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Ist der Wolf im Hochland angekommen?

In der Nacht zum Sonntag wurde in Schönfeld ein Schaf gerissen. Der Besitzer sucht nach dem richtigen Ansprechpartner.

Immer wieder haben Hochland-Bewohner Wölfe in der letzten Zeit beobachtet.
Immer wieder haben Hochland-Bewohner Wölfe in der letzten Zeit beobachtet. © dpa

Das Bild seines toten Schafes wird Robert Päperer nicht so schnell aus dem Kopf bekommen. In der Nacht zum Sonntag wurde es auf einer Wiese in Schönfeld, nahe der Grundschule, angegriffen und getötet. Nachbarn informierten Päperer am Sonntagmorgen. Er fand den Kadaver des halb ausgeweideten Tieres auf der Wiese, das andere Schaf hatte sich in einen benachbarten Hof geflüchtet. „Ich sah Bissspuren am Hals und am Brustbein des getöteten Tieres und habe deshalb gleich einen Jäger hinzugezogen“, sagt der Zimmermann. Der Jäger bestätigt ihm, was er bereits vermutet hat: Das entspricht den typischen Bissspuren eines Wolfes. Auch die Fraßspuren am Kadaver wiesen darauf hin.

„Wir haben uns daraufhin genau umgesehen und sowohl Kampf- als auch Pfotenspuren gefunden und sie fotografiert“, sagt Päperer. Und das sogar von zwei Tieren. Denn während die einen Tatzenabdrücke zwölf Zentimeter groß im Durchmesser waren, zeigten die anderen nur acht Zentimeter. „Ich habe inzwischen von einigen Wolfssichtungen im Schönfelder Hochland gehört. Das kann schon sein, dass sich Wölfe zum Jagen zusammenschließen“, sagt Päperer. Sein größtes Problem ist aber nach wie vor, dass sich offenbar niemand so richtig für den wahrscheinlichen Wolfsriss interessiert.

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Das getötete Schaf von Robert Päperer wurde teilweise ausgeweidet. 
Das getötete Schaf von Robert Päperer wurde teilweise ausgeweidet.  © Robert Päperer

Zuerst wandte sich Päperer an die Polizei, die aber nicht zuständig ist. Das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen, das Päperer als zweites anrief, ist seit dem 1. Juni umstrukturiert worden. „Eine Stimme auf dem Anrufbeantworter sagte mir, ich solle mich an meine Kommune wenden“, sagt der Tierhalter. Dort erreichte er natürlich am Sonntag niemanden. Am Montag habe er sich durch rund 15 Büros telefoniert, wie er sagt. Keiner konnte ihm weiterhelfen. Dabei ist die Stadt die zuständige Behörde, wie Vanessa Ludwig von der Fachstelle Wolf im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bestätigt. „Für die Begutachtung von geschädigten Nutztieren sind bis 31. Juli dieses Jahres die Landkreise oder kreisfreien Städte zuständig“, schreibt sie auf SZ-Anfrage. Diese Zuständigkeit gebe es seit 2008, Mitarbeiter wurden zur Erkennung von Wolfshinweisen geschult. Ab 1. August übernimmt die Fachstelle Wolf die Verantwortung.

„Ich habe den Kadaver vor Ort gesichert. Es wäre doch wichtig, an ihm nach DNA-Spuren zu suchen, um herauszufinden, aus welchem Rudel der Wolf oder die beiden stammen“, sagt Päperer. Doch dafür ist es wahrscheinlich längst zu spät. Nach Aussage von Vanessa Ludwig können DNA-Proben nur innerhalb von 24 Stunden genommen werden, weil sich das genetische Material ansonsten schon zersetzt hat und nicht ausgewertet werden kann. „Grundsätzlich werden im Freistaat Sachsen genetische Proben bei Nutztierübergriffen nicht für die Schadensermittlung hinzugezogen, da die Begutachtung der vorgefundenen Risssituation und der geschädigten Tiere alleine Hinweise darauf ergeben, ob ein Wolf als Verursacher ausgeschlossen werden kann oder nicht“, schreibt sie.

Robert Päperer geht es aber in dem Fall überhaupt nicht um eine Entschädigung. „Meine Schafe standen auf einer umzäunten Weide, aber ich habe keinen Strom darauf gehabt“, sagt er. Vielmehr wolle er Klarheit, ob es ein Wolf war. „Ich bin überzeugt davon. Alle Spuren deuten darauf hin“, sagt er. Schade sei, dass es in der Stadt offenbar niemanden interessiere.

Päperer hat die Fußspuren des Angreifers gesichert und fotografiert.
Päperer hat die Fußspuren des Angreifers gesichert und fotografiert. © Robert Päperer

Dass es im Hochland Wölfe gibt, können einige Beobachter bestätigen.  So wurden mehrere einzelne Wölfe gesehen, aber auch eine Fähe mit zwei Jungtieren. Bereits in vorigen Jahren gab es Hinweise auf Wölfe in Weixdorf und in der Heide. Ein Schafsriss ist noch nicht bekannt.

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Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen will sich am Dienstag persönlich darum kümmern, dass Robert Päperer die richtigen Ansprechpartner bekommt. „Das ist eine wichtige Sache für uns“, sagt sie und schiebt Päperers Telefonmarathon auf die Urlaubszeit. Nach Umstrukturierungen im Land müsse auch die Stadt nachziehen und Verantwortliche für den Wolf finden.

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