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Jäger auf Löbaus Familienwiese

Auf dem Landesgartenschaugelände gilt jetzt Jagdrecht. Geschossen wird auch tagsüber – aber ohne Gefahr für Menschen.

Von Carina Brestrich

Ein gemütlicher Herbstspaziergang durch den sonst so ruhigen, idyllischen Park, die Vögel zwitschern, die Sonne scheint – und plötzlich fällt der Schuss aus einem Gewehr. Was sich anhört wie der Anfang eines ordinären TV-Krimis, könnte sich auf dem früheren Landesgartenschau-Gelände tatsächlich bald so abspielen. Denn ab sofort kann in dem Park scharf geschossen werden. Menschen kommen dabei selbstverständlich nicht zu Schaden. Vielmehr geht es darum, ein tierisches Problem loszuwerden. Und deshalb ist das Laga-Gelände jetzt offiziell zum Jagdgebiet ernannt worden.

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Der Hintergrund ist durchaus ernst. So hatten es in den vergangenen Wochen wiederholt Raubtiere auf das auf dem Gelände lebende Rassegeflügel abgesehen. Nicht nur die Gelege der Wasservögel an dem ehemaligen Setzbecken räumten die Räuber aus. Auch einige Rassevögel, die in Volieren oder in umzäunten Bereichen leben, fielen augenscheinlich Wildtieren zum Opfer. Um dem ein Ende zu bereiten, ließ die Stadtverwaltung zunächst Lebendfallen aufstellen, erklärt Stadtsprecherin Eva Mentele. Das aber brachte nicht den gewünschten Erfolg. Im Gegenteil: Auch finanziell gesehen schmerzte der Verlust der teuren Rassetiere zunehmend. Mit genauen Zahlen hält sich die Stadt zwar zurück: „Aber weitere Schutzmaßnahmen hätten die Kosten noch weiter in die Höhe getrieben“, so Eva Mentele.

Ein verhaltensauffälliger Fuchs schließlich zwang die Stadt endgültig zu Konsequenzen. Spaziergänger entdeckten das streunende Tier. Ob er das Rassegeflügel auf dem Gewissen hat, lässt sich zwar nicht beweisen. Aber angeblich suchte er die Nähe zu den Menschen – ein Zeichen, dass er möglicherweise krank war. „Es ist zwar nichts passiert und die Besucher konnten ihn wohl vertreiben, aber handeln mussten wir dennoch“, sagt Eva Mentele. So entschied die Stadt schließlich, bei der Unteren Jagdbehörde des Landkreises eine Genehmigung zum Jagen auf dem Garten-schaugelände zu beantragen.

Nach den gültigen Jagdgesetzen ist dies kein Problem, bestätigt Marina Michel, Sprecherin des Landratsamtes. So ist der Stadt Löbau seit Kurzem erlaubt, einen Jäger mit der Bejagung des Geländes zu beauftragen. „Die Bejagung ist allerdings nur auf Dachse, Füchse, Marderhunde und Waschbären beschränkt“, erklärt sie.

Sie haben es gern auf Enten, Gänse und andere Vögel abgesehen, weiß Detlef Eckert, der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Oberlausitz. Das Gartenschau-Gelände ist für sie also genau richtig: „Denn bisher mussten sie hier ja keine Feinde fürchten“, erklärt der Experte. Auch deshalb konnten sich in dem vergangenen Jahr gerade Marderhunde und Waschbären so gut vermehren. Sie sind in der Oberlausitz ursprünglich gar nicht heimisch, wurden aber eingeschleppt und konnten ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren schnell erhöhen. „Allein der Bestand an Waschbären hat sich seit 2003 vervierfacht“, sagt Eckert. Sie leben in den Städten, finden auf Dachböden Unterschlupf – und werden letztlich Tieren wie den Vögeln auf dem Landesgartenschau-Gelände zur Gefahr, sagt Eckert. „Das einzige Mittel, um ihnen dann noch Herr zu werden, ist dann eben nur das Jagen.“

Ob es tatsächlich die Marderhunde und die Waschbären sind, die auf dem Gartenschau-Gelände ihr Unwesen treiben, ist zwar bisher nicht bekannt. Fakt ist aber für die Stadt: Sie muss eingreifen. Sonst wären Einschnitte bei der Haltung der Tiere auf dem Gelände unumgänglich. So etwa wäre es dann nicht mehr so einfach, die Tiere so zu halten, dass sie die Besucher in ihrem Gehege anschauen können: „Das würde das Erlebnis sehr einschränken“, sagt Eva Mentele.

Gefährlich wird es im Park für die Besucher künftig aber nicht, betont Eva Mentele. „Der Jäger ist natürlich ausgebildet und weiß, was er darf und was nicht“, sagt er. Es könne vorkommen, dass er sich auf die Lauer legt, wenn Besucher im Park spazieren. „Aber schießen kann er natürlich nicht, wenn Menschen in der Nähe sind. Die Sicherheit für die Besucher hat oberste Priorität“, sagt Eva Mentele.

Außerdem wird der von der Stadt beauftragte Jäger nicht ständig vor Ort sein. „Und auch einen Hochsitz wird es für ihn nicht geben“, sagt Eva Mentele. Vielmehr ermögliche die Jagdgenehmigung in Zukunft auf Abruf zu handeln, wenn der akute Verdacht besteht, dass wieder Raubtiere im Park unterwegs sind. In den vergangenen Tagen herrschte ohnehin Ruhe auf dem Gelände. Denn einen Fuchs hat der Jäger bereits erwischt. Vielleicht war er ja der Übeltäter, der sich die edlen Vögel auf dem Gartenschau-Gelände hat schmecken lassen. Seitdem sind zumindest keine Verluste durch Raubwild mehr eigentreten, so die Sprecherin der Stadtverwaltung.