup der Skispringer im Schwarzwald musste abgesagt werden.

Anfang Oktober ließ der Wind den Flugkünstlern zum Abschluss des Sommer-Grand-Prix in Klingenthal selbst auf Matten keine Chance. Die Premiere mit Damen und Herren wurde zum Geduldsspiel – und schlussendlich abgesagt.

Beinahe ins Wasser fiel vor gut einer Woche der traditionelle Kammlauf im benachbarten Mühlleithen. Beim größten Volksskilauf Ostdeutschlands war der Schnee bereits extrem geschmolzen. 500 Hobbyläufer trotzten dem Dauerregen und den widrigen Bedingungen. (mit dpa)

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