merken
PLUS

Pirna

Jahrgangsbeste trotz Doppelbelastung

Cindy Friebel aus Johnsbach hat die Gesellenprüfung mit Eins hingelegt. Ein Viertel der Lehrlinge ist dagegen durchgefallen.

Erleichtert hält Cindy Friebel ihren Gesellenbrief in der Hand und ihren Sohn Denny auf dem Arm.
Erleichtert hält Cindy Friebel ihren Gesellenbrief in der Hand und ihren Sohn Denny auf dem Arm. © Foto: Norbert Millauer

Ist es Zufall oder lernen Frauen doch fleißiger als Männer? Unter den 66 Lehrlingen, die jetzt von der Kreishandwerkerschaft ihre Zeugnisse als Jungfacharbeiter erhalten haben, machten zwei einen Abschluss mit der Note „sehr gut“, beides Frauen. Eine davon ist Cindy Friebel. „Wir sind sehr stolz darauf und begeistert, was sie geleistet hat“, sagt Ringo Tannenbaum, Mitinhaber der Bäckerei Degenkolbe in Schlottwitz. Dort hat Cindy Friebel die letzten zwei Jahre den Beruf der Bäckerin erlernt. „Dass wir sie übernehmen und nicht einfach so ziehen lassen, ist für uns selbstverständlich“, sagt Tannenbaum.

Die Leistung der Jahrgangsbesten ist erst recht in höchsten Tönen zu würdigen, wenn man hört, dass die 30-Jährige zwei Kinder zu versorgen hat und mit ihrem Mann auch noch am eigenen Haus und Hof beschäftigt ist. „Natürlich geht es nicht ganz ohne Lernen. Aber ich habe versucht, schon so viel wie möglich von der Theorie in der Berufsschule aufzunehmen“, sagt Cindy Friebel.

Rundum versorgt im ELBEPARK Dresden
Rundum versorgt im ELBEPARK Dresden

Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Tierfachgeschäfte haben für Sie weiterhin geöffnet. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

Nach der Zeugnisausgabe am Mittwochabend im Sächsischen Haus in Berggießhübel, wo Lehrlinge aus verschiedenen Berufen ihre Abschlüsse erhielten, blieb sogar noch etwas Zeit zum Feiern. „Morgen kann ich ausschlafen, muss erst um 6 Uhr anfangen“, sagte Friebel.

Sie ist die einzige Bäckerin unter den neuen Junggesellen. Ringo Tannenbaum kann das nicht verstehen, weiß aber auch, dass der Beruf ein schlechtes Image hat. Völlig ungerechtfertigt, wie er sagt. „Klar, man ist als Bäcker die ganze Zeit auf den Beinen, aber das ist in vielen Berufen so. Man muss auch nicht nur nachts arbeiten“, sagt er. In seinem Unternehmen gibt es verschiedene Schichten für die Bäcker, auch tagsüber.

Cindy Friebel hatte bereits den Beruf der Verkäuferin gelernt und arbeitet auch bei Degenkolbe ab und an im Verkauf. „Für gute Beratung sind die Kunden dankbar. Da ist das Tiefenwissen von Cindy Friebel natürlich prima“, sagt Tannenbaum. Noch ist zwar das meistverkaufte Brot „das da“, wie er sagt, macht dabei einen Fingerzeig nach vorn und ahmt einen Käufer nach. Doch immer öfter wollten seine Kunden beraten werden.

© SZ

Seine neue Bäckerin verdient zwar nicht mehr Geld, weil sie den Abschluss mit „sehr gut“ gemacht hat. „Es war mein eigener Anspruch“, sagt Friebel. Mit dem Mindestlohn bekommt man ohnehin keinen Bäcker mehr. Die Bezahlung liegt weit darüber, sagt Tannenbaum. Nicht nur bei ihm. Wichtig sei aber, die jungen Leute von Anfang an für den Beruf zu begeistern. „Lehre bedeutet, den Nachwuchs auszubilden, nicht auszunutzen“, sagt er. Dann werde auch nicht mehr so negativ über den Bäckerberuf gesprochen, ist er überzeugt.

Viele Tischler durchgefallen

Die meisten Durchfaller haben die Tischler-Lehre nicht geschafft. Dass nicht alle die Prüfungen im ersten Anlauf bestehen, ist nicht ungewöhnlich. „Dass es so viele sind aber schon“, sagt Matthias Haubold vom Gesellenprüfungsausschuss. Darunter waren gute Praktiker, die in der Theorie gescheitert waren. Ganz ohne Mathematik gehe es nunmal nicht, wenn man beispielsweise den Holzbedarf für ein Endprodukt ermitteln soll. „Viele junge Leute können nicht mehr eine Masse im Kopf ausrechnen oder haben gar keine Vorstellung mehr von Dimensionen, die etwa ein Kubikmeter hat“, sagt Haubold. Zwar gab es in dem Beruf die meisten Lehrlinge. „Die werden aber auch gebraucht“, sagt Haubold. Die Firmen, bei denen die durchgefallenen Lehrlinge einen Lehrvertrag haben, müssen diesen ein halbes Jahr verlängern. Dann sind die Nachprüfungen. „Viele nehmen das dann endlich ernst, lernen und schaffen den Abschluss“, sagt Haubold. Wer dann noch mal durchfällt, für den war’s das dann aber in dem Beruf.

Weiterführende Artikel

„Was braucht man, um Handwerker zu werden?"

„Was braucht man, um Handwerker zu werden?"

Kreishandwerksmeister Gunter Arnold hat seine eigene Theorie, wie die Noten der Lehrlinge besser werden können.

Bei den Anlagenmechanikern Sanitär/Heizung/Klima haben genauso alle Lehrlinge die Prüfung erfolgreich absolviert wie auch die Bauten- und Objektbeschichter. Viele wurden zur Lossprechungsfeier in Berggießhübel von Eltern und Freunden begleitet, die danach voller stolz ihre Lieben in die Arme schlossen oder Fotos machten.

Mehr zum Thema Pirna