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Corona: Wird es einen Jacobimarkt geben?

Volksfeste sind noch verboten. Auch betroffen: das Schissn. Der Organisator will trotzdem mit den Neugersdorfern feiern - wenn auch anders, als gewohnt.

Ein Bild aus dem vorigen Jahr: René Linke bespricht mit einem Schausteller die Lage in Vorbereitung auf den Jacobimarkt. Dieses Jahr findet das große Volksfest nicht in der Form statt.
Ein Bild aus dem vorigen Jahr: René Linke bespricht mit einem Schausteller die Lage in Vorbereitung auf den Jacobimarkt. Dieses Jahr findet das große Volksfest nicht in der Form statt. © Archivfoto: Rafael Sampedro

War das ein Hin und Her in den letzen Wochen! Immer wieder hat René Linke neue Ideen entwickelt, wie er den Jacobimarkt - das größte Volksfest in Ostsachsen - doch noch retten könnte. Mit fast 300 Jahren Tradition ist es wohl auch eines der ältesten Feste im Land. Gerade diese große Zahl ist es, die Organisator Linke schaudern lässt. "Der Jacobimarkt ist bis jetzt ein einziges Mal ausgefallen in dieser Zeit - wegen des Weltkriegs", sagt er. 

Nach verschiedenen Organisationsformen zeichnet Linke nun seit etlichen Jahren als Veranstalter verantwortlich. Die Stadt unterstützt ihn, stellt Flächen und Parkplätze zur Verfügung, kümmert sich um die Ausschilderung an den Zufahrtsstraßen und anderes Drumherum. Linke mietet die Flächen an, macht Verträge mit den Schaustellern, bestellt Sicherheitsleute und sorgt auch sonst dafür, dass alles läuft. In diesem Jahr aber läuft eben gar nicht viel. Das öffentliche Leben war wegen der Corona-Pandemie fast vollständig zum Erliegen gekommen. Erst langsam läuft nach schrittweisen Lockerungen vieles wieder an. Große Veranstaltungen, wie Volksfeste, bleiben aber verboten

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Schiss'n fällt aus, Sommerfest findet statt

Zunächst gab es ja sogar noch die Hoffnung, das Schiss'n könnte doch noch wie gewohnt stattfinden, wenn weitere Lockerungen kommen. Diese Aussicht ist mittlerweile längst passé. 

"Sommerfest am Jacobimarkt" - so wird der kleine Kompromiss nun heißen. Und er wird, im Vergleich zum normalen Jacobimarkt, wirklich winzig werden. Linke nutzt eine Fläche an der Zillestraße, die ihm selbst gehört und kein städtisches Areal ist. Es handelt sich dabei um einen Teil der Fläche, auf der sonst zum Schissn der Kinderpark platziert ist. Zu dem Zeitpunkt, wo sonst das Schissn stattfindet, allerdings nur über drei Tage, soll das Sommerfest hier stattfinden: vom 24. bis zum 26. Juli. 

Es ist nun das dritte Szenario aus Linkes Ideen-Kiste. Als das Aus für den "echten" Jacobimarkt feststand, hatte er zunächst einen temporären Freizeitpark über den üblichen Schissn-Termin Ende Juli im kleineren Rahmen geplant. Er hoffte, einen Teil der Jacobimarkt-Fläche nutzen und wenigstens das Riesenrad aufbauen zu können, ein paar Stände und Buden und einen kleinen Biergarten. Doch für diese Art des Marktes bekam er keine Genehmigung vom Landratsamt. Die Behörde muss sich an die geltenden Regelungen halten. Und die besagen: Jahrmärkte sind verboten. 

Und auch für die Stadt war die Sache klar. Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos): "Der Jacobimarkt hat hinsichtlich Inhalt, Zeitfenster und Gestaltung Tradition. Dazu gibt es keine Alternative", sagt die Bürgermeisterin. Das heißt: ein Mini-Schissn, wie es René Linke mit dem Freizeitpark geplant hatte, ist für die Stadt nicht denkbar gewesen. Ungeachtet dessen wolle man Angebote von Veranstaltern über den Sommer unterstützen, zum Beispiel den Kinoverein mit Open-Air-Kino auf dem Eiskeller. Schausteller haben außerdem die Möglichkeit, ihre Stände kostenfrei auf einigen ausgewählten Plätzen in der Stadt aufzustellen. Sie müssen nur Strom und Wasser bezahlen, aber keine Standgebühr. In Neugersdorf nutzt das zum Beispiel seit einigen Wochen ein Eisverkauf in der Nähe vom Marktplatz und Edeka. Die Regelung soll zunächst bis Ende August gelten, so Frau Hergenröder. 

Termin kritisch?

Linke hat derweil noch eine weitere Alternative parat - gewissermaßen einen "Plan C". Das ist eben das kleine Sommerfest auf seiner Privatfläche. Und diese Variante soll es nun werden. Da zieht auch die Stadt mit. Sie wird Stellflächen zur Verfügung stellen, für Besucher, die mit dem Auto kommen und sich um das Ausschildern der Parkplätze kümmern, wenn es nötig ist, bestätigt die Bürgermeisterin. "Und unser Ordnungsamt wird sicher an der Veranstaltungstagen im Einsatz sein und nach dem Rechten sehen", so die Frau Hergenröder. 

Denn, auch wenn die Stadt Linkes Vorhaben unterstützt, sieht sie gerade den Termin für das Sommerfest kritisch. "Nicht, dass manche Leute das falsch verstehen und denken, es sei doch ein richtiger Jacobimarkt."  

So sieht's jeden Sommer auf dem Jacobimarkt aus: Ein Blick vom Eiskeller auf den Festplatz.
So sieht's jeden Sommer auf dem Jacobimarkt aus: Ein Blick vom Eiskeller auf den Festplatz. © Archivfoto: Matthias Weber

Alle sind verunsichert

In den nächsten Wochen will Linke nun das kleine Sommerfest auf die Beine stellen. Zunächst gilt es, die nötigen Anträge zu stellen. Er geht davon aus, dass er die Erlaubnis bekommen wird - natürlich mit den allgemein geltenden Hygiene-Auflagen für alle Veranstaltungen. Auf Anregung der Stadt will er den Bismarckturm-Verein mit einbinden, er könnte das Denkmal an den Tagen für Besucher öffnen. Sie könnten dann auf den Turm steigen und die Aussicht genießen. Darüber hinaus will Linke auf seiner kleinen Festfläche Essen und Getränke anbieten. Was ihn dabei ärgert: "Keiner kann einem konkret sagen, was man eigentlich alles darf und was nicht. Alle sind verunsichert." 

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Die Frage, ob es auch mal einen Sommer ohne Jacobimarkt geht, ist auch in den sozialen Medien heiß diskutiert worden in den vergangenen Wochen. "Es wird schon auch mal ohne gehen", schreiben da manche. "Das können nur Zugezogene sagen!", entgegnen andere. 

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