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Jäger fordern Abschussprämie

Den Waschbären ist nicht mehr anders beizukommen. Eine Lachmöwenkolonie ist schon vernichtet.

Von Udo Lemke

Der Schönfelder Röhrichtteich glänzt in der Morgensonne. Einige wenige Wildenten schwimmen auf dem Wasser. „Jetzt würden die Enten ihre Küken normalerweise auf den Teich zur Nahrungssuche herausführen“, sagt Jörg Köhler, der Vorsitzende des Jagdverbandes Großenhain. Aber weit und breit sind keine Entenküken zu sehen.

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So wie auf dem Röhrichtteich bei Schönfeld findet Jörg Köhler, Vorsitzender des Jagdverbandes Großenhain, oft keine Wasservögel mehr. Zeigen sich doch einmal ein paar Wildenten, dann meist ohne Junge – denn diese sind für Waschbären eine Delikatesse.
So wie auf dem Röhrichtteich bei Schönfeld findet Jörg Köhler, Vorsitzender des Jagdverbandes Großenhain, oft keine Wasservögel mehr. Zeigen sich doch einmal ein paar Wildenten, dann meist ohne Junge – denn diese sind für Waschbären eine Delikatesse.

„Die Bestände an Wasservögeln sind in den letzten Jahren gewaltig zurückgegangen“, erklärt der Fachmann und nennt als Ursache den starken Anstieg der Waschbären-Population: Wurde in dem Hegegebiet, in dem der Röhrichtteich liegt, 2002 noch kein einziger Waschbär geschossen, so waren es im vergangenen Jahr schon 117.

Eine Tendenz, die Thomas Vogelsang, beim Landratsamt Meißen für Jagdrecht zuständig, für den gesamten Kreis bestätigt. „Im Jahr 2000 wurden einzelne Exemplare, insgesamt 20, kreisweit erlegt. Mittlerweile werden wir geflutet, im Jagdjahr 2013/14, das im Frühjahr endete, wurden insgesamt 1.230 Waschbären im Landkreis Meißen erlegt.“

So viele Waschbären wie nie zuvor

In Sachsen sind im vergangenen Jagdjahr voraussichtlich so viele Waschbären zur Strecke gebracht worden wie nie zuvor. Nach derzeitigem Stand betrage die sogenannte Jagdstrecke aus dem Zeitraum zwischen dem 1. April 2013 und dem 31. März des laufenden Jahres 5.556 Waschbären, teilte der Staatsbetrieb Sachsenforst auf dpa-Anfrage mit. Da die Gesamtstatistik noch nicht vorliege, könne sich diese Zahl bis zum endgültigen Schlussstand durchaus noch auf rund 5.700 erhöhen, hieß es.

Im Jagdjahr 2012/13 war sachsenweit eine Jagdstrecke von 5.305 Waschbären gemeldet worden, im Jagdjahr 2011/12 waren es 3.256. Als Jagdstrecke werden die Tiere bezeichnet, die von Jägern erlegt oder als sogenanntes Fallwild zum Beispiel im Straßenverkehr ums Leben kamen.

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Der Schaden, den die niedlichen Räuber anrichten, ist enorm. Nester von Bodenbrütern werden genauso ausgenommen wie die in Bäumen. „Nester auf Inseln sind auch kein Problem, denn Waschbären sind gute Schwimmer“, so Jörg Köhler. Die Tiere sind so intelligent, dass sie auch Steine von Mülltonnen räumen, um an den Inhalt heranzukommen. Ja selbst ein zwölf Meter hoher Mast eines Storchennestes in Großenhain-Naundorf stellte kürzlich kein Hindernis dar – ein Waschbär kletterte hinauf, warf alle vier Eier zu Boden und fraß sie aus.

Dabei ist das Gebiet um Schönfeld keine Ausnahme. Bei der jüngsten Wintervogelzählung des Nabu wurde im Teichgebiet von Zschorna keine einzige Lachmöwe mehr gezählt. In den vergangenen Jahren hatten Beobachter auf den Inseln in Zschorna bis zu 3 000 Brutpaare Lachmöwen und bis zu acht Brutpaare Schwarzkopfmöwen gezählt. Die Vogelfreunde gehen davon aus, dass die einst größte Lachmöwenkolonie Sachsens von Waschbären vernichtet worden ist. Gleiches dürfte auch auf die Graureiherkolonie auf der Gauernitzer Elbinsel zutreffen.

Jörg Köhler macht auf ein weiteres Problem aufmerksam. „Waschbären sind Kulturfolger, sie gehen in die Orte und sind auf Dachböden, in Lauben und Schuppen zu finden, und dort kann man sie nicht mit der Waffe bejagen.“ Deshalb plädiert er für den Einsatz von Kastenfallen. Die Jagdgenossenschaft Großenhain hat solche Fallen gekauft, leiht sie an Bürger aus und holt die gefangenen Waschbären ab. Die erhalten dann mit kleinkalibrigen Waffen den Fangschuss, werden vergraben oder in die Tierkörperbeseitigung gebracht.

Das alles verursacht Kosten für die Jäger. Die Preise für Munition, Treibstoff und die Tierbeseitigung sind gestiegen. Deshalb fordert Jörg Köhler eine Fangprämie für Waschbären. Analog zu der bis 2012 Gezahlten für Füchse. Die sei allerdings nur zur „gezielten Tollwutbekämpfung“ ausgezahlt worden. Da sich die Tollwutsituation entspannt hat, „gibt es für eine Fortführung keine Rechtsgrundlage mehr“, erklärte Sprecher Falk Hofer vom Umweltministerium.

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Das heißt auch, dass bislang generell keine Fangprämie für Waschbären vorgesehen ist. Denn „von einem generellen Überbestand an Waschbären bzw. von einer Waschbär-Plage kann im Freistaat Sachsen derzeit nicht die Rede sein“.

Jörg Köhler sieht das anders: „Es kann nicht sein, dass eine Tierart auf Kosten der anderen lebt.“