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Ist der Tourismusverband zu teuer?

Bad Schandau ist der größte Beitragszahler. Jetzt denkt die Stadt darüber nach, ihren Anteil zu reduzieren.

© Marko Förster

Von Gunnar Klehm

Bad Schandau. In der Stadt kommt jetzt alles auf den Prüfstand, was Geld kostet. Die Einnahmen wurden durch schmerzliche Steuererhöhungen verbessert. Die Ausgaben auf das Nötigste reduziert. So will die Stadt ihre angespannte Finanzsituation im Griff behalten.

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Nun diskutieren die Stadträte von Bad Schandau, ob es nötig ist, so viel Mitgliedsbeitrag an den Tourismusverband Sächsische Schweiz zu zahlen. Jährlich sind es rund 67 000 Euro. „Wir wollen ja im Verband bleiben. Die Frage ist nur, wie lange wir uns das noch leisten können“, sagte Maik Bredner, der CDU-Fraktionschef im Bad Schandauer Stadtrat. André Große von der Wählervereinigung Tourismus fordert nun eine Obergrenze für Mitgliedsbeiträge. „Es kann doch nicht bis ins Uferlose bergan gehen“, sagte er jüngst im Stadtrat, zu dem auch der Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz, Tino Richter, eingeladen war.

Die Mitgliedsbeiträge berechnen sich für Kommunen nach der Größe, aber auch nach der Zahl der Übernachtungen. Die Stadt Bad Schandau zahlt nach dieser Berechnung 16 Prozent der gesamten Mitgliedsbeiträge des Verbands. Damit ist Bad Schandau mit Abstand der größte Beitragszahler. Zum Vergleich: Auf Platz zwei liegt Pirna mit rund 35 000 Euro. Stadtrat Jürgen Kopprasch (WV Tourismus) hat noch ein anderes Problem damit: „Von der Verbandsarbeit profitiert ja die gesamte Region, dabei sind noch nicht mal alle Kommunen aus dem Altkreis Sächsische Schweiz Mitglied“, sagt er.

Tino Richter bemühte sich jetzt, den Bad Schandauern zu erklären, dass sie auch die größten Nutznießer seien. Tatsächlich seien etwa Liebstadt und Bahretal keine Mitglieder im Verband. Dort sei das Gästeaufkommen aber auch vergleichsweise gering. „Im Elbtal sind alle Kommunen Mitglied“, sagt Richter.

Nähme man nur die Übernachtungszahlen zur Grundlage, müsste Bad Schandau sogar noch mehr zahlen. Hier habe die Stadt von den insgesamt rund 1,5 Millionen Übernachtungen immerhin einen Anteil von rund 23 Prozent. Zudem erklärte Richter, dass die Mitgliedsbeiträge auch nur einen Teil der Einnahmen des Verbandes ausmachen. Das meiste – nämlich 40 Prozent – steuere die Wirtschaft bei. Ein Drittel sind inzwischen vom Verband eingeworbene Fördermittel.

Mehr Mitsprache angemahnt

Von den Ausgaben gehen 70 Prozent ins Marketing. Das habe Wirkung gezeigt, erklärt Geschäftsführer Richter. Nach neuesten Erhebungen sei der bundesweite Bekanntheitsgrad der Sächsischen Schweiz von 56 Prozent aller Befragten im Jahr 2009 auf aktuell 66 Prozent gestiegen.

Die Wirksamkeit der Arbeit des Verbandes stellte im Stadtrat von Bad Schandau auch kaum jemand infrage. Die Verhältnismäßigkeit bei den Beiträgen aber schon. „Auch wenn uns klar ist, dass wir die Einzigen im Verband sind, die an einer Obergrenze ein Interesse haben“, sagte Bredner.

Die Stadt ist zwar von jeher im Vorstand vertreten – jetzt ist es Bürgermeister Thomas Kunack (WV Tourismus), zuvor war es Amtsvorgänger Andreas Eggert (parteilos). Das würde aber nichts an den Mehrheitsverhältnissen ändern. „Wir haben ja nur acht der 120 Stimmen in der Verbandsversammlung“, sagte Große. Mehr Mitsprache wäre aus seiner Sicht geboten.

Bürgermeister Kunack hatte angekündigt, in der Vorstandssitzung des Tourismusverbandes am Montag, 25. Januar, eine Obergrenze für Mitgliedsbeiträge zu thematisieren. Je nachdem, wie die Diskussion verlaufe, wolle man dann im Stadtrat entscheiden, ob für die Verbandsversammlung im Mai dieses Jahres ein entsprechender Antrag vorbereitet wird.

Tino Richter machte den Bad Schandauern erst einmal keine großen Hoffnungen, auch wenn er den Verbandsentscheidungen natürlich nicht vorgreifen wollte. Außerdem verwies er darauf, dass Unternehmer aus Bad Schandau ja auch gut im Verband vertreten seien.