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Jäger kommen in die Klassenzimmer

Herr Kob, Sie haben das gleiche Problem, wie viele Vereine und Verbände: Überalterung und die Pendelei zum Job. In den letzten zehn Jahren ist die Mitgliederzahl im Verband stetig geschrumpft. Einige wenige fühlen sich nicht durch den Verband in ihren Interessen vertreten.

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Herr Kob, Sie haben das gleiche Problem, wie viele Vereine und Verbände: Überalterung und die Pendelei zum Job.

In den letzten zehn Jahren ist die Mitgliederzahl im Verband stetig geschrumpft. Einige wenige fühlen sich nicht durch den Verband in ihren Interessen vertreten. Im früheren NOL-Kreis und Görlitz haben heute 498 Jäger den Jagdschein. 366 engagieren sich als Mitglieder. Hier müssen wir ansetzen.

Wie?

Seit 1991 gibt es die Initiative „Lernort Natur“ – für Kinder in Grundschulen. Ich sehe aber auch in Mittelschulen und Gymnasien Potentiale. Wir wollen Jugendliche zu Exkursionen und Schnupperkursen ins Revier einladen.

Die Menschen sind bei allen Verbänden mit Waffen zurzeit höchst sensibilisiert – nach den Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden.

Mit Sicherheit haben solche traurigen Ereignisse Auswirkung auf die Nachwuchsfindung. Ich selbst nehme regelmäßig meine Söhne mit ins Revier. Wir diskutieren da auf hohem Niveau die Jagd. Letztlich ist nicht die Waffe die Gefahr, sondern der Mensch, der sie bedient. Dazu gehört auch das Heranführen an das Handwerkszeug eines Jägers, nämlich den jagdlich relevanten Waffen durch den Besuch eines zugelassenen Schießstands in der Region. Das kann ein Ansatz sein.

Jäger sein ist viel mehr als das Erlegen von Wild – den Großteil seiner Zeit ist der Jäger für die Natur unterwegs. Und das Jägerleben ist noch mehr – zum Beispiel Musik – funktioniert da die Nachwuchsgewinnung?

Bislang kaum. Gefragt ist da der Enthusiasmus der Jäger und Jagdhornbläser. Derzeit bestehen die Gruppen der Hegeringe Biehainer Forst/Kodersdorf, Königshainer Berge, Muskauer Heide und Nieskyer Heide. Bei uns in Nieder Seifersdorf brachte sich die von mir gegründete Jagdhornbläsergruppe Königshainer Berge vor zwei Jahren beim Sommerfest der Kindergärten Arnsdorf und Melaune ein. Wir stellten verschiedene Instrumente vor und erläuterten die Jagdsignale. Die Kinder durften selbst blasen – heute sind mit Begeisterung drei Elfjährige bei der Übungsstunde integriert.

Wenn Eltern oder Jugendliche darüber nachdenken in Sachen Naturschutz und Jagdwesen reinzuschnuppern – wann gibt es da Gelegenheiten?

Die Hegegemeinschaft Hohe Dubrau und der Jagdverband NOL beteiligen sich am 7. Juni beim 13. Stauseefest in Diehsa. Hier stellen wir das Projekt „Lernort Natur“ vor. Es gibt es eine Hege- und Trophäenausstellung. Falkner und Jagdhornbläser sollen mitwirken. Darüber hinaus wird es eine Jagdhunde-Rassenvorstellung geben.

Dürfen Jugendliche auf Jagd?

Ja, sicher. Eine überschaubare Anzahl von Jugendlichen einer Klasse könnte etwa als Treiber und Jagdhelfer mitwirken. So erleben sie diese Faszination hautnah.

Gespräch: Andreas Kirschke