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Jens Michel ist aus dem Landtag raus

Dem CDU-Politiker fehlt die Absicherung über die Landesliste. Die AfD und Teichmann triumphieren.

Ein Witzbold aus Pirna wünschte sich Ilse Bähnert, die von Schauspieler Tom Pauls erschaffene Kunstfigur, als Landtagsabgeordnete.
Ein Witzbold aus Pirna wünschte sich Ilse Bähnert, die von Schauspieler Tom Pauls erschaffene Kunstfigur, als Landtagsabgeordnete. © Daniel Förster

Der Wahlkreis 51, der sich von der Dresdner Stadtgrenze bei Dürrröhrsdorf-Dittersbach bis zur tschechischen Grenze bei Sebnitz und Rosenthal-Bielatal erstreckt, wird zukünftig nicht mehr von Jens Michel (CDU) vertreten, sondern von Ivo Teichmann (AfD). 

Dieser holte 36,7 Prozent der Erststimmen und damit die meisten. Michel kam auf 33,6 Prozent. Ihm fehlten am Ende 969 Stimmen, um sein Mandat zu behalten. Da er sich aber auch keinen Platz auf der Landesliste der CDU sichern konnte, muss er sich nun beruflich neu orientieren.

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Teichmann nannte es „eine große Freude“, das Direktmandat nach vorläufigem Endergebnis der Wahl gewonnen zu haben. „Wir werden die arrogante Politik der CDU auf keinen Fall fortführen“, sagte er gegenüber SZ. Einen kleinen Vorgeschmack auf zukünftige Debatten gab es gleich am Wahlabend. Teichmann mischte sich unters Publikum und nutzte die Chance, Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) beim Wahlforum des MDR-Fernsehens dafür zu kritisieren, dass dieser den AfD-Wählern zu wenig Respekt entgegenbringe. 

Zudem wollte er wissen, was der Landeschef tun will, damit in der Sächsischen Schweiz zukünftig alle Rettungswagen in der vorgegebenen Zeit von zwölf Minuten im Notfall vor Ort sind. Kretschmer erklärte, dass das seine Partei organisieren werde, ganz ohne AfD. So ähnlich dürfte das dann wohl in Zukunft im Landtag zugehen. Teichmann führt den Erfolg der AfD zu einem großen Teil auf die Enttäuschung der Wähler über die Altparteien zurück.

Am Abend ging es dann zum Feiern auf das von der Partei gecharterte Schiff an der Elbe. „Ab morgen wird daran gearbeitet, das Mandat in fünf Jahren zu verteidigen“, sagt Teichmann. Erstaunlich ist, dass dieser gerade dort, wo man ihn am besten kennt, die wenigsten Prozentpunkte geholt hat, nämlich 27,8 in Königstein. Hier lag Michel vor ihm. Michel gewann auch in seiner Heimat Lohmen.

Im Wahlkreis 51 hatten die Wählerinnen und Wähler die Auswahl von einer Frau und acht Männern, die sich für das Direktmandat bewarben. Irina Becker (Grüne) ist mit 29 Jahren die jüngste aller Direktkandidaten im Landkreis gewesen. Sie hätte sich gewünscht, dass sie mehr Zweitstimmen für die Partei bekommt. „Ich freue mich aber, dass ich viele von unserer Politik überzeugen konnte“, sagt sie.

© SZ-Grafik

Die beiden parteilosen Kandidaten, Johannes Müller und Eckhard Schaar, mussten Unterschriften vor der Wahl sammeln, um überhaupt gegen die Kandidaten der Parteien antreten zu dürfen. Schaar kam auf etwa 0,2 Prozent der Stimmen. Das ist nur noch die Hälfte von vor fünf Jahren, als er auch schon gewählt werden wollte.

In seiner Heimatgemeinde wählten den Struppener 17 Einwohner, was 1,4 Prozent bedeutetet. Müller schaffte es insgesamt immerhin auf 2,4 Prozent. Das ist allerdings ein Absturz gegenüber der Wahl 2014. Damals noch unter NPD-Flagge holte er 10,3 Prozent. Aus der Partei ist er ausgetreten. In Sebnitz, wo er als Hausarzt praktiziert, holte er am Sonntag immerhin sieben Prozent. Das dürfte die AfD zwar etwas geschwächt haben. Trotzdem blieb auch dort Teichmann vor Michel.

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Zur Landtagswahl 2014 holte dieser noch 42,9 Prozent der Stimmen. Auch SPD-Kandidat Peter Goebel trat da an und holte 8,3 Prozent, jetzt waren es nur 4,6. Christian Kowalow (FDP) kam damals auf 6,4 Prozent. Er ist zwar auch auf sein jetziges Ergebnis stolz – fast sechs Prozent, aber gleichzeitig tief enttäuscht darüber, dass es die FDP nicht in den Landtag geschafft hat. „Da wird und muss sich jetzt etwas in der Partei ändern. Das wird eine kleine Revolution geben“, sagt er.

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