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Görlitz

Ist die kleine Wölfin blind?

Die Spekulationen über das Tier im Tierpark schießen ins Kraut. Sicher ist nur, der Welpe ist noch in Görlitz.

Der Wolfswelpe sorgte nach seinem Auffinden für Schlagzeilen.
Der Wolfswelpe sorgte nach seinem Auffinden für Schlagzeilen. ©  Screenshot Facebook

Der Alternative Bärenpark Worbis im thüringischen Eichsfeld ist eine gute Adresse, wenn Tiere nicht mehr in die freie Wildbahn zurückkehren können. Auch bei dem Wolfswelpen ist das unklar, der derzeit in der Quarantänestation vom Görlitzer Tierpark untergebracht ist. Deshalb fragten die Görlitzer Behörden vor einigen Tagen in Worbis an, ob der Welpe aufgenommen werden kann, falls eine Auswilderung nicht funktioniert. Das bestätigt eine Mitarbeiterin vom Bärenpark auf Nachfrage der SZ am Telefon. In der Einrichtung leben neben mehreren geretteten Bären ein Rudel Timberwölfe, die aus einer Privathaltung in Türkheim befreit wurden und ein männlicher Wolf aus dem Wildpark Klotten.

Gesundheitliche Einschränkungen

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Aufnehmen kann Worbis den Wolfswelpen aus dem Görlitzer Tierpark aber nicht, heißt es. Das sei nicht möglich. Neben dem Worbiser Bärenpark gibt es auch noch den Alternativen Wolf- und Bärenpark im Schwarzwald. Beide Anlagen gehören zur „Stiftung für Bären“, die sich gleichzeitig für Wölfe und Luchse stark macht. Geschäftsführer ist Rüdiger Schmiedel. „Der Welpe im Görlitzer Tierpark ist gesundheitlich eingeschränkt“, sagt er. Schmiedel habe in Telefonaten von den Behörden erfahren, das zugelaufene „Wolfskind“ leide an einer Augenerkrankung, die zur Erblindung führen könnte. „Vielleicht wurde der Welpe deshalb vom Muttertier verstoßen“, ist eine Vermutung des Experten. Ob der Welpe tatsächlich krank ist, möchte Vanessa Ludwig von der „Fachstelle Wolf“ des Freistaates gegenüber der SZ weder bestätigen noch dementieren.

Dafür aber kann sie versichern, dass das Tier keinesfalls sofort in die Freiheit entlassen wird, wie eine Zeitung in dieser Woche spekulierte. Da war die Rede davon, dass der Welpe „nun mutterseelenallein im Wald bei Burkau ausgesetzt“ werden würde. Das ist laut Ludwig aber gar nicht der Fall. Bei Burkau hatten Spaziergänger am Pfingstmontag das zutrauliche Tier gefunden. Der zu dieser Zeit etwa vier bis fünf Wochen alte Wolf war ihnen hinterhergelaufen. Das Lupus-Institut wurde informiert und brachte den Welpen in den Görlitzer Tierpark. Genetische Untersuchungen hatten bestätigt, das Tier ist tatsächlich ein Wolf. „Wir prüfen auch weiterhin verschiedene Optionen, wie es mit dem Tier weitergeht“, so Vanessa Ludwig. Bisher gebe es keine konkreten Festlegungen und ebenso wenig ein Zeitlimit, wie lange der weibliche Welpe im Tierpark in Quarantäne bleibt. Noch immer stünden verschiedene mögliche Optionen zur Auswahl. Das sind die Auswilderung oder die Unterbringung in einem speziellen Wildpark. Auch eine Tötung kann Vanessa Ludwig nicht gänzlich ausschließen. Der Stiftung-Geschäftsführer Rüdiger Schmiedel zeigt sich skeptisch bezüglich einer Auswilderung. Nicht nur die mutmaßliche Erkrankung, sondern auch der menschliche Kontakt würden ein solches Ansinnen schwer machen.

Ähnlicher Fall im Jahr 2012

Im Jahr 2012 wurde schon einmal ein junger Wolf vom Görlitzer Tierpark in die Freihit entlassen. „Dieser Wolf hatte 2011 einen Verkehrsunfall“, sagt Vanessa Ludwig. Der Bruch wurde behandelt, etwa vier Wochen blieb das Tier in Quarantäne. Der Wolf wurde mit einem Sender ausgestattet und bekam den Namen „Timo“. Später, so erinnert sich Frau Ludwig, gründete „Timo“ ein eigenes Rudel bei Großdubrau. Ein Jahr später allerdings war der Wolf nicht mehr nachweisbar. Was mit ihm passierte, ist laut Fachstelle Wolf unbekannt.

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Derweil ist auf der Internetseite der „Wolf-Auffangstation“ von Jos de Bruin aus Sonsbeck, einer Stadt westlich von Wesel am Niederrhein, zu lesen, dass „dringend Spenden für den Bau eines weiteren Geheges für Notaufnahmen“ benötigt werden. De Bruin hatte das Foto des Burkauer Wolfswelpen auf Facebook in Umlauf gebracht. Mit dem Bild hatten sich die Finder bei ihm gemeldet. Ob der Spendenaufruf auf de Bruins Internetseite etwas mit dem Burkauer Findlingswolf zu tun hat, bleibt offen. Telefonisch war De Bruin für die SZ am Freitagvormittag nicht erreichbar gewesen.

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