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Jäger ärgern sich über den Wolf

Bei einer Infoveranstaltung kamen viele irrationale Befürchtungen und Ängste an die Oberfläche.

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Roberto Kniesche ist nach wie vor überzeugt, dass sein Hirschkalb einem Wolf zum Opfer fiel. „Das komplette Schulterblatt war herausgerissen“, sagt er. „So etwas bringt kein Fuchs fertig.“ Im Oktober hatte der Glaubitzer das tote Tier in seinem Damwildgehege in der Mitte vom Dorf gefunden. Seitdem grassiert in der Gemeinde die Wolfsangst. Die Naturschutzbehörde des Landkreises war nach einer eingehenden Untersuchung zwar zu dem Schluss gekommen, dass ein Wolfsriss eher unwahrscheinlich ist (SZ berichtete). Aber ganz als Übeltäter ausschließen, wollte das Amt Isegrim auch nicht. Müssen die Tierhalter in Glaubitz und Umgebung künftig ernsthaft mit Übergriffen rechnen, und wie kann man seine Hirsche, Schafe oder Ziegen zuverlässig schützen? Diese Fragen standen am Montagabend auf einer Infoveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus zur Debatte.

Experte beruhigt die Gemüter

Wolfsexperte Torsten Peters von der Unteren Naturschutzbehörde, der den Glaubitzer Fall untersucht hatte, versuchte die Gemüter der etwa 20 aufgeregten Bürger und Jäger zu beruhigen. Der Wolf stelle keine Gefahr für den Menschen und auch keine große für Nutztiere dar – sofern letztere ordentlich geschützt seien. Das Land Sachsen hat Richtlinien für Einzäunungen erlassen und fördert die Vorsichtsmaßnahmen zu 60 Prozent. Am wirkungsvollsten sind Elektrozäune, die mindestens 90 Zentimeter hoch sein müssen. Da sich die Wolfsrudel langsam, aber stetig nach Westen ausbreiten, wurde auch das Gebiet erweitert, in dem die Förderung greift. Es erfasst mittlerweile den gesamten Landkreis mit Ausnahme des Stadtgebietes von Riesa. Da die Wölfe sich bereits in der Königsbrücker und der Annaburger Heide heimisch fühlen, reicht das Fördergebiet bis fast vor die Tore Leipzigs. Über die Modalitäten der Entschädigung konnte Torsten Peters aber zur Enttäuschung der Glaubitzer keine Auskunft geben. Das ist Sache des Freistaates.

Es waren nicht so sehr die Landwirte, sondern eher die Jäger, die ihre Skepsis über die Ausbreitung der Wolfspopulation äußerten. Die Umgebung des Glaubitzer Waldes sei bis vor zwei Jahren ein Paradies für Rehe gewesen. Heute sehe man im Offenland kaum noch welche. Reagieren die Tiere schon auf durchziehende Wölfe? Lutz Runge, der Wolfs-Fachmann vom Naturschutzbund widersprach dem vehement. Man könne Schwankungen im Wildbestand nicht einfach dem Wolf anlasten. Es gebe wetterbedingt schlechte Jahre, und auch die Landwirtschaft habe eine Aktie an schwindendem Nachwuchs. Die Kleegrasproduktion für Biogasanlagen zum Beispiel erfordere eine so frühe Mahd, dass viele Kitze unter die Messer der Mähmaschinen geraten. Die Diskussion um die Ausbreitung der Wölfe ist mit Emotionen aufgeladen wie kaum ein anderes Naturschutz-Thema. Auch in Glaubitz gab es zum Schluss kuriose Forderungen. Zum Beispiel die nach einer Volksabstimmung über die Wolfsansiedlung. Die Tiere gehörten nach Sibirien und nicht in eine dicht besiedelte Kulturlandschaft.

Wölfe erschließen ihre Heimat

Torsten Peters gab sich alle Mühe, zu erklären, dass der Wolf ein einheimisches Tier ist, das ausgerottet wurde und sich nun seine alte Heimat ganz allein wieder erschließt. Wolfsfreundlicher wurden die Glaubitzer dadurch nicht.

Auch Roberto Kniesche ist am Ende der Veranstaltung nicht zufrieden. Er zeigt Fotos von seinen Damhirsch-Kälbern herum. Die seien doch viel zu groß, um die Beute eines Fuchses zu werden. Eine Entschädigung für das getötete Tier wird er aber wohl nicht bekommen. Sein Gehege war nach Ansicht der Behörden nicht ausreichend geschützt.Manfred Müller