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Ist Großenhain schon reif für ein Leitbild?

Vier Ideenwerkstätten gab es letzte Woche. Bisherige Erkenntnisse wurden bestätigt, neue Themen kamen hinzu. Ein Trend kristallisiert sich heraus: citta-slow.

Vorschläge und Wünsche für das künftige Großenhain wurden bei den vier Ideenwerkstätten für ein "Leitbild 2030" vergangene Woche diskutiert. GMA-Niederlassungsleiter Dr. Eddy Donat versuchte, die Positionen zu koordinieren.
Vorschläge und Wünsche für das künftige Großenhain wurden bei den vier Ideenwerkstätten für ein "Leitbild 2030" vergangene Woche diskutiert. GMA-Niederlassungsleiter Dr. Eddy Donat versuchte, die Positionen zu koordinieren. © Kristin Richter

Großenhain. "In Großenhain ist auffällig, dass die Einheimischen ihre Stadt kritischer sehen als Umlandbewohner. Und damit sind nicht nur Menschen aus den Ortsteilen, sondern auch von weiter her gemeint." Dr. Eddy Donat, Leiter der Dresdner Niederlassung der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA), sagte dies im Sommer 2019 - und ist bei den jüngsten Ideenwerkstätten zum "Leitbild Großenhain 2030" bestätigt worden. 

Vier illustre Runden trafen sich vergangene Woche zu einzelnen Themenkreisen. Menschen mit ganz unterschiedlichen Ansichten, Wünschen, Ansprüchen an ihre Heimat. Mit streitbaren Meinungen, manchmal auch skeptisch. 

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"Man hat gespürt, dass sich die Großenhainer Gedanken um die Zukunft ihrer Stadt machen", fasst Rathaussprecherin Diana Schulze zusammen. Nach anfänglicher Zurückhaltung seien in den Gruppen interessante Gespräche in unterschiedlichen Zusammensetzungen zustande gekommen.  "Stadtgespräche" eben.

Der Anspruch für ein Leitbild ist hoch. Seit anderthalb Jahren wird darüber debattiert. In diversen Etappen kamen weit über 1.500 Wortmeldungen zusammen. "Wir haben vieles bestätigt bekommen, was schon vorher diskutiert wurde", fasst Eddy Donat die jüngsten Ideenwerkstätten zusammen. Insgesamt sei man in einer "guten Position", die jetzt verfeinert werden müsse. 

Aber es habe sich auch gezeigt, dass bei vielen Details noch mehr Emotionen eingebracht werden könnten seitens der Großenhainer. Und es müsse "noch Einiges in die Köpfe", um beispielsweise den Gedanken zu verinnerlichen, dass Gemeinsamkeit eins der wichtigsten Kriterien ist. Am Beispiel des Einzelhandels wurde dies deutlich. Sehr wohl scheint es erforderlich, über Für und Wider einer verkehrsfreien Innenstadt zu sprechen und sich für eine Lösung stark zu machen. 

Das, so Eddy Donat, müsse aber in Vereinen wie "Großenhain aktiv" passieren, in denen das Rathaus ja vertreten ist. Die Einheit von historischen Vorzügen und dem Erhalt des Branchenmix - das könnte durchaus der Weg zu einer lebendigen Innenstadt sein.

Dass Großenhain sich selbst ein Leitbild erstellen möchte, sei überfällig. "Die Stadt ist mehr als reif dafür", ist sich der GMA-Fachmann sicher. Der Rahmen scheint gesetzt. "Citta slow".

 Also "eine Stadt, in der Menschen leben, die neugierig auf die wieder gefundene Zeit sind, die reich ist an Plätzen, Theatern, Geschäften, Cafés, Restaurants, Orten voller Geist, ursprünglichen Landschaften, faszinierender Handwerkskunst, wo der Mensch noch das Langsame anerkennt, den Wechsel der Jahreszeiten, die Echtheit der Produkte und die Spontanität der Bräuche genießt, den Geschmack und die Gesundheit achtet".

 Eine Bewegung, die sich 1999 in Italien gründete, inzwischen auch als Verein auftritt. Nur wenige deutsche Städte gehören ihr bislang an. "Großenhain wäre die erste Stadt in Mitteldeutschland, die diese Marke nutzen würde", sagt Eddy Donat. Viele der entsprechenden Kriterien dafür würden bereits erfüllt.

Diana Schulze sieht im Nachgang zu den Ideenwerkstätten "viel Potenzial, um die Menschen zu verbinden". Der gerade veröffentliche neue Image-Film, eine ebenso frische Imagebroschüre der Stadt dokumentieren dies auch für Nicht-Großenhainer. Im Leitbild das Besondere, etwaige Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten, ist ein hoher, aber machbarer Anspruch. "Wir werden noch gut zu tun haben", ist die Rathaussprecherin überzeugt.

Die nächsten Schritte des Prozederes sind klar. Dr. Eddy Donat und seine Mitarbeiter werden die Ergebnisse der Ideenwerkstätten jetzt zusammenfassen und dokumentieren. Für den Sommer ist für einen kleinen Kreis ein Besuch in einer Stadt ins Auge gefasst, die bereits zu "citta-slow" gehört . 

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