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Pegida: Machen Gegner zu viel Krach?

Nach Beschwerden und Abbruch-Drohungen bei Pegida-Veranstaltungen, wird erfasst, wie viel Lärm bei den Gegen-Demos entsteht.

Die Polizei misst seit einigen Wochen die Lautstärke bei Pegida und den Gegnern.
Die Polizei misst seit einigen Wochen die Lautstärke bei Pegida und den Gegnern. © Christoph Springer

Dresden. Die Pegida-Veranstalter sind zunehmend genervt von ihren Gegnern. Mehrfach wurde angedroht, Anzeige zu erstatten, Versammlungsleiter Wolfgang Taufkirch hatte auch mehrmals angekündigt, abzubrechen.

Stein des Anstoßes: Die Gegendemonstranten seien zu laut. Andersherum behauptet Pegida, von ihren Reden sei zu wenig zu hören. Da der Inhalt meist nur wenig variiert, für die Teilnehmer ein erträglicher Verlust, sofern es ihn denn gibt.

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Trommeln gegen Pegida

Seit einigen Wochen schreiten Polizeibeamte mit Schallpegel-Messgeräten die Fronten ab. Der Messer raunt seinem Kollegen dann in Abständen Zahlen zu. Es werden die Dezibel gemessen und dokumentiert, also die Lautstärke der Demonstranten.

Die Gegendemonstranten werden häufig von der "Banda Comunale" und der Trommel- und Samba-Combo "Rhythms of Resistance" unterstützt. Gelegentlich wird auch auf Töpfe eingedroschen, um laut zu zeigen, das Pegida unerwünscht sei.

Wie laut darf eine Gegendemo sein?

Doch was hat es mit diesen Lärmmessungen genau auf sich? Gibt es eine Grenze, wie laut die Gegendemo sein darf? Drohen gar Strafen für Störer? Die Dresdner Polizei teilt dazu nur mit, dass sie auf Bitte der Stadtverwaltung die Messungen erhebt und dokumentiert. Ansonsten wird auf die Stadt verwiesen. 

Aus dem Ordnungsamt wird das so erklärt: "Die Polizei unterstützt die Versammlungsbehörde bei der Dokumentation objektiver Messwerte, wenn beispielsweise bei wiederkehrenden Versammlungen unter freien Himmel es zu Beschwerden der Anlieger wie Gastronomie, Gotteshäuser  oder anderer Versammlungsveranstalter kommt."

Also scheint es Beschwerden gegeben zu haben, wie eben die von Taufkirch, deshalb wird gemessen. "Die so ermittelten Werte sind mithin Thema bei den Kooperationsgesprächen und dienen auch als Argumentation, wenn beispielsweise im Einzelfall Mindestabstände verfügt oder die Benutzung von Lautsprechertechnik untersagt oder zeitlich eingeschränkt werden", heißt es dazu nichtssagend aus dem Rathaus. Eine gesonderte Statistik werde aber nicht geführt.

Gemessene Werte werden nicht veröffentlicht

Auch auf Nachfrage wird das Ordnungsamt nicht konkreter. "Es gibt objektive Messwerte. Diese sind auch Thema bei den Kooperationsgesprächen", heißt es nur kurz angebunden. Die gemessenen Werte werden aber nicht öffentlich gemacht.

Völlig unklar wird es, wenn die Betroffenen gefragt werden. Rita Kunert ist regelmäßige Anmelderin der Gegendemos. "Mir wurde gesagt, die trommeln stören die Polizeibeamten. Aus Arbeitsschutzgründen werde deshalb gemessen, wie laut es ist." Trommeln seien nun mal laut. "Dafür sind sie ja gemacht", so Kunert.

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Mysteriös ist allerdings, dass Kunert sagt, anders als das Ordnungsamt: "Die Messungen  waren bisher nie Thema bei den Kooperationsgesprächen." Diese führt die Versammlungsbehörde des Ordnungsamtes mit allen Demo-Anmeldern. "Es hat uns auch noch niemand von der Behörde Messwerte übermittelt oder gesagt, wir seien zu laut." Die Polizei weise Kunert aber immer darauf hin, dass der Lautsprecher des Begleitwagens aus sein muss, wenn bei Pegida auf der Bühne gesprochen wird. "Daran halten wir uns."

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