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Ist diese Brücke nötig?

Wir brauchen das Ding nicht, behauptet ein Anwohner aus Görnitz. Repariert werden sollte die Brücke aber sowieso.

Von Heike Heisig
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Die Brücke im Görnitzgrund ist mit Geld aus dem Flutschadenfonds erneuert worden. Ein Anwohner hält das Bauwerk für überflüssig.
Die Brücke im Görnitzgrund ist mit Geld aus dem Flutschadenfonds erneuert worden. Ein Anwohner hält das Bauwerk für überflüssig. © Dietmar Thomas

Leisnig/Görnitz. Zwischen den Leisniger Ortsteilen Fischendorf und Görnitz gibt es wieder einen Brückenschlag. Das hat Dirk Czaja bemerkt, der in Görnitz wohnt. Ein wenig verwundert ihn diese Reparatur schon, wie er als Gast der Stadtratssitzung im Dezember sagte. „Wir brauchen das Ding nicht“, sagte er. 

Das Geld dafür sei aus seiner Sicht hinausgeschmissen. Daher wollte er wissen, wer dafür zahle. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass der Bau damit begründet wird, dass es bei Hochwasser einen weiteren Weg aus Fischendorf gibt. „Wer sich auskennt, weiß, das ist Quatsch. Es gibt auch einen Weg über Zollschwitz“, sagte er. Czaja deutete an, dass durch den Neubau der Verkehr in den Orten zunehmen könnte. Anderswo sei das auch der Fall gewesen.

Bauamtsleiter Thomas Schröder stellte daraufhin klar, dass die Reparatur an dieser Stelle nicht aus der Luft gegriffen ist. Es handele sich um die Beseitigung von Hochwasserschäden. Der Bedarf sei nach der Flut 2013 ermittelt und die Aufnahme in das entsprechende Förderprogramm bestätigt worden.

 „2014 haben wir mit der dortigen Teilnehmergemeinschaft im Flurneuordnungsverfahren zusammengesessen. Auch sie hatte vor, an dieser Brücke etwas zu tun“, so der Amtsleiter. Demnach sei die Instandsetzung auf der Grundlage aktueller Planungen und in Abstimmung mit der Flurneuordnungsbehörde erfolgt. Unnütze Vorhaben stünden weder dort noch bei der Kommune auf der Projektliste.

Auch wenn die Stadt die Schadensbeseitigung jetzt abgehakt hat, soll es so bleiben, dass die Wegeverbindung inmitten der Felder und die Brücke im Görnitzgrund ausschließlich für den Land- und Forstwirtschaftsverkehr freigegeben ist. „Das wird auch so ausgeschildert“, sagte Schröder. Selbstredend sei der Verkehrsweg aber auch für die Rettungsdienste wie Krankenwagen und Feuerwehr nutzbar.

Kontrollen sind denkbar

Ob sich die Kraftfahrer wirklich an die ausgeschilderten Regeln halten, könne kontrolliert werden. Allerdings nicht von den Vollzugsbediensteten der Stadt, die nur für den ruhenden Verkehr zuständig seien, sondern von den Beamten der Polizei. „Grundsätzlich gehen wir aber davon aus, dass jeder Kraftfahrer die Verkehrszeichen lesen kann und sie beachtet“, so der Amtsleiter.

Gleichwohl gab er zu, dass es nach ähnlichen Bauprojekten tatsächlich Beschwerden gegeben hat, dass auf ausgebauten Wegen der Durchgangsverkehr zunimmt, obwohl die Nutzung Land- und Forstwirten vorbehalten sein soll.

 „Das trifft zum Beispiel auf eine Straße nach Meinitz zu“, sagte Schröder. Sollte sich das nicht ändern, werde die Kommune überlegen, ob sie Poller aufstellen soll, zu denen nur diejenigen den Schlüssel bekommen, für die die Wege hergerichtet sind. Von vornherein soll das aber nicht passieren.

Das Beseitigen der Hochwasserschäden an der Brücke zwischen Fischendorf und Görnitz haben die Stadträte bereits Ende Mai vergangenen Jahres beauftragt. Die Arbeiten haben die Mitarbeiter der Firma Schneider HTS aus Geringswalde erledigt. Sie gab mit rund 138 000 Euro das wirtschaftlichste Angebot ab. Die Kosten werden vollständig aus dem Flutschadensbeseitigungsfonds getragen, den Bund und Land nach 2013 aufgelegt hatten.

Die Arbeiten im Görnitzgrund gehören mit zu den letzten, die zu erledigen sind. Rund 100 größere und kleinere Flutschäden hat die Stadt Leisnig nach dem letzten Hochwasser angemeldet. Derzeit laufen überwiegend noch Reparaturen, die im Zusammenhang mit der Schadensbeseitigung an Abwasserkanälen anstehen. Derartige Baustellen befinden sich beispielsweise auf dem Schlossberg oder im Bereich der Eintracht. 

Über den Jahreswechsel wurden überwiegend Pausen eingelegt. Mit dem Straßenbau kann es dann erst weitergehen, wenn die Mischwerke wieder arbeiten. Auf dem Schlossberg ist in einem zweiten Abschnitt noch ein gutes Stück Kanalbau zu erledigen. „Das geht auch, wenn ein paar Grad Minus sind“, sagte Bürgermeister Tobias Goth (CDU).