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Wasserverbrauch wird per Hand erfasst

Jährlich müssen Hausbesitzer den Zählerstand an die Weißeritzgruppe melden - per Postkarte. Ist das noch zeitgemäß?

Klaus Kretzschmar in Tharandt an der Wasseruhr in seinem Haus. Er muss die Daten per Post übermitteln.
Klaus Kretzschmar in Tharandt an der Wasseruhr in seinem Haus. Er muss die Daten per Post übermitteln. © Egbert Kamprath

Diese Übung machen 24.000 Hausbesitzer in der Weißeritzregion jedes Jahr ein- oder sogar zweimal: Sie bekommen Post von der Wasserversorgung Weißeritzgruppe. Dann müssen sie in den Keller gehen, ihre Wasseruhr ablesen und das Ergebnis in eine Postkarte eintragen. Die transportiert die Post zurück zur Wasserversorgung. In manchen Orten wie Dippoldiswalde, Glashütte oder Kreischa müssen die Bürger das noch ein weiteres Mal im Jahr machen. Sie bekommen die gleiche Post auch noch einmal von ihrem Abwasserbetrieb, gehen in den Keller, lesen ab, füllen aus ...

Ein zeitgemäßes Kundenportal fehlt

Klaus Kretzschmar aus Tharandt wundert sich über dieses Verfahren aber sehr. „Diesem Unternehmen ist es bis heute scheinbar nicht möglich, ein zeitgemäßes Kundenportal einzurichten“, stellt er nach dem jüngsten Brief der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH fest. Er würde das Ergebnis seiner Zählerablesung dem Wasserversorger gerne auf elektronischem Weg mitteilen - und keine Postkarte schicken. Aber die Weißeritzgruppe schreibt schon in ihrem Brief, „dass die Übermittlung der Zählerdaten per Fax oder E-Mail keine Berücksichtigung finden kann, weil die Übertragung der Zählerstände in das Abrechnungsystem dann per Hand erfolgen muss und somit erheblichen Zusatzaufwand verursacht.“ 

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Kretzschmar, der als Bauingenieur gearbeitet hat und im Projektmanagement tätig war, versteht das nicht. „Warum kann man das nicht in ein ordentliches digitales Formblatt eintragen? Das würde doch Ressourcen sparen“, sagt er. Er hat auch einen familiären Hintergrund, der ihn aufgeschlossen macht für moderne technische Lösungen. Sein Sohn arbeitet bei Google in Zürich, erzählt er.

Frank Kukuczka, Geschäftsführer der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH, sagt dazu: „Wir haben uns mit dem Thema schon intensiv befasst. In unserer Situation würde es aber Mehrkosten bringen.“ Er geht davon aus, dass viele, gerade auch ältere Hauseigentümer in der Weißeritzregion, ein elektronisches Meldeverfahren nicht nutzen würden. Damit müssten zwei Systeme parallel laufen, das bisherige mit den Ablesekarten und ein neues übers Internet. „Das können sich große Stadtwerke leisten, wo sich die Kosten auf mehrere hunderttausend Kunden verteilen und auch noch Strom und Gas damit erfasst werden. Für uns mit rund 24.000 Kunden wäre das unwirtschaftlich“, sagt Kukuczka. Den Aufwand für die Kunden hält er für vertretbar. Die Wasseruhr ablesen und das Ergebnis eintragen müssen sie in beiden Fällen. Beim herkömmlichen Verfahren müssen sie eben noch die Karte in den Postkasten stecken. „Das ist zumutbar“, meint der Geschäftsführer.

Abwasserbetriebe verlangen Zusatzarbeit

Das Verfahren mit den Karten läuft dann auch effizient. Die kommen auf einen Stapel, der automatisch eingescannt wird und das Rechnungssystem erstellt mit den Daten sofort die Wasserabrechnung. „Wenn wir da Eingaben aus Faxen oder E-Mails bekämen, müssten wir die von Hand eingeben. Das ginge nicht so unkompliziert“, sagt Kukuczka.

Für die Abrechnung arbeitet die Weißeritzgruppe mit der Firma Dresden IT zusammen, einem Tochterunternehmen der Technischen Werke Dresden. Das ist darauf spezialisiert, für öffentliche Einrichtungen wie Städte, Verkehrs- oder Versorgungsunternehmen Computerlösungen anzubieten. Zu seinen Kunden gehören auch die Enso, die Verkehrsgesellschaft Meißen und viele Bereiche der Stadt Dresden.

Dass viele Hausbesitzer sogar zweimal im Jahr ihren Wasserzähler ablesen müssen, ist eine Entscheidung der jeweiligen Abwasserbetriebe. Die Wasserversorgung kann ihnen  ohne Probleme die Daten aus ihrer Ablesung zur Verfügung stellen. Aber sie muss natürlich auch ihre Kosten dafür berechnen, erklärt Kukuczka. Und dabei geht es nicht nur um die Aktion der Datenerfassung, sondern sie stellt auch einen Teil der Zählerkosten in Rechnung. Immerhin muss der ja auch alle sechs Jahre getauscht und neu geeicht werden. Die Abwasserbetriebe, die es vorziehen, ihre Kunden noch ein zweites Mal ablesen zu lassen, nutzen den Zähler quasi umsonst mit. Dem Bürger könnte es egal sein, ob er die Zählerkosten alleine mit dem Trinkwasser oder einen Anteil auch mit dem Abwasser bezahlt. Aber die Versorger könnten ihnen einen unnötigen Weg ersparen, wenn sie sich in diesem Punkt einigen würden.

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