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Feuilleton

Jan Voglers charmante Nachtmusik

Tanzende Schwalben zu Mozart, zeternde Gänse zu Bruckner: Das Moritzburg Festival läuft wieder und erfindet sich neu.

Blaue Stunde: Tolle Musik, eine sympathische Landschaft und ein märchenhaftes Schloss – das prägt das Moritzburg Festival auch 2019. Dabei gibt es trotz vieler Traditionen interessante Neuigkeiten.
Blaue Stunde: Tolle Musik, eine sympathische Landschaft und ein märchenhaftes Schloss – das prägt das Moritzburg Festival auch 2019. Dabei gibt es trotz vieler Traditionen interessante Neuigkeiten. © dpa

Musikfans könnten jetzt zu den Festivals nach Bayreuth, Bregenz oder Salzburg fahren. Aber eigentlich sollten sie besser in Moritzburg sein. 

Weil das hiesige Festival nicht nur Spitzenkönner als Interpreten von facettenreicher Kammermusik aufbietet, weil die Tickets nur einen Bruchteil von denen im Fränkischen oder Österreichischen kosten und weil hier mit dem augusteischen Schloss das schönste Festspielhaus der Welt steht. So jedenfalls war wieder mal das private Fazit nach dem diesjährigen Moritzburg-Festival-Start am Sonntag: ein Traumwetter, ein suggestiver Sichel-Mond und die Teichlandschaft im Einklang mit der Musik waren weitere einnehmende Zugaben. Bis zum 18. August wird das so bleiben!

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Blick in den Speisesaal von Schloss Moritzburg beim Eröffnungskonzert vom Moritzburg Festival.  
Blick in den Speisesaal von Schloss Moritzburg beim Eröffnungskonzert vom Moritzburg Festival.   © Oliver Killig

Zum 27. Mal findet das einst von jungen Musikern der Sächsischen Staatskapelle nach amerikanischem Vorbild als Privat-Fest gegründete Musik-Event statt. Längst führt es Mitbegründer Jan Vogler und verändert es als unruhiger Positivgeist immer wieder.

Auch diesmal – allerdings ging es eher zurück zu den Wurzeln. Erstmals seit Jahren fand die Eröffnung wieder im Schloss statt. Und es spielten wieder die „nunmehr alten“ Großen ihrer Instrumente – allerdings gemeinsam mit Talenten aus aller Welt. In den vergangenen Jahren hatte stets das Orchester der vor gut zehn Jahren initiierten Moritzburg Festival Akademie in der VW Manufaktur Dresden die Eröffnung gestaltet. Jetzt finden Akademie und Festival parallel und nicht mehr hintereinander statt, „um den Begegnungscharakter zu intensivieren und das Festival weiter an das ursprüngliche Vorbild auf die Förderung Hochbegabter zu konzentrieren“, so Jan Vogler.

 „In einer neuen Kooperation mit der Kronberg Academy haben wir zudem acht hervorragende junge Solisten aus drei Kontinenten eingeladen. Sie sind die Stars von morgen, die mit den Meistern und als Solisten mit dem Moritzburg Festival Orchester musizieren.“ Und prompt saßen beim ersten Konzert etwa junge Geiger und Bassisten mit auf dem Podium. Ihr Spiel mit den gestandenen Kollegen gab Mozarts „Zauberflöten“-Ouvertüre eine herrliche Spritzigkeit. Darius Milhauds angejazzte „Chaos“-Musik „La creation du monde“ geriet ihnen frech, so orgiastisch wie versöhnlich. In Bruckners altmeisterlichem Streichquintett F-Dur freilich dominierten Kapellmeister Kai Vogler und der langjährige Bratscher Ulrich Eichenauer. Was nicht schlimm ist, weil Bruckner nun mal Erfahrung braucht.

Jan Vogler
Jan Vogler © Oliver Killig

Und noch eine charmante Neuigkeit hat Vogler erfunden. Das Konzert aus dem Speisesaal wurde hinters Schloss in Richtung Garten als Public Viewing übertragen. Das Festival wollte sich so bei seinen Gastgebern bedanken. Und auf Anhieb kamen 350 Moritzburger und erlebten eine bildtechnisch wie klanglich überzeugende Übertragung. Die Stimmung war heiter, es gab Bockwurst, Wein und Bier.

Mehr noch, die Public Viewer hatten den Reiz des Konzerts, die Kühle des Abends – im Gegensatz zur Wärme im Saal – und ihnen bot sich ein tolles Schauspiel. Schwalben tanzten quasi zur „Zauberflöte“ über dem Teich und flogen ihre Nester am Schloss an. Bei Milhaud und Bruckner gab es dann ein Spektakel, wie es den komponierenden Naturfreunden gefallen hätte. Zeternde Gänse stiegen in Gruppen aus den Gewässern auf, kommentierten auf ihre Weise den Milhaud-Jazz, die borstigen und lyrischen Bruckner-Themen. Noch lange folgten Nachzügler – unüberhörbar, aber reizvoll an diesem Abend.

Mehr zum Thema:

• Infos/Tickets zum Programm des Festivals bis zum 18. August gibt es telefonisch unter 0351 16092615

• Hörfunk-Tipps: Folgende Konzerte werden live oder als Aufzeichnung gesendet: Der MDR sendet am 11. 8. ab 20.05 Uhr live das Schloss-Konzert mit Werken von Barber, Clara Schumann und Rimski-Korsakow;

• Deutschlandfunk Kultur sendet Aufzeichnungen vom 13. 8. mit Werken von Mendelssohn, Hensel und Dvorak am 16. 8. ab 20.03 Uhr sowie vom 14. 8. mit Werken von Mozart, Strauss und Borodin am 22. 8. ab 20.03 Uhr.

• CDs vergangener Festivals sind im Handel und im Shop auf der Seite www.moritzburgfestival.de erhältlich.