merken
PLUS

Sachsen

Ist Sachsen gegen Corona gerüstet?

Das Virus hat nun auch den Freistaat erreicht. Das Gesundheitsministerium sieht sich vorbereitet. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine Sanitäterin verlässt ein Zelt, das vor der Notaufnahme eines des Krankenhauses aufgebaut wurde.
Eine Sanitäterin verlässt ein Zelt, das vor der Notaufnahme eines des Krankenhauses aufgebaut wurde. © Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa (Symbolbild)

Aus Verdacht ist Gewissheit geworden. Das Coronavirus hat Sachsen erreicht, ein Rentner aus Dippoldiswalde hat sich bei einer Italienreise mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Der 67-Jährige befindet sich zu Hause in Quarantäne, 17 Kontaktpersonen des Infizierten werden noch getestet. Das kann helfen, doch die Erfahrung zeigt, dass sich ein breiterer Ausbruch schwer verhindern lässt. Wie gut ist Sachsen auf Corona vorbereitet? Ein Überblick.

Was hat Sachsen im Fall der Pandemie geplant?

Der letzte Pandemieplan der Landesregierung stammt von 2016 und bezieht sich auf Influenza. Der Plan ist aktualisiert worden, am Donnerstag veröffentlicht das Gesundheitsministerium ihn. Er wird einen sachsenspezifischen und einen allgemeingültigen Teil enthalten. Wenn die Weltgesundheitsorganisation den Pandemiefall ausrufen sollte, tritt er in Kraft. 

Anzeige
Werbekampagne soll Busfahrern helfen

Barrierefreie Bahnsteige, Wendemöglichkeit für Busse und viel Grünfläche am Endhaltepunkt Leutewitz - diese Infos gibt es im neuen DVB Einsteiger.

>>> Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per Email. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden. <<<

Einer der Unterschiede zu Influenza besteht darin, dass Corona sich bislang nicht durch Impfung oder antivirale Medikamente bekämpfen lässt.

Wer hat sich im Freistaat auf Corona spezialisiert?

Dem Ministerium zufolge spricht man regelmäßig mit Stellen wie Gesundheitsämtern, Krankenhäusern, Ärzteschaft. Auf die Behandlung von Infizierten seien alle Kliniken vorbereitet. Sie könnten auch isolieren, wenn nötig. Spezielle Kapazitäten gebe es in den Städtischen und Unikliniken von Leipzig und Dresden. Auf Bundesebene wurde ein Krisenstab einberufen, auf Landesebene hält man das für „noch nicht notwendig“, außerdem wolle man die „eskalierende Wirkung“ vermeiden. 

Ein solcher Stab, dem auch die Polizei angehört, wurde etwa bei Hochwasser eingesetzt. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) zufolge hat stattdessen ein Koordinierungsstab die Arbeit aufgenommen, dem Ministerien, Vertreter von Ärzten, Apotheken, Städten und Gemeinden angehören.

Was macht Sachsen mit Infizierten?

Die allermeisten Coronainfektionen verlaufen dem Ministerium zufolge „mild und symptomfrei“, erfordern keine stationäre Behandlung. So lange es möglich ist, setzt man auf die Kontaktketten-Strategie: Alle Kontakte eines bestätigten Falls ermitteln, testen, zu Hause isolieren. Die Abriegelung von Regionen sei im Moment „schwer vorstellbar“, so Köpping. Das Erliegen gesellschaftlichen Zusammenlebens wolle man möglichst vermeiden. Als letztes Mittel schloss sie es am Dienstag aber nicht aus.

🔸 Unser Push-Service zum Coronavirus 🔸

Wie entwickelt sich die Lage weltweit und in Sachsen? Über unsere Push-Benachrichtigungen halten wir Sie über das aktuelle Geschehen in Sachen Coronavirus auf dem Laufenden. So abonnieren Sie den kostenlosen Push-Service. (Leider nicht kompatibel für iOS-Geräte.)

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind angemessen?

Reisende aus Risikogebieten wie Norditalien sollen im Fall von Grippesymptomen wie Fieber oder Husten Arzt, Krankenhaus oder Gesundheitsamt anrufen, aber erst nach Aufforderung persönlich vorbeikommen. Gleiches gilt für jene, die mit Risikoreisenden Kontakt hatten. Grippe-Symptome allein genügen nicht für einen Verdacht, Arztpraxen klagen darüber, dass sie durch die vielen Menschen überlastet seien, die ohne hinreichenden Verdacht getestet werden wollen. Zur Prävention gelten übliche Hygiene-Standards wie häufiges Händewaschen, Niesen in den Ellbogen oder die Einmal-Nutzung von Taschentüchern. Schutzmasken sind dagegen nicht sinnvoll, nur für Leute wie Krankenpflegepersonal, die im direkten Kontakt zu Infizierten stehen. Handelsübliche Masken schützen vor dem Virus kaum, wirksame Masken sind alltagsuntauglich. Um über Corona zu informieren, hat das Ministerium nun eine Hotline eingerichtet.

Wer zahlt in Sachsen für den Schaden durch Arbeitsausfälle?

Krankenkassen tragen die Kosten während der Krankschreibungszeit. Wenn keine ärztliche Behandlungsanordnung erfolgt ist, das Gesundheitsamt aber ein Tätigkeitsverbot oder Quarantäne-Auflagen ausspricht, tritt das Infektionsschutzgesetz in Kraft. Der Arbeitgeber zahlt, kann aber die Erstattung aus Landesgeldern über die Landesdirektion Sachsen beantragen. Wer aus eigener Entscheidung zu Hause bleibt, erhält keine Entschädigung.

Müssen Veranstaltungen ausfallen oder öffentliche Einrichtungen schließen?

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Corona: RKI stellt neue "Datenspende"-App vor

Deutschlands Nachbarn lockern Regeln, Englands Premier auf Intensivstation, fast 3.100 Corona-Infizierte in Sachsen: unser Newsblog.

Symbolbild verwandter Artikel

Corona: Zahl der Infizierten steigt wieder an

Derzeit sind 214 Menschen im Landkreis infiziert. Das ist ein leichter Zuwachs. Doch auch immer mehr Personen sind wieder gesund. Die Entwicklung im Ticker.

Symbolbild verwandter Artikel

Mittelsachsen freiwillig in Corona-Isolation

Veranstaltungen abgesagt, keine Dienstreisen, 400 Anrufe täglich im Gesundheitsamt - dabei gibt es im Kreis noch keinen nachgewiesenen Corona-Fall.

Symbolbild verwandter Artikel

Corona-Lage im Landkreis stabil 

Bisher bleibt es bei einem Infizierten im Osterzgebirge. Doch es stehen noch Proben von Menschen mit Symptomen aus.

Symbolbild verwandter Artikel

Coronavirus: Italienreise führt in die Quarantäne

Seit Jahren fährt eine Reisegruppe aus Sachsen nach Südtirol. Dieses Mal kam alles anders als gedacht. Sächsische.de sprach mit dem Reiseleiter.

Symbolbild verwandter Artikel

Coronavirus: Zehn Stunden Ungewissheit

Am Freitag wurden vier Patientinnen wegen Virus-Verdacht in einer Görlitzer Arztpraxis eingeschlossen. An Alltag war nicht mehr zu denken.

Das, so das Ministerium, liege im Ermessen der Landkreise und kreisfreien Städte. Sie wägen nach Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts ab. Viele Großveranstaltungen wie Messen oder Wettbewerbe wurden abgesagt. Den Vorschlag des Hallenser Virologen Alexander Kekulé, zwei Wochen Coronaferien einzulegen, hält das Ministerium im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenlebens für „nicht machbar“.

>> Abonnieren Sie den täglichen Newsletter "Politik in Sachsen - Die Morgenlage". Damit sind Sie immer bestens über das Geschehen in Sachsen informiert.<<