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Ist Korch gegen Corona gerüstet?

Der Fall Tönnies hat eine deutschlandweite Debatte ausgelöst. Der Radeberger Fleischproduzent Korch sieht große Unterschiede zum Riesen im Westen.

Korch gehört zu den eher kleineren Betrieben der Fleischbranche. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben bisher gut durch die Krise gekommen.
Korch gehört zu den eher kleineren Betrieben der Fleischbranche. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben bisher gut durch die Krise gekommen. © Archivfoto: Willem Darrelman

Radeberg. Im Schlachtbetrieb von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück haben sich mehr als 1.400 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Seit mehreren Wochen ist das Werk geschlossen. Der Kreis Gütersloh wurde stillgelegt, die nordrhein-westfälische Landesregierung ordnete zwischenzeitlich einen Lockdown an. Der Corona-Ausbruch hat deutschlandweit eine Debatte über die Zustände in der Fleischindustrie ausgelöst. In Radeberg hat der Fleisch- und Wurstwarenproduzent Korch seinen Sitz. Mit einem Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro ist er ein eher kleineres Unternehmen im Vergleich zu Tönnies mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro im Jahr. Wie ist Korch gegen Corona gerüstet?

Gab es bei Korch in Radeberg bereits Corona-Fälle?

Viele Mitarbeiter eng beieinander in geschlossenen Räumen, das hat wohl die Ausbreitung des Coronavirus bei Tönnies begünstigt. Korch in Radeberg hat rund 200 Mitarbeiter. Das sind wesentlich weniger als der Branchenriese mit rund 15.000 Beschäftigten. Nach Angaben von Ralf Ludewig, Marketingleiter bei Korch, hat es in dem Unternehmen bisher keinen Corona-Infizierten gegeben.

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Wie sind die Arbeitsbedingungen?

Auch hier ist der Unterschied zu Tönnies groß. "Wie man in Fernsehbildern gesehen hat, wird bei der Zerlegung der Tiere dicht an dicht gearbeitet. Das ist bei uns nicht der Fall", sagt Ralf Ludewig. In der Zerlegeabteilung bei Korch arbeiten nach seinen Angaben sechs bis sieben Beschäftigte in einem etwa 150 Quadratmeter großen Raum. "Dort können sie ausreichend Abstand halten."

Wer arbeitet bei Korch?

Kritisiert wird bei Tönnies auch, dass die vielen Beschäftigten über Subunternehmer angeheuert werden und teils in prekären Unterkünften wohnen. "Das gibt es bei uns nicht. Unsere Mitarbeiter sind auch bei uns angestellt", sagt Ralf Ludewig. Ein Teil der Mitarbeiter kommt aus Polen, Tschechien und der Slowakei. Sie wohnen in privaten Unterkünften. "Sammelunterkünfte sind keine vorhanden." Diese Mitarbeiter leben während ihrer Arbeitswochen in Radeberg und der Umgebung. An Wochenenden oder arbeitsfreien Tagen fahren sie zu ihren Familien in der Heimat. "Während der Schließung der Grenzen zu Polen und Tschechien sind sie meist hiergeblieben. Das waren ja acht bis neun Wochen. Das war für diese Mitarbeiter eine lange Zeit, dennoch sind sie dem Unternehmen treu geblieben. Das ist für uns der Beweis, dass sie gerne hier arbeiten", sagt der Marketingleiter.

Woher bezieht Korch das Fleisch?

Den Großteil des Fleisches für Korch kommt aus einem Schlachtbetrieb bei Nürnberg. "In der näheren Umgebung gibt es keinen Anbieter, der eine solche Menge liefern kann, wie wir sie benötigen." Derzeit sind es etwa 40 Tonnen pro Woche. Laut fleischwirtschaft.de liegt die Schlachtkapazität bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück bei rund 3.000 Tonnen pro Tag.

Mit welchen Hygienemaßnahmen schützt sich Korch?

In der Lebensmittelindustrie sind die Hygienestandards ohnehin sehr hoch. Bei Korch wird nach Angaben von Ralf Ludewig in der Fleisch- und Wurstproduktion nur mit Mundschutz gearbeitet. "Quasi an jeder Tür haben wir Desinfektionsmittel stehen. Kein Mitarbeiter kann in die Produktion oder aus ihr heraus gelangen, ohne sich zu desinfizieren."

Verkauft Korch weniger Fleisch und Wurst?

Beim Absatz gibt es bisher kaum Veränderungen. "Unser Eindruck ist, wer bisher Fleisch und Wurst gegessen hat, macht das auch weiterhin. Allerdings fragen jetzt die Kunden in unseren Filialen gezielter nach, woher das Fleisch kommt, was wir gegebenenfalls anders machen als andere Hersteller. Also, die Kunden sind schon sensibler für das Thema geworden. Sie kaufen jetzt bewusster ein", sagt der Marketingleiter.

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