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Angekommen in Afrika

Von Klitten über Görlitz nach Burundi: Janine Mietsch hat in einem Kinderheim ihre Erfüllung gefunden - und die Liebe.

Janine Mietsch in Burundi - mit Alex, dem Baby von einem befreundeten Paar.
Janine Mietsch in Burundi - mit Alex, dem Baby von einem befreundeten Paar. © privat

Sie kam nach Afrika und sah die Not: Kleine Kinder betteln auf der Straße, weil ihre Eltern verstorben sind, sie verstoßen wurden oder aus purer Armut nach draußen geschickt wurden, etwas zu erbitten. Diese Bilder haben sich bei Janine Mietsch ins Gedächtnis gebrannt, als sie 2015 zum ersten Mal nach Ostafrika reiste. Nach Burundi, einem sehr kleinen Land, das allerdings 11 Millionen Einwohner hat. Es zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern und ist mit einem Altersdurchschnitt von 18 Jahren ein sehr junges Land. Burundi hat eine sehr bewegte Geschichte mit vielen Kriegen und politischen Problemen. Hierher kam Janine Mietsch – nach Bujumbura, der ehemaligen Hauptstadt des Landes. Inzwischen arbeitet die 32-Jährige seit drei Jahren im Kinderhaus Muhira, für das Projekt „Muhira ein Zuhause für Kinder in Burundi“.

In Klitten aufgewachsen, in Mücka die Schule besucht

Geboren wurde sie in Görlitz, aufgewachsen ist sie in Klitten, machte 2004 an der Comenius-Mittelschule in Mücka ihren Schulabschluss.  Sie wurde staatlich anerkannte Erzieherin und Ergotherapeutin und arbeitete  elf Jahre im Görlitzer Kinderheim. Außerdem war sie zehn Jahre ehrenamtlich in einem Kinder- und Jugendtreff engagiert. 

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Die Arbeit mit Kindern ist ihre große Leidenschaft. Sie sagt: "Ich selbst komme aus einem Elternhaus, in dem ich sicher und geborgen aufgewachsen bin und ich möchte, dass auch andere Kinder diese Möglichkeit haben." Das war letztlich der Beweggrund dafür, im Januar 2017 ganz nach Burundi zu gehen. Die eigenen Eltern waren im ersten Moment nicht erfreut. "Ich hatte einen unbefristeten Arbeitsvertrag in der stationären Kinder- und Jugendhilfe in Görlitz, also ein sicheres Einkommen bis zur Rente. Und dass ich diese Sicherheit aufgeben möchte, um in ein neues Land zu gehen und etwas komplett Neues anfangen möchte, hat sie beunruhigt. Sie haben aber meine Entscheidung akzeptiert und sind jetzt stolz auf das, was ich tue", sagt sie heute. Und ihre Freunde haben sie in ihren Plänen immer unterstützt, da sie wussten, dass es schon lange Janines Traum war. 

Verstoßene Kinder werden hier aufgenommen

In Burundi soll das Projekt weiter aufgebaut werden - zusammen mit einem einheimischen Team. Aktuell haben 25 Kinder, Jugendliche und Alleinerziehende im Kinderheim Muhira ein Zuhause in dem sie geborgen und sicher aufwachsen können. "Alle unsere Kinder gehen zur Schule oder studieren, damit sie eine gute Grundlage für eine bessere Zukunft haben", sagt Janine Mietsch. "Alle haben eine andere Geschichte, einige sind Waisen oder Halbwaisen, einige wurden von ihren Eltern aus unterschiedlichen Gründen verstoßen." 

Essen kochen inmitten der Kinderschar - das ist in Afrika Alltag für Janine Mietsch.
Essen kochen inmitten der Kinderschar - das ist in Afrika Alltag für Janine Mietsch. © privat

Und sie erzählt von Pasti. Vor neun Jahren wurde er geboren, aber sein Vater wollte ihn nicht. Die Mutter war noch sehr jung, hatte keinen Schulabschluss und lebte bei einer Familie, die sie aufgenommen hat. Als Pasti geboren wurde, versuchte sie, sich um ihn zu kümmern, schaffte es aber nicht und gab ihn zu Verwandten. Nach ein paar Jahren konnten sie ihm aber auch nicht mehr helfen, da sie selbst arm waren. Ohne jede Hoffnung , dafür aber mit großer Angst, musste Pasti auf die Straße, um zu  betteln. "Dann hörten wir von ihm und wir nahmen ihn letztes Jahr mit zum Kinderhaus Muhira. Dort hat er ein neues Zuhause gefunden und weiß, dass er hier nicht wieder weggeschickt wird", erzählt Janine Mietsch. 

Genau wie Ben. Als er klein war, hatte er einen schweren Unfall. Er fiel in einen Brunnenschacht. Wie durch ein Wunder konnte er zwar gerettet werden, hat aber eine geistige Behinderung davongetragen. Der neue Mann seiner Mutter akzeptiert ihn nicht und setzte ihn auf die Straße. Nun lebt Ben im Kinderhaus Muhira. Die Einrichtung  unterstützt auch sieben Familien mit Schulmaterialien und bei den Schulgebühren, damit deren Kinder eine gute Ausbildung bekommen.

Bei schweren Erkrankungen nach Ruanda oder Kenia

Leicht ist das alles nicht, die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind mit mit europäischen nicht zu vergleichen. In ihrer Stadt gibt es eins, zwei gute Krankenhäuser, mit guten Ärzten. "Aber die Möglichkeiten hier sind trotzdem sehr begrenzt. Nur wer eine Krankenversicherung oder genügend Einkommen hat, kann sich eine Behandlung in einem guten Krankenhaus leisten. Leider ist das für viele Burundier ein großes Problem." Wer eine schwerere Erkrankung hat, müsse nach Ruanda oder Kenia, um sich dort einer Behandlung zu unterziehen. Ein guter Freund von Janine Mietsch starb 2018 im Alter von 29 Jahren an Lungenkrebs , nur weil es keine Behandlungsmöglichkeiten gab, wie es sie zum Beispiel in Deutschland gibt. "Ich selbst hatte letztes Jahr im Juni eine Operation in einem Schweizer Krankenhaus hier in Bujumbura, in der mir meine Weisheitszähne entfernt wurden. Ich habe dort gute Erfahrungen gemacht", erzählt sie. 

Es gibt viele Schwierigkeiten, die sie und ihr Team im Alltag herausfordern. Im Vergleich zu Deutschland brauche man hier die dreifache Zeit, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Auf den schlechten Straßen gibt es immer wieder schwere, tödliche Unfälle. "Wir, als Familie und das Projekt, leben von Spendengeldern. Jetzt erleben wir, dass wir wegen Überflutungen, Inflation und weil Menschen wegen Corona nicht arbeiten können, kaum wichtige Dinge einkaufen können. Auch die Lebensmittelpreise explodieren. Das erschwert natürlich unsere eigene Lebenssituation und die Arbeit, die wir hier vor Ort mit den Waisenkindern machen." Deswegen werden aktuell Spenden für ein Auto gesammelt, um günstiger bei Farmern einkaufen zu fahren und zum Beispiel auch einmal schnell zum Arzt fahren zu können.

2019 in Afrika geheiratet

Trotz aller Widrigkeiten erfüllt Janine Mietsch ihr Leben in Afrika. Da ist auch den vielen Fotos auf ihrer Facebookseite anzusehen. Außerdem hat sie in Burundi ihr persönliches Glück gefunden: Edmond. 2019 haben sie geheiratet. Er ist selbst als Halbwaise aufgewachsen. Als seine Mutter ihn und seine zwei Geschwister nicht mehr versorgen konnte, wurde er von dem Leiter des Muhira Kinderhaus adoptiert. Beide eint der Wunsch, dass Kinder sicher aufwachsen können und eine bessere Zukunft haben. "Und nun engagieren wir uns gemeinsam als Ehepaar dafür."

Janine Mietsch und ihr Team würden gerne mehr Kindern, Alleinerziehenden und Familien helfen. Wer sie unterstützen möchte, kann sich hier informieren: www.muhira.org oder sich melden unter: [email protected]

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