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Ist der Kottmarbauden-Investor ein Bluff?

Löbaus OB behauptet, mit Hartmut Scholz einen Investor an der Hand zu haben. Was er dazu zu sagen hat, hört sich etwas anders an - im Moment zumindest.

Vor zehn Jahren hat Löbau die Kottmarbaude verkauft. Passiert ist noch immer nichts.
Vor zehn Jahren hat Löbau die Kottmarbaude verkauft. Passiert ist noch immer nichts. © Matthias Weber

Hartmut Scholz hat mit der Kottmarbaude seit seinem Ausstieg aus der gleichnamigen GmbH 2017 nichts mehr zu tun. Eigentlich. Nun aber steht der Chef des Eibauer Maschinenbau-Unternehmens SSL und Eigentümer des Honigbrunnens plötzlich wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit. Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz, der von einer Rückfallklausel im Kaufvertrag Gebrauch macht und die Baude wieder in den Besitz der Stadt zurückbringen will, hatte zuletzt auch öffentlich Scholz als neuen Investor benannt. Der Unternehmer stehe "Gewehr bei Fuß" ließ sich der parteilose OB vernehmen. Doch ganz so ist es offensichtlich nicht.

Hartmut Scholz 2013 an der Kottmarbaude, wo es regelmäßig Vandalismusschäden gab.
Hartmut Scholz 2013 an der Kottmarbaude, wo es regelmäßig Vandalismusschäden gab. © Steffen Scholz

Von der SZ befragt, ob er die Kottmarbaude nun in Eigenregie übernehmen und sanieren wolle, lacht Hartmut Scholz zunächst laut auf. Ja, er habe davon gehört, dass er angeblich "Gewehr bei Fuß" stehe. Aber das sei wohl ein Missverständnis. "Nein, ich will die Baude nicht selbst besitzen. Ich gehe auf die 70 zu, das ist nicht mehr meine Absicht", erklärt er seinen Standpunkt mehrfach deutlich. Wer die Immobilie erhalten werde, wenn die Stadt sie erst einmal wieder in eigenem Besitz habe, müsse dann auch die Stadt selbst entscheiden, findet er - per Ausschreibung beispielsweise. Er sei lediglich dazu bereit, sich in Form der bisher erstellten Pläne - die fix und fertig seien - einzubringen.

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In der Tat hatte Hartmut Scholz gemeinsam mit seinen zunächst drei Mitgesellschaftern in der Kottmarbauden GmbH lange genug die Chance, etwas zu bewegen. Mit Enthusiasmus war das Team, das neben Scholz als erfolgreichem und angesehenem Honigbrunnen-Retter aus dem Eibauer Bäcker Uwe Berndt sowie Wolfgang Tröger und Wolfgang Kießlich bestand, nach dem Verkauf vor exakt zehn Jahren durch die Stadt Löbau gestartet. Doch so richtig ins Rollen ist die Sache nie gekommen, bilanziert auch Uwe Berndt. Der Bäcker ist der letzte verbliebene Gesellschafter der GmbH und aktueller Besitzer der Kottmarbaude. Er bestätigt, dass man in den Jahren zwar entrümpelt, die alten Heizungsrohre entfernt und für mehr Sicherheit vor Ort gesorgt habe.

Zunächst fehlten immer wieder die nötigen Fördergelder, um das große Projekt zu stemmen. Die Substanz der in die Jahre gekommenen Bauten ist so schlecht, dass ein Betrieb ohne größere Investition nicht möglich ist. Eine Erhöhung des Aussichtsturmes war dann im Gespräch, zerschlug sich aber wieder, weil es auch hier Hürden gab. Ein großes und langwieriges Thema war der Abriss des neben dem Aussichtsturm befindlichen Funkturmes. Jahrelang ging es hin und her, dann wollten Scholz und Berndt vor Gericht den Abriss und auch eine handfeste Miete von der Deutschen Funkturm GmbH erstreiten, weil der Turm auf ihrem Grundstück stand. Monetär war das am Ende mit einem Mieterlös von 3.900 Euro kein großer Erfolg für die Kottmarbauden-Investoren, aber der Funkturm wurde 2017 tatsächlich abgerissen.

Den großen Startschuss für die Investitionen gab es dennoch nicht. Inzwischen waren mit Berndt und Scholz auch nur noch zwei der vier Gesellschafter verblieben. Und die hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es mit ihrem Projekt weitergehen sollte. Uwe Berndt erklärt, dass man sich zwar nicht total verstritten habe, aber doch uneins war, wie man vorgehen solle. Hartmut Scholz habe den Turm zuerst sanieren wollen. Das hielt Berndt mit Blick auf die vielen Vandalismusschäden für zu riskant: "Ich bin der Ansicht, da muss erst jemand ständig oben vor Ort sein, bevor man den Turm sanieren kann", sagt er. Uwe Berndt hat nach eigenen Angaben Hartmut Scholz in dieser Zeit seinen GmbH-Anteil angeboten - einigen konnte man sich nicht. 2017 dann bot Scholz seinen Anteil Berndt zum Kauf an. Er ließ sich darauf ein, weil er vorhatte, die Kottmarbaude an einen Investor zu verkaufen, den er an der Hand hatte. Doch das ist laut Vertrag, der einst mit der Stadt unterzeichnet worden war, so nicht möglich.

Auch die Stadt Löbau habe er nach Interesse gefragt, erklärt Uwe Berndt: "Ich habe den OB 2017 beim Bierzug gefragt, da hat er mir mitgeteilt, dass die Stadt sie nicht zurückhaben wolle." Als wenige Monate später der Ausstieg von Hartmut Scholz aus der GmbH anstand, habe er erneut versucht, Buchholz zu erreichen, um ihm die Veränderung mitzuteilen - es sei ihm trotz mehrfacher Versuche nicht gelungen. Umso erstaunter war der Eibauer Bäcker als kurz nach der Abwicklung der Formalitäten die Stadt die Rückgabeklausel gezogen hat und recht schnell auch davon sprach, einen eigenen Investor an der Hand zu haben. Großes Interesse, den Investor kennenzulernen, mit dem Berndt bereits im Gespräch war, habe die Stadt nie gehabt, sagt er.

Warum die Stadt nach acht Jahren die Immobilie plötzlich zurückhaben wollte, ob dabei der Ausstieg von Scholz und die Pläne von Berndt eine Rolle spielten, wollte die SZ von der Stadt wissen. Immerhin hätte Löbau nach Ablauf der ersten drei Jahre, in denen laut Vertrag eine Wiederbelebung erfolgt sein sollte, schon mehrfach die Chance gehabt, diese Option zu ziehen. Der Stadtrat ist nach SZ-Recherchen vom Oberbürgermeister über den Stand der Dinge informiert worden, von da sei jedenfalls keine Initiative gekommen. Aussagen zu dem Thema lehnte die Stadt mit Verweis auf das noch nicht abgeschlossene Verfahren ab.

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