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Ja-Wort zwischen Weide und Apfelbaum

Im Landhotel Erbgericht in Tautewalde sind jetzt Trauungen im Freien möglich. Das gibt es im Landkreis nirgendwo anders.

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Von Katja Schäfer

Der alte Apfelbaum applaudierte mit einem zarten Blätter-Rauschen; die große Weide raschelte leise im lauen Sommerlüftchen, als sich Jana und Hagen Worbs das Ja-Wort gaben. Sie haben das mitten im Grünen getan; auf der Wiese hinter dem Landhotel Erbgericht in Tautewalde. Das Paar aus Speyer am Rhein in Rheinland-Pfalz war das erste, das diese neue Möglichkeit genutzt hat.

Erst seit kurzem sind auf dem Gelände des Hotels standesamtliche Trauungen unter freiem Himmel möglich. Den dafür notwendigen Beschluss hatte der Wilthener Stadtrat Anfang dieses Jahres gefasst. Der Garten vom Tautewalder Erbgericht ist damit eine der wenigen Stellen in Sachsen, wo Paare sich im Freien das Ja-Wort geben können. Hotel-Chef Enrico Schulz weiß nur von drei weiteren Orten, zum Beispiel Bad Schandau. „Im Landkreis Bautzen bietet das bisher keine andere Stadt oder Gemeinde an“, sagt er. Der Anstoß dazu kam von einem Paar, das gern draußen getraut werden wollte. Es fragte im Wilthener Standesamt an, ob im Garten vom Tautewalder Erbgericht diese Möglichkeit geschaffen werden könnte.

Jana und Hagen Worbs haben von dieser Initiative profitiert. Die 36-Jährige und ihr sechs Jahre älterer Mann wollten ohnehin in Tautewalde heiraten. Die Festscheune des Hotels ist schon seit sieben Jahren als Trauort gewidmet. „Als wir erfuhren, dass dort jetzt auch Outdoor-Hochzeiten möglich sind, haben wir uns in den Gedanken verliebt, die Ersten zu sein. Seitdem haben wir immer auf schönes Wetter für unseren großen Tag gehofft“, erzählen Jana und Hagen Worbs. Sie hatten Glück. Aber Sonnenschein ist nun mal so ziemlich das Einzige, was bei einer Hochzeit nicht vorbestellt werden kann. Deshalb muss an Orten, die Trauungen im Freien anbieten, immer eine Ausweichmöglichkeit vorhanden sein. Die hat das Erbgericht mit der Festscheune. „24 Stunden vor der Trauung schauen wir zusammen mit der Standesbeamtin auf die Wetterkarte und entscheiden dann gemeinsam mit dem Paar, ob die Zeremonie draußen oder drin stattfindet“, berichtet Enrico Schulz. Bisher hat das Wetter immer gepasst. Drei Paare haben sich schon im Garten des Erbgerichts das Ja-Wort gegeben – unter dem extra dafür angeschafften Hochzeits-Pavillon. Denn laut Gesetz dürfen die Standesbeamten und die Paare auch bei einer Trauung, die draußen stattfindet, nicht direkt unter freiem Himmel stehen, erklärt der Hotel-Chef.

Alle drei Hochzeitsgesellschaften, die bisher den Garten vom Erbgericht genutzt haben, feierten nachher auch im Landhotel. „Aber das ist nicht Pflicht“, betont Enrico Schulz. Familie Worbs, zu der die dreijährige Alina Fenya gehört, hat es mit ihren Gästen getan und ist rundum zufrieden. „Unsere Hochzeit ist genauso abgelaufen, wie wir sie uns gewünscht und langfristig detailliert geplant haben. Unsere Wünsche wurden zu jeder Zeit umgesetzt. Es war alles top“, schwärmt das Paar. Er stammt aus Görlitz, sie aus Zittau. „Obwohl wir beide an der Hochschule in Zittau studiert haben, lernten wir uns erst 2005 im ,Westen’ kennen, nachdem wir beide berufsbedingt vor über zehn Jahren die Oberlausitz verlassen mussten“, erzählt Hagen Worbs. Heiraten wollte das Paar in der alten Heimat und in der Nähe der Familien.

Genau wie Enrico Schulz findet auch Yvonne Steglich die Trauungen im Freien „eine schöne Sache und eine gute Ergänzung zum bisherigen Angebot“. Sie ist die zweite Standesbeamtin in Wilthen und hat kürzlich zum ersten Mal ein Paar draußen verheiratet. „Da war ich vorher ziemlich aufgeregt. Denn es ist doch ein etwas anderes Gefühl als in den vertrauten Räumen. Man hat ja auch andere Geräusche drum herum“, sagt die erfahrene Standesbeamtin. Doch im Wesentlichen herrscht im Garten des Erbgerichts idyllische Ruhe. Zwei große Gebäude schirmen ihn von der Straße ab. Und damit nicht gerade ein Zug auf der etwas entfernten Bahnstrecke vorbeirollt, wenn alle das Ja-Wort hören wollen, wird der Zeitpunkt der Trauung auf den Bahnfahrplan abgestimmt. Bei großen Hochzeitsgesellschaften kommt eine Mikrofonanlage zum Einsatz.

Die Nachfrage nach Trauungen im Freien ist groß, berichtet Yvonne Steglich. Enrico Schulz bestätigt das. Er geht davon aus, dass das Hotel-Team im nächsten Jahr sehr oft den Garten für die Zeremonie festlich herrichten wird. Das geschieht natürlich auch ganz nach den Wünschen der Hochzeitspaare. Wer im Tautewalder Erbgericht heiraten will, muss sich das rechtzeitig überlegen. „Zwischen Ende April und Ende September haben wir in der Regel jedes Wochenende eine Hochzeitsfeier. Dieses Jahr gibt es nur zwei Sonnabende, wo nichts ist“, freut sich der Hotel-Chef und empfiehlt Interessenten, sich ein Jahr vorher anzumelden. Es kann aber durchaus sein, dass die Nachfrage noch größer wird – jetzt wo Trauungen im Freien möglich sind, zwischen Apfelbaum und Weide.

Kontakte: Standesamt Wilthen, Bahnhofstraße 5,

03592 385413; Landhotel Erbgericht Tautewalde, Tautewalde 61, 03592 38300