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Ist der Wolf ein Problemfall?

Das Rietschener Kontaktbüro gibt Antwort auf brennende Fragen. Das Bejagen ist für die Behörde keine Lösung.

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© Arno Burgi/dpa

Von Jens Trenkler

Region. In den vergangenen Monaten haben sich verstärkt Bürger und Jäger zu Wort gemeldet, die besorgt auf die Entwicklung des Wolfsbestandes in der Lausitz blicken. Die unterschiedlichen Bewertungen verschiedenster Interessensvertreter und Politiker haben zahlreiche Fragen aufgeworfen, auf die das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ hier eingeht.

Fragen und Antworten zum Wolf

Fressen die Wölfe auch in Sachsen immer mehr Nutztiere?

Anhand der Losungsuntersuchungen im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz ist nachgewiesen, dass sich die Wölfe in Sachsen zu rund 95 Prozent von wild lebenden Huftieren ernähren. Dieser Anteil blieb seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2001 nahezu unverändert. 2016 gab es in Sachsen 40 Übergriffe durch Wölfe auf Nutztiere. Grundsätzlich steigt mit Ausbreitung des Wolfsvorkommens und Vergrößerung des Wolfsgebietes zwar tendenziell auch die Anzahl der Nutztierschäden, es handelt sich dabei allerdings nicht um einen flächendeckenden Trend, so das Kontaktbüro.

Sind die bisher als sicher geltenden Schutzzäune nicht mehr sicher?

Die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen garantieren keinen einhundertprozentigen Schutz, da dieser nur mit sehr hohen materiellen und praktischen Aufwendungen für die Tierhalter zu erreichen wäre. Vielmehr handelt es sich bei den empfohlenen Schutzmaßnahmen um solche, die gemäß den hiesigen und internationalen Erfahrungen in vielen Fällen geeignet sind, Wölfe davon abzuhalten, in die Koppel einzudringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mindestschutz überwunden wird, steigt allerdings, je öfter Wölfe die Erfahrung gemacht haben, dass Nutztiere eine leicht zugängliche Beute darstellen.

Werden die Anforderungen an die Tierhalter immer höher?

Nein, die Mindestschutzkriterien, die ein Tierhalter vorweisen muss, damit dieser im Falle eines Schadens durch Wölfe Anspruch auf Ausgleich hat, sind seit Einführung der Förderrichtlinie 2008 unverändert. Demnach kann ein Tierhalter Anspruch auf Schadensausgleich geltend machen, wenn sein Elektrozaun mindestens 90Zentimeter hoch ist beziehungsweise sein Festzaun eine Höhe von mindestens 120 Zentimetern aufweist. Die Koppel muss außerdem an allen Seiten, auch zum Wasserlauf, geschlossen sein und die Zäune einen festen Bodenabschluss haben.

Werden die Tierhalter nicht mehr im vollen Umfang entschädigt?

Bislang wurden alle Tierhalter mit Anspruch auf Schadensausgleich zu 100 Prozent des Marktwertes der gerissenen Nutztiere entschädigt. Anspruch auf Schadensausgleich haben Tierhalter, deren Tiere, wie gesetzlich vorgeschrieben, bei der Tierseuchenkasse gemeldet sind und deren Schutzmaßnahmen zumindest dem Mindeststandard entsprechen. Zahlungen sind bis zu einer Grenze von 15000 Euro in drei aufeinanderfolgenden Jahren zulässig. Falls ein Nutztierhalter innerhalb dieser Zeit mehr als 15000 Euro staatliche Beihilfen erhalten hat, ist eine Schadensausgleichszahlung durch den Freistaat nur noch zu 80 Prozent möglich. In diesem Fall übernimmt die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe die Zahlung der übrigen 20 Prozent. Dem Tierhalter können alle Sachschäden durch den Wolf, unabhängig ihrer Höhe, vollständig ersetzt werden.

Kann das Reißen von Nutztieren durch Bejagen verhindert werden?

Nutztierschäden konzentrieren sich oft in Gebieten, in denen Wölfe neu einwandern, da die Tierhalter dort häufig noch nicht auf Wölfe vorbereitet sind. Das Töten von Wölfen kann kurzfristig zu einer Reduzierung von Nutztierschäden führen. Durch die Besetzung des frei gewordenen Gebietes durch andere Wölfe, ist jedoch von einer Fortsetzung der Übergriffe auszugehen. Langfristig kann in Wolfsgebieten daher nur über die Etablierung von effektiven Herdenschutzmaßnahmen eine Minimierung von Tierverlusten erzielt werden.

Wölfe töten Tiere auch in Ortsnähe. Werden sie zur Gefahr des Menschen?

Nein, wenn Wölfe nachts und selten auch mal am Tage in Siedlungen Tiere reißen, ist dies nicht als gefährliches Verhalten gegenüber Menschen zu bewerten. Begegnungen mit Menschen vermeiden Wölfe in der Regel, weshalb die Übergriffe auf Nutztiere in Abwesenheit von Menschen stattfinden. Grundsätzlich können Wölfe, die in Kulturlandschaften leben, durchaus mal am Tage in Ortsnähe gesehen werden. Dies gehört zum Repertoire normalen Wildverhaltens.

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