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Jakobuskirche erlebt historischen Moment

Turmspitzen zieren jetzt die Ecktürme der Bischofskirche. Erstmals seit Jahrzehnten. Weihnachten sind sie auch zu sehen.

© nikolaischmidt.de

Von Björn Walter (Text) und Nikolai Schmidt (Fotos)

Für die letzten Meter bis zur Turmspitze benötigt Domprobst Hubertus Zomack keine Unterstützung des Fahrstuhles. Der rüstige 73-Jährige zeigt keine Anzeichen von Höhenangst und erklimmt die paar Stufen des Gerüstes noch zu Fuß. Oben angelangt, hat der ehemalige Generalvikar des Bistums Görlitz die Turmspitzenkugel fest im Griff. Diesen besonderen Moment lässt sich Zomack trotz empfindlicher Kälte nicht nehmen. Die Sanierung der Bischofskirche ist für ihn mehr als ein üblicher Bau. Es war sein großer Wunsch, die Instandsetzung noch selbst zu begleiten – obwohl er eigentlich schon im Ruhestand ist. Auch für die Bischofskirche selbst ist dieser Tag mehr als nur der formale Abschluss eines Bauabschnittes. Nach 69 Jahren ist der stadtbildprägende Kirchturm, der zum Ende des Zweiten Weltkrieges stark beschädigt wurde, wieder komplett. Das Ereignis feiert die Katholische Kirche gebührend nach alter Tradition.

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Alles muss rein: Architektin Doris Kohla verschnürte verschiedene Zeitdokumente, darunter auch die Sächsische Zeitung, die nun in der Kugel stecken.
Alles muss rein: Architektin Doris Kohla verschnürte verschiedene Zeitdokumente, darunter auch die Sächsische Zeitung, die nun in der Kugel stecken. © nikolaischmidt.de
Hinauf zur Spitze: Über Treppen ging es die letzten Meter hoch hinauf, ehe die Turmspitze am richtigen Ort am Dach der Kirche angelangt war.
Hinauf zur Spitze: Über Treppen ging es die letzten Meter hoch hinauf, ehe die Turmspitze am richtigen Ort am Dach der Kirche angelangt war. © nikolaischmidt.de
Für Domprobst Hubertus Zomack geht mit der Sanierung der Kathedrale ein Traum in Erfüllung. Der 73-Jährige ließ e sich daher nicht nehmen, die Kugel in luftiger Höhe zu segnen.
Für Domprobst Hubertus Zomack geht mit der Sanierung der Kathedrale ein Traum in Erfüllung. Der 73-Jährige ließ e sich daher nicht nehmen, die Kugel in luftiger Höhe zu segnen. © nikolaischmidt.de

Zunächst am Boden. Architektin Doris Kohla füllt zwei 30 Zentimeter hohe Kartuschen aus Titanzink mit wichtigen Zeitdokumenten. Neben der päpstlichen Errichtungsurkunde, Bau- und Finanzierungspapieren sowie Pfarrbrief und Richtspruch, kommt auch eine aktuelle Ausgabe der SZ in das Metallgefäß. Backhaus spricht von einem „kleinen historischen Moment“. Als alles sorgfältig in die Kartusche gesteckt ist, löten die Klempner die beiden Hälften der Kugel zusammen. Anschließend transportieren sie die Turmspitze mit der Kugel aufs Dach. Hubertus Zomack immer hintendrein. Der Gerüstfahrstuhl bringt ihn nach oben. „Himmelsstrebende Türme werden geerdet, also mit der Gegenwart verbunden“, lautet sein Sinnspruch. Für die letzten Meter in luftiger Höhe ist dann wieder pure Muskelkraft gefragt. Ein schwindelfreier Bauarbeiter führt die Turmspitze sicher zum Ziel und arretiert diese auf dem Turm. Noch sind die Türme der Kirche für die Görlitzer hinter einem Gerüst versteckt. Doch bis Weihnachten wird die oberste Reihe abgerüstet. „Unser Weihnachtsgeschenk an die Stadt“, bemerkt Bauamtsleiter Thomas Backhaus. Dass hier fast für die Ewigkeit gebaut wird, machte auch Bistums-Sprecher Raphael Schmidt in der katholischen Tageszeitung „Tag des Herrn“ deutlich, die ebenso in der Kartusche jetzt weit oben liegt. Seinen Lesern in der Zukunft wünscht er, „einen gesegneten Sonntag, der bis zur Kugelöffnung hoffentlich nicht abgeschafft ist.“